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Ludo-Hartmann-Hof

Fakten

Ludo-Hartmann-Hof

Albertgasse 13-17, 1080 Wien

Baujahr: 1924-1925

Wohnungen: 74

Architekt: Cesar Poppovits

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

In den Jahren 1924/25 wurde in der Albertgasse in Wien VIII. die nach dem Bildungspolitiker Ludo Hartmann benannte Wohnhausanlage mit damals 70 Wohnungen errichtet. Der Architekt Cesar Poppovits zeichnete für die Planung des Baus verantwortlich. Vor allem für die höheren Beamten des nahe gelegenen Wiener Rathauses vorgesehen, ist der Ludo-Hartmann-Hof mit für den Kommunalbau außergewöhnlich großen Wohnungen mit bis zu vier Zimmern ausgestattet. Im Erdgeschoß befinden sich heute mehrere Gewerbebetriebe, vom Einzelhandel bis zur Gastronomie.

Die Architektur

Die Vorliebe des Architekten für Klinker und aufwändiges Keramikdekor zeigt sich am unter Denkmalschutz stehenden Ludo-Hartmann-Hof ganz besonders. Dieser zählt wegen seiner eigenwilligen Anlage zwar nicht zu den größten, dafür aber zu den markantesten kommunalen Wohnbauten der Wiener Zwischenkriegszeit. Das fünfstöckige Haus besteht aus einem Baukörper mit sechs Stiegen und drei Innenhöfen. Die kubistische Nüchternheit der oberen Stockwerke steht im Kontrast zur Sockeletage des Gebäudes. Keramik- und Schmiedeeisenelemente prägen den zurückversetzten Mitteltrakt, der einen kleinen Straßenhof freigibt. Die Säulen, die diesen Vorplatz säumen, wurden in Form von Palmenstämmen gestaltet. Hellgrüne schmiedeeiserne Objekte wie die kunstvoll gestalteten Außenlampen im Pfeilergang runden das Ensemble ab.

Der Name

Ludo (Ludwig) Moritz Hartmann wurde 1865 in Wien geboren. In den Jahren 1883 bis 1889 studierte er Geschichte in Wien und Berlin. 1919 wurde er Professor für Alte und Mittelalterliche Geschichte an der Universität Wien. Berühmt wurde Hartmann durch sein Engagement als Volksbildner. 1895 war er federführend an der Konzeption der "volkstümlichen Universitätsvorträge" beteiligt. 1901 trat er der Sozialdemokratischen Partei bei. Im selben Jahr gründete er gemeinsam mit Emil Reich das Volksheim Ottakring, die heutige Volkshochschule im 16. Bezirk. Ab 1905 hielt man dort - erstmalig in Europa - öffentliche Abendkurse zur Volksbildung ab. Ludo Hartmann bekleidete von 1918 bis 1925 eine Reihe politischer Ämter (Abgeordneter zur Nationalversammlung und im Bundesrat). Nach seinem Tod wurden sowohl der Platz vor dem Volksheim Ottakring als auch die Wohnhausanlage in der Albertgasse nach ihm benannt.

Sanierung

von 2000 bis 2004

In der Wohnhausanlage wurden in den Jahren 2000 bis 2004 diverse Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Unter anderem erfolgte auch der Ausbau des Dachgeschoßes. Die Kosten beliefen sich auf 2.412.600 Euro, davon konnten 558.987 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Cesar Poppovits - Cesar Poppovits (1876-1938) studierte an der Technischen Hochschule Wien. In der Josefstadt plante er die beiden wichtigsten kommunalen Wohnbauten des Bezirks: den Ludo-Hartmann-Hof in der Albertgasse 13-17 und den Theresia-Schlesinger-Hof in der Schlösselgasse 14. Gemeinsam mit den bildenden Künstlern Alfred Basel und Leopold Forstner gründete er 1912 das erste Unternehmen für "Wiener Friedhofskunst".

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