Mobile Version aus nicht mehr nachfragen

Hetzendorfer Straße 164-182

Fakten

Hetzendorfer Straße 164-182

Hetzendorfer Straße 164-182, 1130 Wien

Baujahr: 1941-1948

Wohnungen: 82

Architekt: Julius Bergmann, Wilhelm Hubatsch

Wohnen in Wien

1938 wurde der Nationalsozialist Hermann Neubacher aus dem Bauressort Wiener Bürgermeister. Die nationalsozialistischen Stadtplaner wälzten pompöse Ideen und Pläne - in erster Linie Propagandamaßnahmen. Die systematische Zerstörung jüdischen Eigentums und Enteignungen - auch von Gemeindewohnungen - waren Teil dieser Stadtplanung. Während einige Architekten ihre Lizenz verloren, wurden andere mit der Errichtung von Volkswohnhäusern, Kasernen und Rüstungsbauten beauftragt. Entgegen den anfänglichen Plänen wurde mehr in Kriegsbauten als in den Wohnbau investiert - die heute noch existierenden Flaktürme wurden errichtet. Ab 1941 wurde die Bautätigkeit kriegsbedingt größtenteils eingestellt und die Strukturen der Stadtplanung wurden aufgelöst. Die Zerstörung großer Teile Wiens war Folge des Krieges.

Geschichte

Die Wohnhausanlage gehört zu den wenigen Gemeindebauten, mit deren Bau man während des Zweiten Weltkriegs (1941) begonnen hatte. Aufgrund des Krieges verzögerte sich die Fertigstellung um Jahre, sodass die Anlage erst 1948 vollendet wurde. Sie liegt auf einem Grundstück zwischen Hetzendorfer Straße und den Gleisanlagen der Verbindungsbahn, das im Besitz der Gemeinde Wien war. Bis zum Bau der Wohnhausanlage befanden sich hier Wiesen.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage besteht aus fünf gestaffelten Häuserzeilen parallel zur Hetzendorfer Straße sowie - senkrecht dazu - vier frei stehenden Wohnhäusern auf dem als Garten gestalteten Grundstück dahinter. Die Anordnung der Baukörper und die Gestaltung der zweigeschoßigen Wohnhäuser mit ihren glatten Mauerflächen, Giebelfronten, Satteldächern, Gauben und der gleichmäßigen Fensterverteilung ist charakteristisch für den Wohnhaus- und Siedlungsbau der 1940er- und 1950er-Jahre. Die Front der Häuserzeile an der Hetzendorfer Straße ist straßenseitig durch den regelmäßigen Wechsel von Fensteröffnungen und Balkonen gegliedert. Gartenseitig werden die Hauseingänge durch das leichte Vortreten der Fassade betont. Die Toreinfahrt, die zwei an der Straße liegende Häuser miteinander verbindet, die Rundbogendurchgänge sowie die segmentförmigen Rahmungen der Hauseingänge, aber auch die flachen Balkone sind typische Gestaltungselemente der Heimatschutzarchitektur.

Der Name

Die Wohnhausanlage liegt an der Hetzendorfer Straße, die seit 1894 an die gleichnamige Ortschaft erinnert. Hetzendorf wird bereits 1156 urkundlich erwähnt und ist heute ein Ortsteil des 12. Wiener Gemeindebezirks. Vor der Umbenennung 1894 hieß der Straßenzug Hauptstraße, Altmannsdorfer bzw. Hetzendorfer Weg.

Sanierung

von 1989 bis 1991

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1989 bis 1991 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde eine Gas-Kombi-Therme eingebaut. Die Kosten beliefen sich auf 1.704.977 Euro, davon konnten 1.534.480 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Julius Bergmann - Julius Bergmann (1896-1969) studierte von 1918 bis 1923 unter anderem bei Siegfried Theiß und Franz Krauß an der Technischen Hochschule Wien. Zusammen mit Rudolf Boeck und Adolf Hoch plante er das 1950/51 errichtete Josef-Afritsch-Heim (Internationale Kulturwerkstätte Hörndlwald, Josef-Lister-Gasse 7, Wien 13). Für die Gemeinde Wien entwarf Bergmann unter anderem die Wohnhausanlagen Staudgasse 48-50 in Wien 18 (1949-1950) und Hofferplatz 3 in Wien 16 (1955-1957).

Wilhelm Hubatsch - Wilhelm Hubatsch (1904-1974) lernte zunächst im Architekturbüro seines Vaters Josef Hubatsch bevor an der Akademie der bildenden Künste bei Peter Behrens sowie an der Technischen Hochschule Wien studierte. In Arbeitsgemeinschaften, unter anderem gemeinsam mit seinem Vater und dem Baumeister Fritz Grüll, sowie selbstständig entwarf er zahlreiche Schul- und Wohnbauten in Wien und Mödling. Für die Gemeinde Wien plante er unter anderem das Wohnhaus Neuwaldegger Straße 19-21 in Wien 17 (1956). Ein besonderes Anliegen war Wilhelm Hubatsch aber die Verbesserung von Schulbauten, für die eigene Modelle entwickelte, bekannt als "Hubatsch-Schulen". Als seine herausragendste Arbeit gilt das BRG XIX, Krottenbachstrasse 11-13 in Wien 19 (1964-1966).

  • Teilen auf Facebook
  • Teilen auf Twitter
  • Teilen auf Google+