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Veitingergasse 129-135

Fakten

Veitingergasse 129-135

Veitingergasse 129-135, 1130 Wien

Baujahr: 1952-1953

Wohnungen: 130

Architekt: Hermann Kutschera, Otto Gruen

Weitere Adressen

Gemeindeberggasse 3-17, 1130 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Der Wohnbau befindet sich in Ober-St.-Veit, einem Bezirksteil von Wien Hietzing, zwischen Lainz und Hacking gelegen. Am Anfang des 20. Jahrhunderts gehörte das Grundstück zu den Besitzungen der Hietzinger Gemüsebau- und Kleintierzucht. An der Stelle des heutigen Wohnbaus befand sich um 1912 eine hölzerne Hütte, die als provisorische Gärtnerwohnung diente.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage befindet sich an der Ecke Veitingergasse/Gemeindeberggasse und besteht aus mehreren rechteckigen Wohnblöcken. Ein dreigeschoßiger Bauteil liegt parallel zur Veitingergasse, dahinter sind drei Wohnblöcke angeordnet, die normal zum ersten Bauteil stehen. Ein weiterer Bauteil und ein kleiner Wohntrakt an der Gemeindeberggasse ergänzen die Wohnhausanlage. Alle sechs Wohnbauten zeichnen sich durch eine schlichte und klare Gestaltung aus. Die glatte Fassade löst sich in regelmäßige Fensterachsen auf, die Öffnungen sind knapp in die Wandfläche eingeschnitten. Die Besonderheit der Anlage liegt in der Beschaffenheit des Terrains, das in Richtung Südwesten leicht ansteigt. Die Anzahl der Geschoße nimmt mit der Steigung des Geländes ab, die einheitliche Höhe der Wohnbauten bleibt aber erhalten. Während sich die Bauteile nahe der Veitingergasse noch über drei Geschoße erstrecken, sind die südlichen Häuser mit zwei Geschoßen ausgestattet. Die einzelnen Trakte sind versetzt aneinander gekuppelt, steile Giebeldächer runden den einheitlichen Gesamteindruck ab.

... und die Kunst

Über den einzelnen Stiegeneingängen sind Hauszeichen angebracht, die unterschiedliche Vögel darstellen. Die Natursteinreliefs wurden 1953 von fünf Künstlern angefertigt. Die Darstellungen "Möwe", "Bussard" und "Kormoran" stammen von Maria Bilger, "Störche" und "Pelikan" wurden von Caecilie Danzer ausgeführt. Gerhard Henisch (Marc Adrian) hat die Motive "Uhu" und "Rebhuhn" entworfen, Adolf Wagner von der Mühl die Darstellungen "Adler", "Auerhahn" und "Falke". Die Motive "Ente", "Hahn" und "Wildente" gehen auf Luis Wolf zurück.

Der Name

Die Gasse, in der der Wohnbau steht, wurde ursprünglich als Windmühlgasse und Ober-St.-Veiter-Gasse bezeichnet. Seit 1894 erinnert der Name Veitingergasse an die ehemalige Flur Veitinger Feld, die sich in Ober-St.-Veit befand.

Sanierung

von 2003 bis 2005

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2003 bis 2005 saniert. Neben der Erneuerung der Fenster und Türen wurde die Fassade mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde eine Gas-Kombi-Therme eingebaut. Die Kosten beliefen sich auf 772.200 Euro, davon konnten 257.400 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Hermann Kutschera - Hermann Kutschera (1903-1991) studierte zunächst Architektur an der Technischen Hochschule Wien und später in München. 1925/26 besuchte er an der Akademie der bildenden Künste Wien die Meisterschule von Clemens Holzmeister, in dessen Atelier er bis 1930 beschäftigt war. Ab 1932 arbeitete er als selbständiger Architekt. Seine Spezialgebiete waren Gewerbebauten (Hotels und Restaurants) und Sportanlagen. Vor allem in den Kurorten Bad Gastein und Bad Ischl wurde viel nach seinen Plänen errichtet. 1936 erhielt er bei den Olympischen Spielen in Garmisch-Partenkirchen für sein Projekt eines Schistadions mit Sprungschanze eine Goldmedaille in der Disziplin Architektur. Für die Gemeinde Wien entwarf er mehrere Wohnhausanlagen.

Otto Gruen - Otto Gruen (1921-1994) studierte Architektur an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Clemens Holzmeister und war seit 1951 Mitglied der Wiener Secession. Unter anderem entwarf er für die Gemeinde Wien zusammen mit Franz Sturm, Otto Frank und Eva Poduschka den August-Fürst-Hof in Wien 12 (Meidlinger Hauptstraße 8-14, 1955-1957).

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