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Zanaschkagasse 14

Fakten

Zanaschkagasse 14

Zanaschkagasse 14, 1120 Wien

Baujahr: 1976-1980

Wohnungen: 233

Architekt: Traude Windbrechtinger, Michael Pribitzer, Fritz Waclawek, Viktor Hufnagl, Joachim Peters, Wolfgang Windbrechtinger, Leo Parenzan, Erich Bauer

Wohnen in Wien

In den 1970er-Jahren begann eine erste Sanierungswelle des Wohnungsaltbestands der Stadt Wien, um den Wohnstandard anzuheben. Zusätzlich wurden von 1972 bis 1977 rund 16.500 neue Wohnungen gebaut. Der Wohnungsmangel war beseitigt. Nun sollten sich neue Anlagen auch besser in ihre Umgebung einfügen, sich vom Straßenverkehr abwenden, öffentlich gut erreichbar und vor allem mit der nötigen Nahversorgung ausgestattet sein. Damit rückte auch ein Grundgedanke des "Roten Wien" aus den 1930er-Jahren wieder in den Mittelpunkt: Es wurde wieder Wert auf die Sozialisierung des Wohnens gelegt. 1978 wurde die Grundsteinlegung der 200.000sten Wohnung seit 1923 gefeiert.

Geschichte

Auslöser für das Wohnprojekt "Am Schöpfwerk" war die kritische Ausstellung "Städtische Wohnformen" von Viktor Hufnagl sowie Wolfgang und Traude Windbrechtinger im Jahr 1966. Die Gemeinde Wien stellte im Jahr darauf ein achtköpfiges Architektenteam unter der Leitung von Viktor Hufnagl (1922-2007) zusammen, um das insgesamt 13 Jahre dauernde Projekt "Am Schöpfwerk" zu realisieren. Das Großprojekt wurde in verschiedene Bauphasen unterteilt und die heute 1.707 Wohneinheiten umfassende Schöpfwerk-Siedlung in Ringen organisiert. Die Anlage an der Zanaschkagasse 14 bildet den so genannten Süd-Ring, der wie der benachbarte Ost- und Süd-West-Ring an den Hausnummern 12 und 16 in den Jahren 1976 bis 1980 ausgeführt wurde.

Die Architektur

Die einzelnen Baublöcke des südlichen Teils des Komplexes sind geometrisch angeordnet und um Höfe gruppiert. Der Südring wurde in zwei achteckige Höfe aufgeteilt, wobei jeweils acht Wohnungen zum Innenhof hin orientiert sind. Der West-Ring blieb unausgeführt und noch heute befindet sich auf diesem Areal an der Schöpfwerkpromenade eine Kleingartensiedlung. Interessant ist vor allem die damals für Wien neue Form der Stiegenhäuser, die sich an den Kreuzungspunkten der Trakte befinden und von deren Hauptpodesten Brücken zum umlaufenden Gang überleiten, von dem aus die einzelnen Trakte erschlossen werden. Das Architektenteam folgte bei der Gestaltung der Fassade den Prinzipien der 1970er-Jahre. Der Außenbau besitzt nahezu keine geschlossene, aufragende Wand, sondern ist abwechselnd mit Loggien bzw. ost- und westseitigen Terrassen sowie großen, mehrteiligen Fenstern mit Sprossenteilung ausgestattet. Die rote Klinkerverkleidung unter den Fenstern verstärkt den kleinstädtischen Charakter der Siedlung. Die Anlage verfügt über eine dichte Infrastruktur mit vielen Gemeinschaftseinrichtungen für Bildung und Freizeit, darunter eine Volks- und Hauptschule, Kindergärten, Hort, Kinderspielplätze in allen Hofabschnitten, mehrere Klubs, eine abwechslungsreiche Geschäftsinfrastruktur sowie eine Kirche an der Lichtensterngasse, die nach Viktor Hufnagels Entwurf gebaut wurde.

... und die Kunst

Im Durchgang zur Wohnanlage an der Zanaschkagasse 12 sind links und rechts an den Wänden je zwei quadratische Emailtafeln auf Metallgrund angebracht. Sie stammen vom österreichischen Maler und Bildhauer Günther Kraus (geb. 1930 in Klagenfurt) aus dem Jahr 1980 und zeigen abstrakte Kompositionen aus Geraden und Kreisen, die zum Teil an anthropomorphe Gestalten erinnern. In den Durchgängen zu den vier Höfen sowie in den davon wegführenden Laubengängen befinden sich zahlreiche weitere Emailtafeln des Künstlers unterschiedlichen Formats und Größe.

Der Name

Die Zanaschkagasse wurde im Jahr 1970 nach dem Lederarbeiter, Sozialdemokraten und Meidlinger Bezirksvorsteher der Jahre 1918 bis 1934, Alois Zanaschka (1870-1936), benannt. Er starb 1936 an den Folgen seiner Inhaftierung nach dem Bürgerkrieg von 1934.
Der ehemalige Inzersdorfer Weg erhielt 1912 die Bezeichnung "Am Schöpfwerk" nach dem Hebewerk der 1. Wiener Hochquellwasserleitung.

Die heutige Lichtensterngasse wurde im Jahr 1969 nach dem Gründer der österreichischen Keramikindustrie, Richard Lichtenstern (1870-1937), benannt.

