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Meiselstraße 67-69

Fakten

Meiselstraße 67-69

Meiselstraße 67-69, 1140 Wien

Baujahr: 1925-1926

Wohnungen: 263

Architekt: Anton Drexler, Rudolf Sowa, Rudolf (Rolf) Eugen Heger

Weitere Adressen

Hickelgasse 15-17, 1140 Wien

Sebastian-Kelch-Gasse 10-12, 1140 Wien

Cervantesgasse 8-14, 1140 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Der Bereich der Meiselstraße ab der Beckmanngasse, wo sich vormals Äcker und Gärten befanden, wurde ab 1890 angelegt, parzelliert und verbaut. Doch blieben viele Parzellen noch lange unbebaut, bis die Gemeinde Wien ab 1924 zahlreiche freie Bauplätze für den Wohnhausbau erwarb. Als einer der ersten Gemeindebauten in diesem Bereich wurde diese Wohnanlage in mehreren Planungsstufen errichtet. Zuerst waren die Wohnblöcke an der Mei-selstraße, Cervantes- und Sebastian-Kelch-Gasse um zwei geschlossene Höfe (mit den Stiegen 1-3, 4-6 und 11-12) und mit einem zur Grundstücksecke Cervantesgas-se/Hickelgasse offenen Hof geplant. Kurz darauf wurden die Planungen erweitert und der offene Hof geschlossen (mit den Stiegen 13-15). Im Jahr 1930 wurde die letzte Baulücke im Anschluss an die Wohnanlage an der Meiselstraße durch Rudolf Eugen Heger geschlossen (heute Stiege 1A). Wie bei den größeren Wohnanlagen jener Zeit üblich, waren von Beginn an auch Ladenlokale, ein Kindergarten und Gemeinschaftseinrichtungen wie eine Waschküche eingeplant. Bis auf die Läden bestehen die Einrichtungen noch heute.

Die Architektur

Die im Anschluss an bereits bestehende Wohnhäuser auf einem abfallenden Baugrund er-richtete Wohnanlage ist an allen Seiten von Straßen umgeben und bildet drei Innenhöfe. In den Höfen überbrücken Treppen, die der Anlage den Charakter einer gewachsenen bauli-chen Struktur verleihen, das abschüssige Terrain. Die später vor den Stiegenhäusern ange-bauten Aufzugstürme treten in die Hofräume vor und beleben die ursprünglich flacher gehal-tenen Hoffassaden. Die Straßenfassaden werden durch den Wechsel von Vor- und Rück-sprüngen belebt. An der Sebastian-Kelch-Gasse und Cervantesgasse gliedern sich die Stra-ßenfronten jeweils in drei Baublöcke. Der mittlere Block ist ab dem Erd- bzw. Sockelgeschoß, dessen Mauer zickzackförmig ausgebildet ist, von der Baulinie zurückgesetzt und um ein Stockwerk erhöht. Die Ecken werden durch unregelmäßige Rücksprünge räumlich belebt. Eine zusätzliche Gliederung der Fassade entsteht durch Geschoßgesimse und über zwei Stockwerke reichende spitze Erker. An den Gebäudeecken sorgen Rundbogenfenster, die ursprünglich Loggienöffnungen waren, für Abwechslung. Die Wohnanlage ist ein typisches Beispiel für die expressiv-romantische Gestaltungsweise, wie man sie häufig bei den frühen Gemeinbauten beobachten kann.

Der Name

Der ursprünglich Obere Märzstraße genannte Straßenzug wurde 1892 in Erinnerung an den Kanzleidirektor der Gemeinde Rudolfsheim und Ehrenbürger von Rudolfsheim Johann Meisel (1821-1890) in Meiselstraße umbenannt.

Sanierung

von 1986 bis 2000

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1996 bis 2000 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde eine Gas-Kombi-Therme eingebaut und ein neuer Spielplatz errichtet. Im Dachgeschoß entstanden 18 neue Wohnungen. Der Einbau der Aufzüge erfolgte bereits ab 1986. Die Kosten beliefen sich auf 8.442.952 Euro, davon konnten 5.895.842 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Anton Drexler - Anton Drexler (1858-1940) studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Gemeinsam mit seinem Bruder Josef leitete er lange Zeit ein Bauunternehmen, das in der Zeit von 1884 bis 1912 mehr als 100 Bauwerke errichtete. Die Brüder waren unter anderem an der Planung der Pferde- und Galopprennbahnen Freudenau und Krieau beteiligt und erbauten nach eigenen Plänen das Rathaus Floridsdorf (heute Bezirksamt).

Rudolf Sowa - Rudolf Sowa (1878-1952) studierte bis 1905 an der Akademie der bildenden Künste Wien. Zunächst bei verschiedenen Architekten beschäftigt, trat er später in den Staatsdienst ein. Sowa beteiligte sich an zahlreichen Wettbewerben, doch wurden wenige seiner oft preisgekrönten Projekte realisiert. Für die Gemeinde Wien errichtete er zwei Wohnhausanlagen in Wien 14: Meiselstraße 67-69 (mit Anton Drexler und Rudolf Heger) und Drechslergasse 24.

Rudolf (Rolf) Eugen Heger - Rudolf (Rolf) Eugen Heger (1892-1954) studierte an der Technischen Hochschule und bis 1920 an der Akademie der bildenden Künste Wien. Als selbständiger Architekt plante er für die Gemeinde Wien drei Wohnhausanlagen: Cervantesgasse 9 und Meiselstraße 67-69 (mit Anton Drexler und Rudolf Heger) in Wien 14 und den "Richard-Platzer-Hof" in Wien 10. 1946 wurde Heger als Professor an die Technische Hochschule Graz berufen.

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