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Furtmüllerhof

Fakten

Furtmüllerhof

Ziegelofengasse 12-14, 1050 Wien

Baujahr: 1936-1938

Wohnungen: 50

Architekt: Franz Wiesmann, Konstantin Peller

Wohnen in Wien

Zu Beginn der 1930er-Jahre wurde der kommunale Wohnungsbau durch die zunehmend schlechte Wirtschaftslage massiv eingeschränkt. Um für die arbeitslose Bevölkerung trotzdem Wohnraum und Beschäftigung schaffen zu können, ging die Stadt dazu über, am Stadtrand liegendes Bauland zu erschließen und so genannte "Erwerbslosensiedlungen" zur Verfügung zu stellen. Die Siedlungshäuser wurden von den späteren Bewohnern nach einem vorgegebenen Bebauungsplan selbst errichtet. Durch die Ausschaltung des Parlaments und die Einführung einer autoritären ständestaatlichen Verfassung verlor Wien 1934 den Status eines eigenen Bundeslandes. Der Wohnbau kam so gut wie zum Erliegen, und die Arbeitslosigkeit stieg weiter. Der wachsenden Unzufriedenheit in der Bevölkerung versuchte die Stadt entgegenzuwirken, indem sie Bauland zur Gründung autarker Wohneinheiten bereitstellte und so die Bewohner aus dem Elend der traditionellen Arbeiterbezirke an den grünen Stadtrand absiedelte.

Geschichte

Am 15. Februar 1949 erhält die vor dem Zweiten Weltkrieg errichtete städtische Wohnhausanlage in der Ziegelofengasse, die bis dahin lediglich die Bezeichnung "V U" trug, den Namen "Aline-Furtmüller-Hof" nach der österreichischen Politikerin Aline Furtmüller. Nach dem Tod ihres Ehemannes, dem Lehrer und Individualpsychologen Carl Furtmüller, wird der Hof 1951 auf "Furtmüllerhof" umbenannt. Furtmüller, der 1947 aus der Emigration nach Österreich zurückkehrte (Aline Furtmüller verstarb 1941 in den USA), leitete das Pädagogische Institut der Stadt Wien bis zu seinem Tod.

Die Architektur

Das sechsgeschoßige Wohnhaus wurde als zwölf Achsen breiter Gebäudekomplex entlang der Ziegelofengasse errichtet. Auffallend sind die zwei vorspringenden Risalite an der Seite der Fassade. Die Wölbungen werden zusätzlich durch dreisprossige Fenster, die durch Sohlbänke und eingeschnittene Putzfelder optisch zu einem Fensterband zusammengefasst sind, akzentuiert. Dieses Thema findet sich auch im Mittelteil des Gebäudes wieder, wobei die Fensterbänder hier gleichzeitig als horizontales Gliederungselement der Fassade fungieren. Die Wohnhausanlage ist über drei Stiegenhauskerne an der rückwärtigen Gebäudefront begehbar, wobei Stiege 1 und 3 über Liftanlagen verfügen. Bei Stiege 2 werden die ums Eck verlaufenden Fenster durch verflieste Bauelemente betont. Ein kleiner Hof schließt die Anlage nach innen ab.

... und die Kunst

Die Fassade weist im Mittelteil im ersten Obergeschoß zwei Arbeiterreliefs auf. Im Durchgangsbereich zu den Eingängen befindet sich eine Tafel zum Gedenken an das Ehepaar Furtmüller.

Der Name

Aline Furtmüller (1883-1941), Tochter eines aus Russland geflüchteten Revolutionärs, war österreichische Politikerin der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP). Zwischen 1919 und 1934 gehörte sie dem Wiener Landtag und Gemeinderat an und war Obfrau der Sozialdemokratischen Frauenorganisation Landstraße. 1934 wurde sie jedoch fristlos entlassen und emigrierte mit ihrem Ehemann, dem Lehrer Carl Furtmüller, nach Paris, wo die beiden Mitglied des "Kreises österreichischer Sozialisten" wurden. Nach dem Versuch, über Frankreich und Spanien in die USA zu emigrieren, wurde Aline Furtmüller für einige Monate inhaftiert. Nach der Freilassung setzte sie ihre Reise nach New York fort, verstarb jedoch kurz nach ihrer Ankunft.

Sanierung

von 1996 bis 1997

Bereits ab 1987 wurden die Stiegenhäuser der Wohnhausanlage mit Aufzügen ausgestattet. Die Kosten dafür beliefen sich auf 112.134 Euro und konnten vollständig durch Förderungen gedeckt werden. In den Jahren 1996 und 1997 erfolgte eine umfassende Sanierung. Durch die Erneuerung der Fenster und Türen konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden.

Architekten

Franz Wiesmann - Franz Wiesmann (1888-1959) studierte von 1907 bis 1913 an der Technischen Universität Wien. Nachdem er eine kurze Zeitspanne als freier Architekt in Baden tätig gewesen war, erhielt er 1914 eine Anstellung am Wiener Stadtbauamt und gehörte diesem bis zu seiner Pensionierung an. Zahlreiche Wohnhausanlagen der Zwischenkriegszeit entstanden nach seinen Plänen.

Konstantin Peller - Konstantin Peller (1887-1969) studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien in der Meisterschule von Otto Wagner. Er arbeitete zunächst als freischaffender Architekt sowie für kurze Zeit mit Josef Ludwig, bevor er vor Beginn des Ersten Weltkriegs in das Wiener Stadtbauamt eintrat. Während seiner Tätigkeit in dieser Funktion entwarf er, oft in Zusammenarbeit mit Julius Stoik und Adolf Stöckl, mehrere städtische Wohnhausanlagen und war u. a. auch bei der Regulierung des Wienflusses tätig. 1945 wurde Peller zum Vorsitzenden der Stadtplanung und des Wiederaufbaus ernannt. Aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit im Wiener Stadtbauamt hat Konstantin Peller mit der Gestaltung einer Reihe von Wohnbauten die Architektur des Roten Wien entscheidend mitgeprägt.

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