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Spittelbreitengasse 46-48

Fakten

Spittelbreitengasse 46-48

Spittelbreitengasse 46-48, 1120 Wien

Baujahr: 1929-1931

Wohnungen: 72

Architekt: Camillo Fritz Discher

Weitere Adressen

Schwenkgasse 31, 1120 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Das große Gatterhölzlareal war seit Joseph I. kaiserliches Jagdgebiet gewesen und 1705 wurde im Nordosten des Geländes ein kleines Jagdschloss errichtet. Unter Josef II. wurde im 18. Jahrhundert einen Großteil des Waldes gerodet, um das Verstecken von Illegalen unmöglich zu machen. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich zwischen Grünbergstraße und Ruckergasse unverbautes Grünland mit Feldern. Erst in der Zwischenkriegszeit wurde dieses Gelände in 8 Parzellen aufgeteilt. Die ersten fünf Baulose wurden Camillo Fritz Discher zugeteilt. Die übrigen drei Lose mit großen Hofanlagen gingen an Karl Dirnhuber. Discher war ein Vertreter des Heimatstiles. Dementsprechend gestaltete er auf den ersten drei Parzellen eine gartenstadtartige Siedlung im Anschluss an die schon vorhandene Tivoli-Gartensiedlung, die in den Jahren 1927/28 errichtet worden war. Auf Parzelle vier errichtete er einen großen, zusammenhängenden Wohnkomplex mit offenem Süd- und geschlossenem Nordhof, den bekannten Meidlinger Indianerhof. Am 14. Februar 1934 kam es in der Anlage zu Gefechten zwischen dem Republikanischen Schutzbund und Regierungstruppen.

Die Architektur

Vom Areal des Indianerhofs wird in Richtung Hohenbergstraße ein kleineres Längsareal an der Schwenkgasse abgetrennt. Es ergibt sich eine Art Vorhofsituation gegenüber dem viel breiteren Indianerhof, der an der Nordwestecke liegt. Und auch stilistisch unterscheidet sich die U-förmige Anlage in der Spittelbreitengasse 46-48 nur wenig vom Indianerhof. Die äußeren Ecklösungen sind durch fünfgeschoßige Quader mit gestaffelt vorgelagerten, hellgrünen, dreigeschoßigen Risaliten, die die Kante frei lassen und zwischen denen Balkone ums Eck laufen, besonders markant. Südseitig setzen die Risalite an den hohen Eckquadern seicht wie ein Putzband an und springen als kubische Baukörper erst zu den langen, dazwischen eingespannten Balkonen hin vor. Die durchlaufenden Balkone verleihen der dreigeschoßigen Südfassade des Baukomplexes eine straffe Gliederung. Entsprechend dem von Discher schon an der Gartensiedlung verwendeten Vokabular des Heimatstiles sind die Balkonachsen durch Klinkerverblendung zu den Seiten der Wandöffnungen akzentuiert. An der Fassade zur Schwenkgasse hin fallen farblich durch helles Grün abgesetzte Risalite auf, an die seitlich Balkone andocken. Sie sind etwas über der Dachlinie waagrecht abgeschnitten und treten dadurch als flachkubische Annexbauten in Erscheinung. Dieses Motiv wird von großen Spitzgiebeln überfangen. Die Giebelüberdachungen durchdringen das Hauptdach und schließen Außen- und Hoffassaden zusammen, die gleichartig organisiert sind. Am gesamten Bau kommt der Heimatstil außerdem in den unregelmäßigen, grob bossierten Quadern des Sockels zum Ausdruck, der am Gebäudeende besonders massiv artikuliert ist.

Der Name

Als Annex des Indianerhofes angesehen ist der Namensgeber für die Anlage die farbig gefasste Indianerskulptur am Eingang in der Rotenmühlgasse.

Sanierung

von 1993 bis 1995

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1993 bis 1995 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Instandsetzung der Fassade. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 843.950 Euro, davon konnten 255.965 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Camillo Fritz Discher - Camillo Fritz Discher (1884-1976) absolvierte nach dem Besuch der Staatsgewerbeschule die Meisterklasse bei Otto Wagner an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Ab 1925 errichtete er - zum Teil in Zusammenarbeit mit anderen Wagner-Schülern - Wohnhausanlagen für die Stadt Wien, unter anderem die Wohnhausanlage "Indianerhof" in der Aichholzgasse 52-54 in Wien 12 und jene in der Wienerbergstraße 16-20 in Wien 10.

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