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Rotenmühlgasse 64

Fakten

Rotenmühlgasse 64

Rotenmühlgasse 64, 1120 Wien

Baujahr: 1929-1930

Wohnungen: 213

Architekt: Camillo Fritz Discher

Weitere Adressen

Spittelbreitengasse 44, 1120 Wien

Schwenkgasse 29, 1120 Wien

Ratschkygasse 49, 1120 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Das große Gatterhölzlareal war seit Joseph I. kaiserliches Jagdgebiet. Er ließ 1705 im Nordosten des Geländes ein kleines Jagdschloss errichten. Josef II. ließ noch im 18. Jahrhundert einen Großteil des Waldes roden, um das Verstecken von Illegalen unmöglich zu machen. Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich zwischen Schwenkgasse und Aichholzgasse noch immer unverbautes Grünland mit Feldern. Erst in der Zwischenkriegszeit wurde dieses Gelände in 8 Parzellen aufgeteilt. Die ersten fünf Baulose wurden Camillo Fritz Discher zugeteilt. Die übrigen drei Lose mit großen Hofanlagen gingen an Karl Dirnhuber. C. F. Discher war ein Vertreter des Heimatstiles. Dementsprechend gestaltete er auf den ersten drei Parzellen eine gartenstadtartige Siedlung im Anschluss an die schon vorhandene Tivoli-Gartensiedlung, die in den Jahren 1927/28 errichtet worden war. Auf Parzelle vier errichtete er einen großen, zusammenhängenden Wohnkomplex mit offenem Süd- und geschlossenem Nordhof, den bekannten Meidlinger Indianerhof. Am 14. Februar 1934 kam es in der Anlage zu Gefechten zwischen dem Republikanischen Schutzbund und Regierungstruppen.

Die Architektur

Das von Norden nach Süden stark ansteigende, rechteckig umbaute Areal reicht von der Ratschkygasse im Norden bis zur Spittelbreitengasse im Süden, von der Rotenmühlgasse im Osten bis zur Schwenkgasse im Westen. Nur an der Ecke Schwenkgasse/Ratschkygasse konnte ein bebautes Grundstück nicht erworben werden, sodass die Randverbauung dort rechtwinkelig einspringt und nach Süden emporgeschoben wird. Es gibt 17 Stiegen, die ihren Eingang alle im Hofbereich haben, und die über drei Rundtore im Osten, Süden und Norden zu begehen sind. Die Straßenfassaden zeigen die für Camillo Discher charakteristische Verbindung von romantisierenden und expressiv-sachlichen Elementen. Romantisierend mit hohen Spitzgiebeln, Rustikamauerwerk und Klinkerverkleidungen bei Balkonen, Fenstern und Stiegeneingängen, expressiv bis sachlich durch das Spiel von einander durchdringenden quadrischen Baukörpern. An den Fassaden fallen farblich durch helles Grün abgesetzte kubische Risalite auf, an die seitlich Balkone andocken. Sie sind etwas über der Dachlinie waagrecht abgeschnitten. Dieses Motiv wird von großen Spitzgiebeln überfangen, die an den beiden ansteigenden Gassenseiten manchmal sogar Doppelspitzen haben. Die Giebelüberdachungen durchdringen querhausartig das Hauptdach und schließen Außen- und Hoffassaden zusammen. Je nach Niveauunterschied sind die Stiegen drei- bis fünfgeschoßig, die trassierten Sockel mit unregelmäßigem Rustikamauerwerk folgen dem ansteigenden Verlauf. Die hofseitigen Fassadengliederungen zeigen praktisch idente Motive wie die straßenseitigen. Der Niveauunterschied zwischen Nordhof und südlicher Verbauung wird durch mehrere Treppen überwunden. Insgesamt hat der Hof durch die offene Lage und die Heimatstilelemente ein freundliches Gepräge.

... und die Kunst

Plastiken eines Indianers, eines schwarzen und eines weißen Jungen, der Bücherstapel trägt. Künstler nicht eruierbar.

Der Name

Die Indianerskulptur über dem Eingang an der Rotenmühlgasse.

Sanierung

von 1993 bis 1996

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1993 bis 1996 saniert. Neben der Instandsetzung der Fassade umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung von Dach, Fenstern und Türen. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 3.456.829 Euro, davon konnten 1.528.253 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Camillo Fritz Discher - Camillo Fritz Discher (1884-1976) absolvierte nach dem Besuch der Staatsgewerbeschule die Meisterklasse bei Otto Wagner an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Ab 1925 errichtete er - zum Teil in Zusammenarbeit mit anderen Wagner-Schülern - Wohnhausanlagen für die Stadt Wien, unter anderem die Wohnhausanlage "Indianerhof" in der Aichholzgasse 52-54 in Wien 12 und jene in der Wienerbergstraße 16-20 in Wien 10.

Wohnungstauschangebote

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