Mobile Version aus nicht mehr nachfragen

Informationen zu den Turmfalken

Turmfalken-Paar, das Männchen ist gut am grau gefärbten Kopf erkennbar.
Turmfalken-Paar, das Männchen ist gut am grau gefärbten Kopf erkennbar.

Foto: Turmfalken-Paar, das Männchen ist gut am grau gefärbten Kopf erkennbar. © Hans Heider/Wiener Wohnen

Es ist endlich soweit: Das erste Brutpaar hat mit der Brut begonnen. Im Bild sieht man jetzt das Weibchen, das in den nächsten Tagen nun hoffentlich ein Ei nach dem anderen legen wird. Zwischen dem Legen der einzelnen Eier liegen meist ein bis zwei Tage. Bis zu sieben Eier kann der Vogel so im Abstand von ein bis zwei Wochen legen, die Anzahl an Eiern ist dabei sehr stark vom verfügbaren Nahrungsangebot anhängig. Grundvoraussetzung für das Legen fruchtbarer Eier ist dabei die Kopulation der Partner, die zudem auch die Paarbindung der Vögel festigt und sich meist auf den Dächern im Umfeld des Brutplatzes abspielt. Manche Paare bleiben ihr Leben lang zusammen, einmal erschlossene Brutplätze werden Jahr für Jahr wieder genutzt.

Wenn dann in wenigen Tagen alle Eier gelegt sind, beginnt die eigentliche Brutzeit, die etwa einen Monat dauert. Es brütet vor allem das Weibchen, das dabei vom Männchen mit Nahrung versorgt und bei der Brut auch immer wieder abgelöst wird. Turmfalken ernähren sich vor allem von kleinen Nagetieren, zum Beispiel Wühlmäusen. Noch ist kein Ei sichtbar, das wird sich aber hoffentlich bald ändern.

DI Ferdinand Schmeller von der Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) und Iris Tichelmann, BSc MSc (Wiener Umweltanwaltschaft) liefern in den nächsten Wochen regelmäßig Informationen und Hintergründe zum Geschehen im Nistplatz.

„Es ist soweit, das Weibchen, das nun fast durchgehend in Nistkasten Nr. 2 zu sehen ist, hat mit der Brut begonnen. Da die Vögel eine kleine Mulde gescharrt haben, in die das Weibchen die Eier gelegt hat, sind diese auf der Webcam nur schwer zu sehen, auch wenn der Vogel kurz das Nest verlässt.

Deswegen haben wir letzte Woche dann einen kurzen Blick in die Nistkästen geworfen und siehe da:  In Nistkasten Nr. 2 lagen bereits 3 Eier und mittlerweile sind es wahrscheinlich sogar noch mehr geworden. Und auch in Nistkasten Nr. 1 lag zumindest schon ein Ei und auch dort lässt sich immer wieder ein Vogel blicken, meist ein Männchen.  Nun wird es sich zeigen, ob in beiden Nistkästen erfolgreich die Jungen schlüpfen – wir drücken die Daumen!“

„Während die Turmfalken fleißig brüten und dafür sorgen, dass sich ihre Jungen bis zum Schlüpfen gut entwickeln, können wir die Zeit nutzen und sie dank der Kamera aus nächster Nähe beobachten, ohne sie zu stören“, meint Iris Tichelmann, MSc, von der Wiener Umweltanwaltschaft.

„Zumeist brütet das Weibchen, das gut an ihrem braunen Kopf erkennbar ist. Das Männchen hat einen grauen Kopf. Diese äußerlichen Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen derselben Art bezeichnet man in der Biologie als Geschlechtsdimorphismus.“

„Merkmale am Körperbau der Turmfalken verraten uns bereits einiges über die Lebensweise und das Verhalten der Vögel, z.B. ist der Schnabel ein typischer Greifvogelschnabel: Er ist kurz und spitz und die obere Schnabelhälfte ist länger als die untere. Damit ist er ein wichtiges Werkzeug für die Turmfalken, die ihre Beute mit nur einem Biss töten können.

Turmfalken haben schöne, große Augen mit einem gelben Augenring und verfügen über einen ausgezeichneten Sehsinn. Ihre  Beute können sie damit auch über große Entfernungen hinweg erspähen. Der Gehörsinn spielt nur eine untergeordnete Rolle.“

„Ein bis zwei Tage vor dem Schlüpfen der Küken wird das Weibchen etwas unruhiger und steht öfter auf. Es lohnt sich also die Dame jetzt im Auge zu behalten“.

Das Weibchen füttert die Jungvögel mit der Nahrung, die ihm vom Männchen vor der Bruthöhle übergeben wurde. Rechts im Bild ist auch noch die Schale von einem Ei zu erkennen, aus dem einer der beiden Jungvögel geschlüpft ist.
Das Weibchen füttert die Jungvögel mit der Nahrung, die ihm vom Männchen vor der Bruthöhle übergeben wurde. Rechts im Bild ist auch noch die Schale von einem Ei zu erkennen, aus dem einer der beiden Jungvögel geschlüpft ist.

„Am Sonntag sind endlich die ersten beiden Jungvögel geschlüpft. Jetzt beginnt eine intensive Zeit für die beiden Altvögel, da die Jungen ständig frisches Futter brauchen. Das besteht bei Turmfalken in erster Linie aus kleinen Nagetieren, also vor allem Mäusen, aber auch großen Insekten, kleinen Reptilien und Kleinvögeln. Turmfalken sind nämlich besonders gut auf die Jagd am Boden angepasst. Das zeigt sich auch beim sogenannten „Rüttelflug“, beim dem die Vögel mit den Flügeln „rütteln“ und so im Flug auf einer Stelle verharren, bevor sie dann auf die Beute am Boden herunterstoßen.

Die noch sehr kleinen Jungvögel sind nach dem Schlüpfen nur mit einem weißen Flaum befiedert und weitgehend ungeschützt. Deswegen werden sie in den ersten Lebenswochen die meiste Zeit noch von der Mutter „gehudert“. Dabei breitet das Weibchen schützend sein Gefieder über sie und füttert sie mit der Nahrung, die regelmäßig vom Männchen gebracht wird.“

Bildunterschrift: Turmfalke mit erbeuteter Eidechse am Karl-Marx-Hof, unmittelbar neben den Brutplätzen

"Nun sind die beiden Küken bereits über zwei Wochen alt und werden von Tag zu Tag selbstständiger und aktiver. Sie sind mittlerweile auch schon zu groß, um von ihrer Mutter noch mit den Flügeln bedeckt und gewärmt zu werden. Die Jungtiere können bereits stehen und ein paar Schritte gehen. Tagsüber sind sie jetzt öfters nicht im Bild zu sehen, weil sie ihre Umgebung erkunden und am Vorsprung vor dem Nistplatz auf ihre Eltern warten, die das Futter bringen. Und der Appetit ist groß! Am Ende der dritten Lebenswoche erreichen die Jungtiere bereits das Gewicht der ausgewachsenen Turmfalken. Die junge Familie kann am besten am frühen Morgen oder in den Abendstunden am Nistplatz beobachtet werden."

  • Teilen auf Facebook
  • Teilen auf Twitter