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Ratschkygasse 41-43

Fakten

Ratschkygasse 41-43

Ratschkygasse 41-43, 1120 Wien

Baujahr: 1929-1930

Wohnungen: 91

Architekt: Camillo Fritz Discher

Weitere Adressen

Rotenmühlgasse 73-75, 1120 Wien

Spittelbreitengasse 40-42, 1120 Wien

Spittelbreitengasse 29, 1120 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Das Areal war früher Teil eines großen Wald- und Wiesengebiets, dem Katterholz (später Gatterhölzl), Anfang des 18. Jahrhunderts noch ein wildreiches Revier, in dem Kaiser Joseph I. gerne jagte. In den 1920er-Jahren beschloss die Gemeinde, das Gebiet mit Gemeindebauten zu verbauen. Aus Rücksicht auf die Villenbauten im Gartenviertel entlang der Hohenbergstraße wurde eine Pufferzone aus kleineren, einstöckigen Bauten mit Gartenbereichen zwischen ihnen und den großen Höfen mit Randverbauung geplant. Erst in der Zwischenkriegszeit wurde dieses Gelände in acht Baulose aufgeteilt, die an Camillo Fritz Discher und Karl Dirnhuber vergeben wurden. Im oberen Geländeabschnitt errichtete Camillo Discher mehrere kleinere, niedergeschoßige Bauten sowie den "Indianerhof". Karl Dirnhuber plante auf dem Grundstück unter anderem den "Theerhof".

Die Architektur

Der rechteckige Block mit fünf Geschoßen ist eine Lückenverbauung zwischen zwei Altbauten. Die straßenseitige Nordfassade wird von 15 Achsen, darunter vier Achsen mit Nasszellenöffnungen, strukturiert. Zwei seitliche, seichte Risalite, die das Sockelgesimsband überschneiden, gliedern die Wand; der Durchgang zum Hof liegt mittig im Erdgeschoß. Hofseitig befinden sich drei Stiegeneingänge im hohen Erdgeschoß, die immer von jeweils zwei vergitterten Fenstern flankiert werden. Gegengleich zur Straßenfassade gibt es auch hier zwei seichte Risalite. Die Fenster der vier Obergeschoße sind auch hofseitig mit einem Putzrahmen versehen und liegen in einem leicht vertieften, durchlaufenden horizontalen Streifen. Das Sockelgeschoß wird ebenso wie das oberste Geschoß durch ein durchlaufendes Gesimsband akzentuiert. Die Fassaden sind zweifarbig gestaltet: Erdgeschoß, Risalite und Putzrahmen der Fenster sind rosa, die übrigen Wandflächen hellgrau.

Der Name

Die Ratschkygasse wurde nach Franz von Ratschky (1757-1810), Hofbeamter, Dichter und Stückeschreiber, benannt.

Sanierung

von 1993 bis 1996

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1993 bis 1996 saniert. Neben der Instandsetzung der Fassade umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung von Dach, Fenstern und Türen. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 1.352.369 Euro, davon konnten 496.322 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Camillo Fritz Discher - Camillo Fritz Discher (1884-1976) absolvierte nach dem Besuch der Staatsgewerbeschule die Meisterklasse bei Otto Wagner an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Ab 1925 errichtete er - zum Teil in Zusammenarbeit mit anderen Wagner-Schülern - Wohnhausanlagen für die Stadt Wien, unter anderem die Wohnhausanlage "Indianerhof" in der Aichholzgasse 52-54 in Wien 12 und jene in der Wienerbergstraße 16-20 in Wien 10.

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