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Oeverseestraße 25-29

Fakten

Oeverseestraße 25-29

Oeverseestraße 25-29, 1150 Wien

Baujahr: 1926-1927

Wohnungen: 114

Architekt: Carl Witzmann

Weitere Adressen

Johnstraße 54, 1150 Wien

Wurmsergasse 47, 1150 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Der Gemeindebau in der Oeverseestraße 25-29 wurde gegenüber dem schon bestehenden "Heimhof", einer auf der neuen Vorstellung von gemeinschaftlichem Wohnen basierenden Wohnhausanlage, errichtet. Hinsichtlich Stil und innenarchetektonischer Ausrichtung stehen die beiden Höfe für zwei konträre Formen des sozialen Wohnbaus: der progressive Heimhof einerseits - in einer großen Gemeinschaftsküche konnten die Bewohner zusammenkommen, die Erfahrung des Kollektivs wurde großgeschrieben -, und die sich an den bürgerlichen Vorstellungen des individualisierten Wohnens orientierende Oeverseestraße 25-29 andererseits.

Die Architektur

Die zur Oeverseestraße hin geschlossene Anlage öffnet sich mit einem Straßenhof auf die Loeschenkohlgasse in Richtung Heimhof. Hier liegt der ebenfalls von Witzmann geplante Kindergarten, der in den Heimhof baulich integriert wurde. Die sechsgeschoßige Anlage (inklusive Mansardengeschoß) wird über den großen Straßenhof sowie zwei kleinere Innenhöfe erschlossen. Drei Stiegenhäuser, die risalitförmig vor die Fassade treten, sind auch über die Oeverseestraße begehbar. Die Hoffassaden werden durch durchgängige Gesimse und halbrunde, axial angebrachte Balkone gegliedert. Der Vergleich mit dem gegenüberliegenden Heimhof verdeutlicht die verschiedenen Möglichkeiten kommunalen Bauens Mitte der 1920er-Jahre: rationale Stringenz im Heimhof, "behäbige", monumental-repräsentative Architektur in der Oeverseestraße.

Der Name

Die Wohnhausanlage selbst hat keinen eigenen Namen. Die Oeverseestraße wurde 1912 zur Erinnerung an die 1864 stattgefundene Schlacht bei Oeversee im Norden Schleswig-Holsteins im österreichisch-preußischen Krieg gegen die Dänen benannt.

Sanierung

von 1996 bis 2002

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1996 bis 2002 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen und ein neuer Spielplatz errichtet. Im Dachgeschoß entstanden neun neue Wohnungen. Die Kosten beliefen sich auf 4.177.700 Euro, davon konnten 2.601.838 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Carl Witzmann - Carl Witzmann (1883-1952) studierte von 1900 bis 1940 an der Kunstgewerbeschule Wien unter anderem bei Josef Hoffmann. Durch seine eigene Lehrtätigkeit an der Kunstgewerbeschule hatte er großen Einfluss auf die nachfolgende Architektengeneration. Sein Werk umfasst vor allem Villen und die Inneneinrichtung von zahllosen Wiener Café-Häusern (z. B. Café Sacher).

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