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Theergasse 3-5

Fakten

Theergasse 3-5

Theergasse 3-5, 1120 Wien

Baujahr: 1929-1930

Wohnungen: 138

Architekt: Karl Dirnhuber

Weitere Adressen

Spittelbreitengasse 31-33, 1120 Wien

Egger-Lienz-Gasse 3, 1120 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Das große Gatterhölzl-Areal war seit Joseph I. kaiserliches Jagdgebiet. Er ließ 1705 im Nordosten des Geländes ein kleines Jagdschloss errichten. Joseph II. befahl noch im 18. Jahrhundert die Rodung eines Großteils des Waldes, um das Verstecken von Illegalen unmöglich zu machen. Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich zwischen Schwenkgasse und Aichholzgasse noch immer unverbautes Grünland mit Feldern. Erst in der Zwischenkriegszeit wurde dieses Gelände in acht Baulose aufgeteilt, die an Camillo Fritz Discher und Karl Dirnhuber vergeben wurden. Im oberen Geländeabschnitt errichtete Camillo Discher mehrere kleinere, niedergeschoßige Bauten sowie den "Indianerhof". Karl Dirnhuber plante auf dem Grundstück unter anderem den "Theerhof".

Die Architektur

Die Anlage befindet sich auf einem steil abfallenden Gelände. Eine U-förmige Randverbauung schließt einen großen Hof ein, der zur Theergasse hin geöffnet ist. Die Klarheit und Sachlichkeit der Anlage ist ein interessantes Beispiel für den Übergang von der Architektur der späten 1920er-Jahre zu jener der 1930er-Jahre. Die Hauptfassade an der Spittelbreitengasse ist durch das Kontrastieren von Vertikalen und Horizontalen sowie die Höhenstaffelung zur Mitte hin repräsentativ inszeniert. Zwischen zwei breiten Risaliten ist die lange Hauptportalanlage, eine überdachte Pfeilerarkade, eingespannt. Über der Portalmitte strebt ein rosa hinterlegtes Stiegenhausfensterband empor. Dieser Vertikalakzent wiederholt sich in den Fensterbändern der seichten, rosa gefärbelten Stiegenhausrisalite in der Mitte der breiten Risalite. Der horizontale Ausgleich wird hier durch die kräftigen, geschoßteilenden und rosa gefärbelten Bandgesimse erreicht, die auch alle anderen Fassaden überziehen. Alle Fenster werden durch flache rosa Putzrahmen betont. Auffällig sind die zu je zwei in Hochrechtecken oder zu je vier in Quadraten zusammengefassten Fensteröffnungen der Nassräume. An der Theergasse flankieren zwei fünfgeschoßige Blöcke die beiden seitlichen Hofeingänge. Ihnen sind viergeschoßige Risalite vorgelagert, in die straßenseitig vor einem Eckpfeiler zwei Loggien übereinander eingezogen sind. Darunter springt die Ecke zurück; ein sehr spannendes Motiv. Die achsensymmetrisch organisierten Hoffassaden sind wie die Außenfassaden durch teilweise verdoppelte Loggienachsen, vertikale Fensterbänder der Stiegenaufgänge und geschoßteilende Gesimsbänder gegliedert. Im überhöhten Mittelteil des Haupttraktes führen drei Eingänge unter einem portikusartigen Vordach auf schlanken Pfeilern in ein Foyer, das die Verbindung zum Hauptportal in der Spittelbreitengasse herstellt.

Der Name

Die Theergasse ist seit 1930 nach Robert Theer (1808-1863) und Adalbert Theer(1815-1902) benannt. Beide waren Maler, die besonders wegen ihrer Aquarelle geschätzt wurden.

Sanierung

von 1993 bis 1996

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1993 bis 1996 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Instandsetzung der Fassade. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 1.532.400 Euro, davon konnten 351.319 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Karl Dirnhuber - Karl Dirnhuber (geb. 1889, vermutlich 1944 in London gestorben) studierte an der Technischen Hochschule Wien u.a. bei Karl König und Max Fabiani. Von 1924 bis 1930 war er am Bau von fünf Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien beteiligt. Sein wichtigstes Projekt in dieser Zeit war die Umgestaltung des Währinger Friedhofs zu einer Parkanlage. 1939 emigrierte Dirnhuber mit seiner Frau nach London.

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