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Gablenzgasse 35-37

Fakten

Gablenzgasse 35-37

Gablenzgasse 35-37, 1150 Wien

Baujahr: 1931-1932

Wohnungen: 118

Architekt: Leo Kammel sen.

Weitere Adressen

Hagengasse 14, 1150 Wien

Camillo-Sitte-Gasse 20, 1150 Wien

Alliogasse 35, 1150 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Die Wohnhausanlage befindet sich am Rand des so genannten Nibelungenviertels. 1910 wurde dieser Teil des ehemaligen Exerzier- und Paradeplatzes Schmelz zur Besiedelung freigegeben. Nach einer durch den Ersten Weltkrieg bedingten Bauunterbrechung begann die Gemeinde Wien, die verbliebenen Baulücken zu schließen. 1954 erfolgte im Rahmen der Wohnraumneuschaffung der Ausbau des Dachgeschoßes.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage umfasst fast einen gesamten Häuserblock, nur an der Ecke Gablenzgasse/Alliogasse befindet sich noch ein Gebäude aus der ersten Erschließungsphase dieses Viertels. Auffallend an dem großen Bau sind die markanten Ecklösungen mit hinter die Baulinie zurückversetzten Türmen, wodurch Platz für kleine Grünflächen entsteht. Zwei der drei Ecktürme sind mit umlaufenden Balkonen ausgestattet, lediglich jener an der Kreuzung Gablenzgasse/Camillo-Sitte-Gasse weist Sprossenfenster mit Dach- und Sohlbankgesimsen auf. Stark vor- und zurückspringende Fensterachsen rhythmisieren die großen, vier- bis fünfgeschoßigen Fassadenflächen. Das durch ein umlaufendes Gesims vom Baukörper abgesetzte Sockelgeschoß gleicht das unterschiedliche Niveau aus und ist mit einem rau bearbeiteten Mauerwerk versehen. Über dem ausgeprägten Kranzgesims erhebt sich das 1954 ausgebaute Dachgeschoß.
Bei der Generalsanierung Ende der 1990er-Jahre wurde der schlichte Erker an der Gablenzgasse in einen weit vorspringenden, durch Gesimse gegliederten Stiegenhausturm umgewandelt, dessen horizontal "geriffelte" Oberfläche das Volumen des Baukörpers noch zusätzlich betont. Hoch aufragende Treppen- und Aufzugstürme sowie ein Kindergartenpavillon verleihen dem Innenhof sein charakteristisches Aussehen.

... und die Kunst

Über dem Hauseingang ist ein Relief aus glasierten Fliesen von Florian Josephu-Drouot zu sehen. Die Familiendarstellung aus dem Jahr 1931 trägt auf einem Schriftband den Titel "Arbeit - Friede" und ist mit "F. Josephu-Drouot 1931" signiert.

Der Name

Die Gablenzgasse trägt diesen Namen seit 1894, davor hieß sie Burggasse bzw. Marc-Aurel-Gasse. Namensgeber war der sächsische Offizier Ludwig Karl Wilhelm Freiherr von Gablenz (1814-1874), der 1866 die einzige Schlacht für Österreich im verlorenen Krieg gegen Preußen gewann.

Sanierung

von 1997 bis 2000

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1997 bis 2000 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Im Dachgeschoß entstanden acht neue Wohnungen. Der Anschluss an die Fernwärme Wien erfolgte bereits im Zuge von Sanierungsarbeiten in den Jahren 1989 bis 1992. Die Kosten beliefen sich auf 4.818.855 Euro, davon konnten 3.023.407 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Leo Kammel sen. - Leo Kammel sen. (1885-1948) studierte in Prag, unter anderem bei Jan Kotera, und ließ sich kurz vor dem Ersten Weltkrieg in Wien nieder. Hier entstand ein Großteil seiner zunächst noch kubistisch geprägten Bauten, insbesondere für das Rote Wien. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist er am Wiederaufbau des Volkstheaters beteiligt, in dem er 1938 das sogenannte "Führerzimmer" einrichtete.

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