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Gaßmannstraße 1-19

Fakten

Gaßmannstraße 1-19

Gaßmannstraße 1-19, 1120 Wien

Baujahr: 1954-1956

Wohnungen: 111

Architekt: Alfred Perl, Josef Ludwig Kalbac

Weitere Adressen

Schönbrunner Allee 2-22, 1120 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Die Gaßmannstraße wurde um 1906 entlang des Schönbrunner Fasangartens angelegt. Auf Höhe der Gemeindebauten befindet sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite im Fasangartengelände die Maria-Theresien-Kaserne. Die Kaserne wurde in den Jahren 1938 bis 1940 von der Waffen-SS auf dem Gelände des Schönbrunner Schlossparks errichtet und bis 1945 benutzt. Während des Krieges wurde sie von einigen Bomben getroffen. Im Jahr 1945 war sie kurze Zeit von russischen Truppen besetzt und wurde anschließend von der englischen Besatzungsmacht übernommen und von dieser im Herbst 1955 an das österreichische Bundesheer übergeben. Anlässlich des 250. Geburtstags von Maria Theresia am 13. Mai 1967 wurde der Name von Fasangarten-Kaserne auf Maria-Theresien-Kaserne umgeändert.

Die Architektur

Die Anlage besteht aus sechs Blöcken und wurde auf einer lang gezogenen, dreieckigen Parzelle zwischen den im Norden zusammenlaufenden Straßen Schönbrunner Allee und Gaßmannstraße errichtet. Am Spitz dieser beiden Straßen steht ein kurzer Kopfbau mit Nord-Süd-Ausrichtung. An seiner nördlichen Schmalseite ist ein Geschäftsbereich untergebracht. Im kleinen Rasenstück davor steht eine abstrakte Bronzeplastik. Die drei anschließenden Blöcke, von denen der erste noch kürzer ist, sind in Reihenbauweise ausgeführt und liegen mit der Schmalseite an der Gaßmannstraße. Ein großzügiger Grünbereich umgibt die Bauten. An der breitesten Stelle der Parzelle im Süden befindet sich ein L-förmiger Baukörper. Er besteht aus zwei Blöcken, die so gegeneinander versetzt sind, dass straßenseitig die Nord-West-Ecke ausgespart bleibt und sich hofseitig eine große Grünfläche eröffnet. Dadurch wird das zur Verfügung stehende Areal einerseits in Wohn- und andererseits in lärmdämpfende Grünbereiche hin zur stärker befahrenen Schönbrunner Allee aufgeteilt. Im Süden liegt auf einem zungenförmigen Restareal noch ein weiterer kurzer Block mit seiner Längsseite direkt an der Gaßmannstraße.

Alle Bauten haben Walmdächer und sind bis auf die beiden zweigeschoßigen Bauten parallel zur Gaßmannstraße dreigeschoßig. Die längeren Reihenbauten haben auf der nördlichen Seite statt einem zwei Stiegenaufgänge mit seicht vorgelagerten Stiegenhausrisaliten, zwischen denen das Dachgeschoß ausgebaut wurde. Die Südfassaden weisen neben einfachen Fensterachsen auch solche mit französischen Fenstern auf. Bei den in Nord-Süd-Richtung angeordneten Bauten befinden sich die Stiegenhausrisalite auf der Straßenseite. Alle Risalite sind zartfarbig von der übrigen Wand abgesetzt, die vertieften Türrahmungen ihrer Zugänge sind dreifach profiliert. Die L-förmige Anlage verfügt hofseitig über insgesamt drei Balkonachsen. Auch die beiden äußeren Bauten der Anlage sind an der Ostseite im zweiten Obergeschoß mit Balkonen zum Grünbereich hin ausgestattet. Alle Gebäude der Anlage wurden vor Kurzem neu adaptiert und mit zarten Pastelltönen gestrichen.

... und die Kunst

Eine abstrakte Bronzeplastik von Gertrud Fronius steht im Rasenstück vor dem Kopfbau im Zusammenlauf von Schönbrunner Allee und Gaßmannstraße. Die Bronzeplastik von Othmar Jarmer "Drei Fischreiher" wurde entfernt.

Der Name

Die Gaßmannstraße wurde 1906 nach dem Komponisten Florian Leopold Gaßmann (1729-1774), einem österreichischen Komponisten am Übergang vom Barock zur Vorklassik, benannt. Von 1757 bis 1762 schrieb er jedes Jahr eine Oper für die Karnevalssaison in Venedig, 1757 wurde er zudem Chorleiter am Mädchenkonservatorium in Venedig. 1763 wurde er als Ballettkomponist an den Wiener Hof berufen, wo ihm Joseph II. äußerst freundschaftlich gewogen war. 1764 wurde Gaßmann Kammerkomponist des Kaisers und 1772 Hofkapellmeister. Er war 1771 Initiator der Wiener Tonkünstlersozietät, welche die ersten Musikveranstaltungen für die Öffentlichkeit in Wien organisierte. Die soziale Institution kümmerte sich auch um Witwen und Waisen verstorbener Mitglieder. Sein Oratorium "La Betulia liberata" komponierte Gaßmann aus Anlass der Gründung dieser Einrichtung. Er starb 1774 an den Spätfolgen eines Unfalls, den er auf seiner letzten Italienreise gehabt hatte. Er wurde auf dem Friedhof in der Alser Vorstadt bestattet.

Sanierung

von 2005 bis 2009

Die Wohnhausanlage wurde von 2005 bis 2009 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 861.600 Euro, davon konnten 260.017 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Alfred Perl - Zur Ausbildung des Architekten Alfred Perl (geb. 1881) sind keine Daten bekannt. Für die Gemeinde Wien plante er in einer Arbeitsgemeinschaft mit Josef Ludwig Kalbac die Wohnhausanlage Gaßmannstraße 1-19 in Wien 12 (1954-1956).

Josef Ludwig Kalbac - Josef Ludwig Kalbac (1902-1980) studierte nach Abschluss einer handwerklichen Lehre bei Oskar Strnad an der Kunstgewerbeschule Wien Architektur. Als gelegentlicher Mitarbeiter im Büro Josef Hoffmanns war er unter anderem an den Inneneinrichtungen von dessen Reihenhäusern in der Wiener Werkbundsiedlung (1931/32) beteiligt und errichtete gemeinsam mit Hoffmann einen Wohnbau für die Gemeinde Wien im 5. Bezirk in der Blechturmgasse 23-27. Neben industriellen Holzhäusern für eine Wohnsiedlung in Wien Schwechat 1940/41 entstanden auch zahlreiche Projekte für Einfamilienhäuser und Siedlungen; im Jahr 1948-51 errichtete Josef Kalbac den Gemeindebau in der Malfattigasse 27-31.

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