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Stachegasse 1-3

Fakten

Stachegasse 1-3

Stachegasse 1, 1120 Wien

Baujahr: 1954-1955

Wohnungen: 99

Architekt: Franz Peydl, Hans Hassmann

Weitere Adressen

Edmund-Reim-Gasse 34, 1120 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Altmannsdorf , der südöstliche Bezirksteil von Meidling, ist urkundlich erstmals 1136 im Saalbuch des Stifts Klosterneuburg genannt. Das Dreieckangerdorf, dessen Struktur heute noch im Khleslplatz erhalten ist, entstand vermutlich schon in der 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts. Mitte des 15. Jahrhunderts übernahm der Orden der Beschuhten Augustiner die Grundherrschaft und übergab den Altmannsdorfer Gutshof italienischen Padres. Altmannsdorf wurde von der Industrialisierung in keiner Weise berührt, gegen Mitte des 19. Jahrhunderts waren um den Khleslplatz nur die Hetzendorfer Straße bis zur Kreuzung mit der Breitenfurter Straße und diese im Bereich zwischen Hoffinger- und Stachegasse mit ein- bis zweigeschoßigen Vorstadthäusern verbaut. Die städtische Entwicklung setzte erst gegen die Jahrhundertwende, mit der Eingemeindung in den 12. Bezirk 1892, ein.

Die Architektur

Die dreiteilige Wohnhausanlage besteht aus zehn Stiegen mit jeweils dreigeschoßigen Gebäudeteilen. Fünf Stiegen sind in Randverbauung im Südosten des Grundstücks zu einer langen Zeile entlang der Edmund-Reim-Gasse zusammengefasst. Eine Stiege steht als Einzelhaus im rechten Winkel dazu entlang des Altmannsdorfer Angers im Süden. Der dritte Teil im Nordwesten ist L-förmig angelegt, wobei der kürzere Flügel mit einer Stiege an der Stachegasse und der längere Flügel mit drei Stiegen parallel zu der langen Zeile an der Edmund-Reim-Gasse liegt. Die fünf Stiegen an der Edmund-Reim-Gasse sind in der Tiefe gestaffelt, jede Stiegeneinheit tritt deshalb jeweils um ein Stück hinter die Baulinie des Nachbargebäudes zurück. Dadurch ergibt sich eine wohldurchdachte Licht-Schattenwirkung, die keine Monotonie in der langen Front aufkommen lässt. Vor Stiege 3 befindet sich eine längere Betonbrüstung vor einem abgeschrankten Stiegenabgang in den Keller. Die Südostfassaden aller langen Flügel haben jeweils drei unsymmetrisch angeordnete Balkonachsen. Auch am Einzelhaus am Altmannsdorfer Anger gibt es eine Balkonachse an der südöstlichen Schmalseite. Die Stiegenaufgänge sind alle auf die Grünbereiche ausgerichtet. Sie werden jeweils durch eine Gruppe von drei kleinen schmalen Fenstern im obersten Geschoß akzentuiert. In Variationen sind die drei- oder zweiteiligen Fensterachsen meist symmetrisch an den Fassaden angeordnet. An den nordwestlichen Schmalseiten der beiden Einstiegenhäuser gibt es keine Fenster. Die Fassaden aller Stiegen wurden bei der Renovierung in unterschiedlich intensiven Gelbtönen gefärbelt, der Sockel ist einheitlich grau gestrichen.

Der Name

Die Stachegasse ist seit 1898 nach Friedrich August Ritter von Stache (1814 - 1895) benannt. Er war Architekt und Baumeister, außerdem Oheim und Lehrer des bekannten Architekten Heinrich Ferstel, erhielt seine Ausbildung auf dem Polytechnikum in Wien und auf der Akademie, bereiste 1836 - 1839 Italien und wurde nach seiner Rückkehr Architekt des Fürsten Kinsky, für den er die Restauration und innere Einrichtung des Wiener Palais in modernem Geist durchführte. 1854 leitete er die Herstellung der architektonischen Umrahmung und Aufstellung des Mosaikbilds von Raffaelli nach Leonardo da Vincis Abendmahl in der Minoritenkirche, erhielt für seinen Plan der Stadterweiterung den ersten Preis und machte sich nachher wesentlich verdient um die Gründung des Wiener Künstlerhauses. Er war Inhaber des Franz-Josephs-Ordens und des Ordens der Eisernen Krone.

Sanierung

von 2004 bis 2006

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2004 bis 2006 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde eine Gas-Kombi-Therme eingebaut. Die Kosten beliefen sich auf 1.188.600 Euro, davon konnten 232.341 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Franz Peydl - Franz Peydl (1907-1977) studierte bei Siegfried Theiß an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1933 promovierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wirkte er vor allem am Wiederaufbau zerstörter Wohn- und Geschäftshäuser in der Wiener Innenstadt mit. Peydl gewann aber auch den 1. Preis beim Wettbewerb für die Werksiedlung der NEWAG in Ottenstein (NÖ), die er auch ausführte. Gemeinsam mit dem Architektenbüro Theiß & Jaksch plante er mehrere Wohnhausanlagen für die Gemeinde Wien, wie etwa den Ernest-Bevin-Hof in Wien 17 (1956/58).

Hans Hassmann - Der in Galizien (heute Ukraine/Polen) geborene Hans Hassmann (1905-1983) studierte als bereits ausgebildeter Architekt um 1950 Malerei und Grafik an der Akademie der bildenden Künste Wien. Für die Gemeinde Wien entwarf er etwa zusammen mit Franz Peydl die Wohnhausanlage Stachegasse 1-3 in Wien 12 (1954/55).

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