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Bertha-von-Suttner-Hof

Fakten

Bertha-von-Suttner-Hof

Waltergasse 5, 1040 Wien

Baujahr: 1955-1957

Wohnungen: 360

Architekt: J. Parzer

Weitere Adressen

Graf-Starhemberg-Gasse 11-13, 1040 Wien

Favoritenstraße 38-40, 1040 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Auf dem Areal der städtischen Wohnhausanlage befand sich einst das Wiedner Spital, das 1842 aufgrund der immer wiederkehrenden Bettennot in den Spitälern Wiens gegründet wurde. Das Spital sollte ursprünglich im aufgelassenen Piaristenkloster in der Wiedner Hauptstraße eingemietet werden; wegen der besseren Trinkwasserversorgung bezog es jedoch vorab das sich auf der Liegenschaft befindliche ehemalige Palais Czernin (ein frühes Werk von Johann Lukas Hildebrandt), das aus der Konkursmasse der von Joseph Ulrich Danhauser gegründeten Möbelfabrik um 57.000 Gulden erworben und erst 1966 zur Gänze abgetragen wurde. 1847 bezog das Spital das benachbarte Haus der Seidenfabrikanten Hell & Schepper, 1848 erfolgte der Abbruch des ursprünglichen Gebäudes und die Errichtung eines Neubaus. Der Mitteltrakt blieb erhalten und diente dem Spital als Direktionsgebäude. 1861 wurde das bisher privat geführte Wiedner Spital vom k. k. Krankenanstaltenfonds mit acht Abteilungen und 1.250 Betten übernommen, später durch einen Erlass dem im Aufbau befindlichen Kaiser-Franz-Josef-Spital in Favoriten unterstellt. 1889 wurde diese Unterstellung jedoch wieder aufgehoben. Während des Zweiten Weltkrieges trug das Spital schwere Schäden davon. 1956 wurde es letztendlich abgetragen und an seiner Stelle der Bertha-von-Suttner-Hof errichtet, der durch Vizebürgermeister Felix Slavik 1959 eröffnet wurde. Eine Gedenktafel am Gemeindebau erinnert heute noch an das ehemalige Bestehen der Krankenanstalt.

Die Architektur

Die monumentale Wohnhausanlage erstreckt sich mit ihren 23 Stiegen und insgesamt 352 Wohneinheiten auf 18.409 m² Baufläche. Das weitläufige Areal mit seiner geschichtsträchtigen Vergangenheit wird von drei Straßenzügen begrenzt: Den nordwestlichen Abschluss der Blockrandverbauung bildet ein Trakt in der Waltergasse mit einem von der Fluchtlinie zurückversetzten Mittelteil - hier entsteht dadurch ein kleiner Straßenvorhof. Im Westen schließt die Anlage die Baulinie zur Graf-Starhemberg-Gasse, im Osten grenzt sie an die Favoritenstraße. Dazwischen finden sich im weiträumigen Gartenhof zusätzlich noch ein Längs- und ein Quertrakt.

Die Treppenhäuser sind jeweils als zentral situierte Stiegenhauskerne an den Straßenfronten bzw. dem Hof zugewandt ausgebildet. Akzentuiert werden diese durch Fliesenbauelemente an den Fensteröffnungen, wodurch optisch der Eindruck ums Eck geführter Fensterbänder entsteht. Zwischen den beiden sechsgeschoßigen Gebäuden an der Favoritenstraße - mit einachsigen Erkerausbildungen an den Straßenfronten und Satteldachgaupen als krönenden Abschluss - befinden sich der Durchgang zur Graf-Starhemberg-Gasse, der die erforderlichen Stellplätze in Form von eingeschoßigen Garagen aufnimmt, und straßenseitig das Bertha-von-Suttner-Denkmal Siegfried Charouxs. Flache Wandvorlagen an den hofzugewandten Seiten nehmen die innenliegenden Treppenhäuser auf. Mit der Beschränkung auf wenige Details - die Gebäudefassaden werden lediglich durch zwei- und dreiteilige Fensterelemente horizontal und vertikal gegliedert - wird die Einfachheit der nüchternen Baukörper betont. Unterbrochen wird die strenge Symmetrie durch französische Fenster, die an einigen Hoffassaden zu finden sind, ansonsten wird dieselbe Qualität in Form und Gestaltung beibehalten.

Dem Hof als offenem Gemeinschaftsraum mit viel Grün wird ein besonderer Stellenwert zugesprochen: Hier findet man neben einem Kinderspielplatz für die Allerkleinsten, einer Jugendsportanlage und einem städtischen Kindergarten auch ausreichend Sitzgelegenheiten zum Verweilen.

... und die Kunst

Für die städtische Wohnhausanlage waren gleich mehrere Künstler tätig: Die in Wien lebende akademische Malerin Helene Hädelmayr-Graf schuf das Mosaikwandbild "Kinderspiele", das die Wand des städtischen Kindergartens ziert und Kinder bei verschiedenen Bewegungsspielen zeigt. Vom tschechischen Bildhauer Ferdinand Opitz (1885 - 1960) stammen zwei Plastiken mit den Namen "Bär" und "Elefant". Das Bertha-von-Suttner- Denkmal "Die Waffen nieder!" vom Bildhauer und Künstler Siegfried Charoux (1957 - 1959) aus Zement und Eisen, eine Frau mit erhobenen Händen und zwei Kindern darstellend, erinnert an das gleichnamige literarische Hauptwerk Bertha von Suttners (1889), das in sämtliche europäische Sprachen übersetzt wurde.

Der Name

Bertha von Suttner kam 1843 in Prag als geborene Gräfin Kinsky von Chinic und Tettau zur Welt und wuchs im aristokratischen Umfeld der k. k. Monarchie auf. 1877 begann sie mit ihrer journalistischen Tätigkeit, sie verfasste Kurzgeschichten und Essays für österreichische Zeitungen unter dem Pseudonym B. Oulet. Wie ihr Mann Arthur Suttner hatte sie großen Erfolg. 1889 erschien der pazifistische Roman "Die Waffen nieder!", der Bertha von Suttner zu einer der prominentesten Vertreterinnen der Friedensbewegung machte, in deren Auftrag sie die ganze Welt bereiste. 1905 erhielt sie als erste Frau den von ihr mit angeregten Friedensnobelpreis, den sie am 18. April 1906 in Kristiania entgegennahm. Bertha von Suttner erlag im Juni 1914, wenige Wochen vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges, einem Krebsleiden.

Sanierung

von 1997 bis 1998

Bereits ab 1987 wurden die Stiegenhäuser der Wohnhausanlage mit Aufzügen ausgestattet. Die Kosten dafür beliefen sich auf 1.761.153 Euro, davon konnten 1.535.726 Euro durch Förderungen gedeckt werden. In den Jahren 1997/98 wurde das Dach neu gedeckt.

Architekten

J. Parzer - Wiener Stadtbauamt - MA19

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