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Egger-Lienz-Gasse 2-6

Fakten

Egger-Lienz-Gasse 2-6

Egger-Lienz-Gasse 2-6, 1120 Wien

Baujahr: 1928-1930

Wohnungen: 82

Architekt: Camillo Fritz Discher, Karl Dirnhuber

Weitere Adressen

Spittelbreitengasse 25-27, 1120 Wien

Aichholzgasse 54, 1120 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Die kleine, begrünte Hofanlage an der Aichholzgasse und der Egger-Lienz-Gasse steht auf dem Areal des ehemaligen Waldgebietes "Gatterhölzl" in landschaftlich schöner Lage mit Blick auf die Stadt Wien. Während des Bürgerkrieges 1934 war sie zusammen mit dem gegenüberliegenden Indianerhof am Morgen des 14. Februar Schauplatz von schweren Gefechten zwischen dem Republikanischen Schutzbund und den Regierungstruppen.

Die Architektur

Der Häuserblock an der Egger-Lienz-Gasse ist Teil der großen Wohnhausanlage des so genannten Indianerhofes. Als Baulos 7 von Karl Dirnhuber konzipiert, bildet er mit sechs Stiegen eine kleine Hofanlage im Nordosten des Komplexes, die aus zahlreichen teils villenartigen, teils blockhaften Gebäuden in Zusammenarbeit mit dem Architekten Camillo Fritz Discher bis 1930 entstand.
Der halboffen geplante Grundriss des Hauses besteht aus einem quergestellten und zwei parallel liegenden Blöcken, die zur Egger-Lienz-Gasse hin einen Gartenhof mit nach Südwesten ausgerichteten Loggien bilden. Flache Würfel wurden aneinander- und ineinandergeschoben, sodass die Stiegenhäuser aus der Fassade leicht hervortreten, während die Loggien kubisch in das Mauerwerk eingeschnitten sind. Die unterschiedlich großen Fenster sind sachlich und dekorlos gestaltet und treten nur durch ihre rosa Farbgebung aus der weißen Fassade hervor. Unterschiedliche Materialien setzen weitere punktuelle Akzente und unterstreichen die Struktur des Baus.
Die Sockelzone aus Rustika-Mauerwerk hebt sich von der hell verputzten Fassade der übrigen Geschoße ab. Eine farblich auf die Fenster abgestimmte Gesimsbänderung aus vorgezogenen Stahlbeton-Deckenplatten mit Blechabdeckungen trennt die Geschoße horizontal voneinander. Die gleichfarbigen Sichtbetonstützen an den Ecken und zwischen den Loggien setzen dazu einen vertikalen Kontrapunkt, sodass eine abwechslungsreiche Fassadengliederung entsteht.
Das Einbinden verschiedener Materialien in das Gestaltungskonzept des Baus wird teilweise auch von Camillo Discher in den freistehenden "Villen" an der Hohenbergstraße aufgegriffen. Zahlreiche Gemeinschaftseinrichtungen sowie Grünflächen und eine hervorragende Infrastruktur runden das Konzept einer Gartenstadt ab.

Der Name

Über dem Eingang in der Rotenmühlgasse 64 befindet sich die bunte Skulptur eines Indianers, die der gesamten Anlage ihren inoffiziellen Namen gebracht hat. Nach dem Februar 1934 wurde ein Teil der Wohnhausanlage von den Austrofaschisten nach dem Heimwehrführer und Vizekanzler Emil Fey als "Fey-Hof" bezeichnet - dieser Name findet sich jedoch nicht mehr in der Anlage.
Die halbrunde Egger-Lienz-Gasse im 12. Wiener Gemeindebezirk ist nach dem österreichischen Genre- und Historienmaler Albin Egger-Lienz (1868-1926) benannt, dessen Kunst aufgrund des Heimatbezuges (z.B. Bauern bei der Feldarbeit) bei den Nationalsozialisten großen Anklang fand.

Sanierung

von 1993 bis 1995

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1993 bis 1995 saniert. Durch die Erneuerung der Fenster und Türen und das Wärmedämmverbundsystem für die Fassade konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 713.000 Euro, davon konnten 96.600 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Camillo Fritz Discher - Camillo Fritz Discher (1884-1976) absolvierte nach dem Besuch der Staatsgewerbeschule die Meisterklasse bei Otto Wagner an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Ab 1925 errichtete er - zum Teil in Zusammenarbeit mit anderen Wagner-Schülern - Wohnhausanlagen für die Stadt Wien, unter anderem die Wohnhausanlage "Indianerhof" in der Aichholzgasse 52-54 in Wien 12 und jene in der Wienerbergstraße 16-20 in Wien 10.

Karl Dirnhuber - Karl Dirnhuber (geb. 1889, vermutlich 1944 in London gestorben) studierte an der Technischen Hochschule Wien u.a. bei Karl König und Max Fabiani. Von 1924 bis 1930 war er am Bau von fünf Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien beteiligt. Sein wichtigstes Projekt in dieser Zeit war die Umgestaltung des Währinger Friedhofs zu einer Parkanlage. 1939 emigrierte Dirnhuber mit seiner Frau nach London.

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