Sanierung

von 2008 bis 2011

Die Wohnhausanlage wurde von 2008 bis 2011 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch sollen die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Darüber hinaus wurden Aufzüge, Wasch-, Trocken- und Abstellräume instand gesetzt.

Architekten

Traude Windbrechtinger - Traude Windbrechtinger (geb. Ketterer, 1922 in Graz) studierte von 1945 bis 1948 bei Friedrich Zotter an der Technischen Hochschule Graz. Nach mehreren Jahren als freie Mitarbeiterin im Büro Heintrich-Petschnigg-Moser in Düsseldorf (D) gründete sie 1956 mit ihrem Ehemann Wolfgang Windbrechtinger ein bis 1995 bestehendes Architekturbüro in Wien. Ihr größtes und wichtigstes Bauvorhaben war der Masterplan zur Wohnverbauung "Am Schöpfwerk" in Wien 12 (mit Viktor Hufnagl u. a., 1974-1981).

Michael Pribitzer - Michael Pribitzer (1926-2004) studierte von 1945 bis 1952 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien war er vorwiegend in Arbeitsgemeinschaften an der Errichtung mehrerer großer Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa am Karl-Honay-Hof in Wien 16, Gablenzgasse 82-86 (1965/66) und der Anlage Sagedergasse 7-11 in Wien 12 (1969-1971).

Fritz Waclawek - Fritz Waclawek (geb. 1942) studierte ab 1960 Architektur an der Technischen Hochschule, wo er 1966 sein Diplom erhielt. Bereits im Jahr nach seinem Abschluss war er Bauleiter am von Adolf Hoch entworfenen Lorenz-Böhler-Unfallkrankenhaus in Wien 20 (1967-1972). Als selbständiger Architekt widmet sich Waclawek vielseitigen Aufgabenbereichen. So war er an der Entwicklung des städtebaulichen Leitplans für die Wohnbebauung am Schöpfwerk in Wien 12 beteiligt (1974-1980), entwarf aber auch Industriebauten wie etwa für die Fleischereimaschinenhalle Sankt Marx in Wien 3 (Baumgasse 68, 1977). 2000 wurde nach seinen Plänen das erste Passivhaus Wiens (Anzbachgasse 36, Wien 14) fertig gestellt.

Viktor Hufnagl - Viktor Hufnagl (1922-2007) studierte in Wien an der Akademie der bildenden Künste bei Clemens Holzmeister. Ab 1956 als freischaffender Architekt tätig, spezialisierte er sich auf Schul- und Wohnungsbauten. Als revolutionäre Neuerung galt die von Hufnagl 1973 in Wörgl (Tirol) erbaute Hallenschule. Zu den bekanntesten Werken des vielfach ausgezeichneten Architekten zählen die Kirche und die Wohnhausanlage "Am Schöpfwerk" (Wien 12) sowie die Roßauer Brücke (Wien 9 und 2).

Joachim Peters - Der Architekt und Keramiker Joachim Peters wurde 1912 in Osterode am Harz (D) geboren. Für die Gemeinde Wien war er vorwiegend in Arbeitsgemeinschaft an der Errichtung mehrerer großer Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa der Anlagen Marcusgasse 4-12 in Wien 14 (1961-1963) und Zanaschkagasse 14 und 16 in Wien 12 (1976-1980). Joachim Peters ist 1987 in Wien verstorben.

Wolfgang Windbrechtinger - Wolfgang Windbrechtinger (geb. 1922 in Ramingstein/Slzbg.) studierte Architektur von 1945 bis 1950 an der Technischen Universität Graz. Er war zunächst in Düsseldorf tätig, bevor er sich in Wien als freischaffender Architekt niederließ, wo er bis zu seiner Pensionierung 1995 ein gemeinsames Büro mit seiner Ehefrau Waltraude Windbrechtinger führte. In Wien und Niederösterreich schuf das Ehepaar vor allem in den 1960er-Jahren zahlreiche Kindergärten. Wolfgang Windbrechtingers wichtigstes Projekt war die Erstellung des Masterplans zur Wohnverbauung "Am Schöpfwerk" (ab 1967) für die Gemeinde Wien. Er baute mit seiner Ehefrau aber auch das Wiener Schauspielhaus in Wien 9 um (1977/78) und konzipierte und gestaltete mit Wilhelm Holzbauer die Fußgängerzone Kärntner Straße in Wien 1 (ab 1969).

Leo Parenzan - Leo Parenzan (geb. 1928) studierte von 1950 bis 1954 Architektur bei Otto Niedermoser an der Hochschule für angewandte Kunst Wien. Unter anderem war er für die Gemeinde Wien an den Entwürfen zu den Wohnhausanlagen Zanaschkagasse 14 und 16 in Wien 12 (1976-1980) beteiligt.

Erich Bauer - Erich Bauer (1925-1995) studierte von 1946 bis 1951 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien war er vorwiegend in Arbeitsgemeinschaften an der Errichtung mehrerer Wohnhäuser beteiligt, wie etwa an den Anlagen Comeniusgasse 2 in Wien 17 (1963-1965) und Zanaschkagasse 14 und 16 in Wien 12 (1976-1980).

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