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Ignazgasse 21-25

Fakten

Ignazgasse 21-25

Ignazgasse 21-25, 1120 Wien

Baujahr: 1973-1975

Wohnungen: 85

Architekt: Joseph Zimmel

Weitere Adressen

Zeleborgasse 6, 1120 Wien

Vierthalergasse 22-24, 1120 Wien

Wohnen in Wien

In den 1970er-Jahren begann eine erste Sanierungswelle des Wohnungsaltbestands der Stadt Wien, um den Wohnstandard anzuheben. Zusätzlich wurden von 1972 bis 1977 rund 16.500 neue Wohnungen gebaut. Der Wohnungsmangel war beseitigt. Nun sollten sich neue Anlagen auch besser in ihre Umgebung einfügen, sich vom Straßenverkehr abwenden, öffentlich gut erreichbar und vor allem mit der nötigen Nahversorgung ausgestattet sein. Damit rückte auch ein Grundgedanke des "Roten Wien" aus den 1930er-Jahren wieder in den Mittelpunkt: Es wurde wieder Wert auf die Sozialisierung des Wohnens gelegt. 1978 wurde die Grundsteinlegung der 200.000sten Wohnung seit 1923 gefeiert.

Geschichte

In der Nähe der Wohnanlage befand sich der älteste Meidlinger Friedhof, der auf dem Platz der nunmehrigen Wohnhausanlage (vormals Volksschule) Vierthalergasse 11 errichtet worden war. Michael Steinhaußer, "ein Tagwerger allhier", war laut dem Meidlinger Heimatbuch 1930 der "erste Erwachsene", der am 18. Jänner 1784 dort bestattet worden war. Der Friedhof musste aber bereits 20 Jahre später wieder geschlossen werden, da er "wegen steter Wasseransammlung" als "unstatthaft" befunden worden war.
Auf dem Eckgrundstück der Vierthalergasse 24, auf dem die Stiege 4 des fünfteiligen Gemeindebaus steht, gab es seit 1882 ein zweigeschoßiges Wohnhaus, das 1972 wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste.

Die Architektur

Die gesamte Anlage umfasst fünf Stiegen und liegt an drei Straßenzügen. An der Ignazgasse schließt ein geschlossener Block mit drei Stiegen an das Haus Ignazgasse 19 in südlicher Richtung auf stark ansteigendem Terrain an. Jede Stiege hat fünf Hauptgeschoße und ein von der Baulinie zurückgesetztes Staffelgeschoß. An der Zeleborgasse wurde ein größtenteils frei stehender Baukörper, der ebenfalls fünf Hauptgeschoße und ein Staffelgeschoß aufweist, errichtet. Sein Erdgeschoß ist in Stützen aufgelöst. Als Verbindung zwischen dem letztgenannten Baukörper der Stiege 4, der auf der Ostseite in die Vierthalergasse 24 reicht, und dem Nachbarhaus in der Vierthalergasse gibt es noch eine Stiege auf Vierthalergasse 22 mit vier Hauptgeschoßen und mit einem Staffelgeschoß. Zwischen dem langen Block in der Ignazgasse und dem Bau an der Zeleborgasse sind PKW-Stellplätze teils im Freien, teils im Erdgeschoß der Stiege 4 eingerichtet. Man hat zwischen den Stützen einen freien Durchblick auf einen länglichen Grünhof neben und hinter dem Parkplatz zwischen den beiden Gebäudegruppen. Die dreiteilige Straßenfassade des Blocks in der Ignazgasse wird durch drei hohe, in abgestuft hellen Brauntönen gehaltene Stiegenhaus- und Aufzugstürme, die etwas über das Staffelgeschoß hinausreichen, kubisch gegliedert. Die schlitzartigen Fensterbahnen in jedem Stockwerk verleihen den Turmfassaden eine rhythmische Dynamik. Jeder Aufzugsturm ist von einer zweiteiligen und einer vierteiligen Fensterachse in den weißen Mauerflächen daneben flankiert. Jede Stiege folgt mit einer Abtreppung im Sockel- und Dachbereich der leichten Steigung des Geländes. Das Gebäude an der Zeleborgasse steht auf Stützen. Bei ihm fallen zwei einander gegenüberliegende, risalithaft weit vorspringende, blau gestrichene Bauteile an der Vierthalergasse und an der Ignazgasse auf. Bei beiden Straßenfassaden folgen zur Zeleborgasse hin nach einem grau gestrichenen zurückspringenden Gebäudeteil mit eingehängten Loggien ein etwas weniger weit vorspringender, grau gestrichener Risalit mit um das Eck geführten Balkonen. Zuletzt ragt ein terrakottafarbiger Bauteil kopfartig vor, dessen Fassade an der Zeleborgasse vierachsig ist. Die oberste Plattform der seitlichen Risalite ist als balkonierte Terrasse gestaltet. Die Fassade des anschließenden Baus mit Stiege 5 in der Vierthalergasse ist mit einem terrakottafarbenen Stiegen- und Aufzugsturm wie in der Ignazgasse ausgestattet, flankiert von Fensterachsen und zwei Loggienachsen, wovon die eine ums Eck in den Mauerrücksprung der Stiege 4 führt. Die Fassaden im Hofbereich sind auf der Rückseite des Blocks in der Ignazgasse durch verdoppelte, zueinander höhenversetzte Loggienachsen interessant gestaltet.

Der Name

Die Ignazgasse wurde 1864 nach Ignaz Zelebor (1816-1890) benannt. Er war Glaser und Hausbesitzer, bevor er 1861 Gemeinderat wurde und von 1870 bis 1885 Bürgermeister in Unter-Meidling war.

Sanierung

von 2005 bis 2007

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2005 bis 2007 saniert. Neben der Neudeckung des Daches wurde die Fassade mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 1.139.800 Euro, davon konnten 282.141 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Joseph Zimmel - Joseph Zimmel (1915-1984) studierte vor dem Zweiten Weltkrieg Architektur an der Technischen Hochschule Wien und Rechtswissenschaften an der Universität Wien (Dr. jur.). Nach geleistetem Kriegsdienst machte er sich als Architekt selbständig, wobei er zunächst mit Anton Siegl und später mit Josef Wenz zusammenarbeitete. Zu seinen ersten Projekten gehörten die Mitarbeit zur Planung der Donaukanal-Verbauung und das Möbeldesign für die Zweigstelle der Nationalbank in Graz. In Wien wurden nach Josef Zimmels Entwürfen unter anderem der Kindergarten und Pfarrheim der Pfarre Unter-Heiligenstadt in Wien 19 und das BRG Fichtnergasse in Wien 13 errichtet. In den Bundesländern plante er mehrere Siedlungen für die Wohngesellschaft Heimstätte, wie etwa in Lienz (T) und in Deutschlandsberg (Stmk.).

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