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Johanna-Dohnal-Hof

Fakten

Johanna-Dohnal-Hof

Jenullgasse 18-26, 1140 Wien

Baujahr: 1931-1932

Wohnungen: 93

Architekt: Hans Kukula, Wilhelm Paul Wohlmeyer, Friedrich Pindt

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Nahe dem alten Ortskern von Penzing um die Kirche St. Jakob und dem Wienfluss, wo sich früher Gärten befanden, wurde vor 1896 die Jenullgasse angelegt und teilweise verbaut. Mit dem Gemeindebau wurde eine Baulücke entlang der abschüssigen Straße geschlossen. Der ursprünglich aus zwei eigenständigen Wohnanlagen bestehende Baukomplex wurde von zwei Architekten geplant - von Wilhelm Paul Wohlmeyer die Hausnummer 18-24 (Stiegen 1-4 und 6-8) und der Teil mit der Nummer 26 (heute Stiege 5) von Friedrich Pindt als eigenes Wohnhaus mit separatem Eingang an der Straße. Die "Baunaht" an den straßenseitigen Blöcken ist leicht zu erkennen. Das Erscheinungsbild der Anlage wird heute im Wesentlichen aber durch die Um- und Zubauten des Architekten Hans Kukula bestimmt.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage besteht heute aus einem lang gestreckten Trakt mit drei bzw. vier Geschoßen an der Jenullgasse und einem parallel dazu in Zeilenbauweise errichteten Block im gartenähnlichen Hofbereich mit drei Geschoßen. Der schlichte Straßentrakt gliedert sich in zwei in der Baulinie stehenden Teile und einen zurückgesetzten Teil, der um ein Geschoß erhöht ist. So korrespondiert der Trakt mit dem in der Anlage ähnlichen Gemeindebau auf der gegenüber liegenden Straßenseite. An der Hofseite bestimmen die vor den Stiegenhauseingängen nachträglich errichteten Aufzugstürme und Balkone das Erscheinungsbild der beiden Wohnblöcke. Der um ein Stockwerk höhere Teil des Straßentraktes wird an der Hoffassade im ersten und zweiten Stock durch vor die Hauswand gesetzte Balkone gegliedert. Seit dem Um- und Ausbau besitzen auch der zusätzlich eingefügte dritte Stock sowie das Dachgeschoß großzügig geschnittene Balkone. Sie schließen an die Aufzugstürme an und sind mit der Hauswand verzahnt. Auch die Fassade des Gartentraktes vis-a-vis folgt im Aufbau dieser Konzeption, wobei allerdings an der rückwärtige Front das ursprüngliche Aussehen beibehalten wurde.
Die im Zeitstil der 1930er-Jahre erbaute schlichte Wohnanlage besitzt durch ihren weiträumigen Gartenhof mit Spielplatz einen großzügigen Charakter. Durch die Umbauten erhielt sie markante Akzente.

Der Name

Die Wohnhausanlage wurde am 4. April 2011 nach Johanna Dohnal benannt. Johanna Dohnal (1939-2010) war zunächst bei den Kinderfreunden, später als Bezirksrätin in Penzing, tätig. 1972 wurde sie Wiener Landesfrauensekretärin der SPÖ, 1973 Abgeordnete des Wiener Landtages und Gemeinderates. Bruno Kreisky holte sie 1979 als Staatssekretärin für Frauenfragen in die Regierung, elf Jahre später wurde das Staatssekretariat zum Ministerium aufgewertet. 1987 wurde Dohnal auch Bundesvorsitzende der SPÖ-Frauen und stellvertretende Parteivorsitzende. Johanna Dohnal gilt als Ikone der Frauenbewegung in Österreich.

Sanierung

von 2001 bis 2004

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2001 bis 2004 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde eine Gas-Kombi-Therme eingebaut und ein neuer Spielplatz errichtet. Im Dachgeschoß entstanden 13 neue Wohnungen. Die Kosten beliefen sich auf 5.368.400 Euro, davon konnten 3.199.582 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Hans Kukula - Hans Kukula (geb. 1948) studierte Architektur an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Ernst A. Plischke. Den Schwerpunkt seiner Tätigkeit als selbständiger Architekt bildet der Schul- und Wohnhausbau. Für die Gemeinde Wien war und ist er zudem an zahlreichen Umbau- und Sanierungsmaßnahmen älterer Wohnhausanlagen beteiligt.

Wilhelm Paul Wohlmeyer - Wilhelm P. Wohlmeyer (1896-1988) studierte an der Akademie der bildenden Künste zunächst bei Leopold Bauer und besuchte dort im Anschluss die Meisterschulen von Franz Krauß und Peter Behrens, bei dem er 1922 sein Diplom machte. Von seiner Tätigkeit in der Zwischenkriegszeit ist nur die gemeinsam mit Friedrich Pindt geplante Wohnhausanlage Jenullgasse 18-26 in Wien 14 bekannt. Unter dem NS-Regime war Wohlmeyer bei der Planung des "Reichsgaues Ost" tätig. 1947 emigrierte er nach Kolumbien, wo er eine neue Identität annahm und vor allem Hotels und Ferienanlagen plante.

Friedrich Pindt - Friedrich Pindt (1888-1944) studierte ab 1909 an der Akademie der bildenden Künste, wo er die Meisterklasse von Otto Wagner besuchte. Für seine Abschlussarbeit eines unbegrenzt erweiterbaren Flugplatzes erhielt er 1912 das Staatsreisestipendium für Italien. Nach einem zweijährigen Praktikum im Atelier von Otto Wagner, trat er 1915 in den Dienst des Wiener Stadtbauamtes ein. In dieser Funktion errichtete er unter anderem die Wohnhausanlage Jenullgasse 19-26 in Wien 14 (mit Wilhelm Wohlmeyer). Pindts bekanntestes Werk ist allerdings die Ausflugsgaststätte "Salettl" in Wien 19 (Hartäckergasse 80).

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