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Meiselstraße 76

Fakten

Meiselstraße 76

Meiselstraße 76, 1140 Wien

Baujahr: 1928-1928

Wohnungen: 14

Architekt: Josef Beer

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Der Bereich der Meiselstraße ab der Beckmanngasse, wo sich zuvor Äcker und Gärten befunden hatten, wurde ab 1890 angelegt, rasterförmig parzelliert und in den folgenden Jahren verbaut. Doch blieben viele Parzellen lange unbebaut, bis die Gemeinde Wien ab 1924 zahlreiche freie Bauplätze für die Errichtung von Wohnhäusern erwarb. Vier Jahre später entstand die heute denkmalgeschützte Wohnanlage, die ursprünglich zur Versorgung der Bewohner zwei Geschäftslokale im Erdgeschoß besaß.

Die Architektur

Das in einer schmalen Baulücke errichtete Wohnhaus fällt vor allem durch seine elegante Straßenfassade auf. An den Flanken schließt der fünfgeschoßige Bau bündig an die Nachbarhäuser an, der mittlere Fassadenteil tritt risalitartig vor. Hier wird die Erdgeschoßzone durch das zentrale Eingangsportal und die Geschäftsportale gegliedert. Darüber beleben zwei über drei Stockwerke reichende Erker und die dazwischen eingespannten Halbloggien mit ihren polygonalen Brüstungen die Fassade. Die Erker sind an den Kanten durch gebündelte vertikale Strebepfeiler akzentuiert, die Wandflächen mit einem Rautenmuster dekoriert. Der vielschichtige und plastische Fassadenaufbau sowie die sparsam eingesetzten Dekorationselemente sind typische Kennzeichen für den Architekten, dessen Wurzeln im spätbürgerlichen Wohnbau des ausgehenden 19. Jahrhundert lagen.

Der Name

Der ursprünglich Obere Märzstraße genannte Straßenzug wurde 1892 in Erinnerung an Johann Meisel (1821-1890), Kanzleidirektor der Gemeinde Rudolfsheim und Ehrenbürger von Rudolfsheim, in Meiselstraße umbenannt.

Sanierung

von 2006 bis 2007

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2006 und 2007 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Instandsetzung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde teilweise mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde eine Gas-Kombi-Therme eingebaut. Die Kosten beliefen sich auf 570.400 Euro, davon konnten 356.998 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Josef Beer - Josef Beer (1872-1952) studierte an der Technischen Hochschule Wien und 1896/97 an der Akademie der bildenden Künste. Bereits vor seinem Studium war er in verschiedenen Baubüros tätig. 1899 wurde sein erstes selbständig geplantes Gebäude errichtet (Mietshaus Mayerhofgasse 10, Wien 4). Beers Tätigkeit beschränkte sich auf Villen, Wohn- und Geschäftshäuser, wobei er sich vor allem mit seinen mehrstöckigen Mietvillen im Hietzinger Cottage einen Namen machte (z. B.: Auhofstraße 9 und Elßlergasse 10 in Wien 13). In den 1920er-Jahren entwarf er für die Gemeinde Wien unter anderem die Wohnhausanlagen Khunngasse 6-8 in Wien 3 und Meiselstraße 76 in Wien 14.

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