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Hohenbergstraße 14-16

Fakten

Hohenbergstraße 14-16

Hohenbergstraße 14-16, 1120 Wien

Baujahr: 1951-1952

Wohnungen: 58

Architekt: Edith Lessel

Weitere Adressen

Ruckergasse 60, 1120 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Um 1900 war das Gelände noch Vorgartengebiet für den Schlachthof auf dem anschließenden Areal oberhalb der Spittelbreitengasse, 1910 wurde es parzelliert. 1924 gelangte das Grundstück in den Besitz der Brauerei Schellenhof und ein gewisser Herr Hummel, Vorname unbekannt, bewarb sich um den Bau einer Gastwirtschaft auf dem Gelände. Auf einem Bebauungsplan aus den späten 1920er-Jahren findet sich vor dem Schlachthof eine grüne, gärtnerisch genutzte Parzelle mit einem rechteckigen Gebäude.

Die Architektur

Die Anlage setzt sich aus zwei unterschiedlich langen Gebäudeteilen zusammen, die im rechten Winkel aufeinander stoßen. Die Fassade des Baus entlang der Hohenbergstraße ist durch ein kräftiges Gesimsband in ein genutetes Untergeschoß und drei Obergeschoße unterteilt und wird durch symmetrisch angeordnete Fenster- und Balkonachsen gegliedert. Die mittlere Torachse ist risalitartig hervorgehoben. Oberhalb des Tordurchgangs mit einer profilierten Umrahmung ist über dem Sturz eine nahezu vollplastische Relieftafel angebracht. Im Westteil dieses Gebäudeflügels befindet sich ein Geschäftslokal, im Ostteil eine Gastwirtschaft mit Pergola.

Ein ebenerdiger Eckrisalit ist der einspringenden Hausecke Ruckergasse/Hohenbergstraße vorgelagert. Er greift mit seinem genuteten Rustikaverputz tief in die ungenutete Sockelzone des Flügels an der Ruckergasse ein. Der längere, ebenfalls viergeschoßige Bauteil folgt dem starken Gefälle durch das stufenförmige Absenken der Dachlinie. Aus diesem Grund sind auch die Fensterzeilen in jedem der fünfachsigen Module höhenversetzt. Auf der Hofseite des Gebäudes springen auf beiden Seiten des Durchgangs zur Hohenbergstraße hohe, kubische Lifthäuser turmartig hervor, die erst in den 1980er-Jahren vor die Fassade gesetzt wurden. Ein abfallender Weg entlang der Hoffassade parallel zur Ruckergasse führt zu vier Stiegenhäusern, die durch flache Wandvorlagen charakterisiert sind.

... und die Kunst

Die nahezu vollplastische Reliefgruppe über dem Tordurchgang "Mutter mit Kindern" zeigt eine liegende Frau mit zwei stehenden Kindern, ein beliebtes Motiv in den 1950er-Jahren. Die Skulptur stammt vom Bildhauer Adolf Treberer-Treberspurg.

Der Name

Die Straße ist nach Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg benannt. Der in der Wiener Vorstadt Josefstadt geborene Hetzendorfer war der Sohn des aus der Oberpfalz stammenden Malers Johann Samuel Hetzendorfer und dessen Gattin Theresia Ursula Nefzer. Nach dem Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien unternahm er Reisen nach Deutschland und Italien, bei denen er sich vorerst als Theater- und Dekorationsmaler betätigte. 1758 wurde er Ehrenmitglied der neu gegründeten Augsburger Akademie. Über die Theaterdekoration kam er schließlich zur Architektur. Er wurde vom Staatskanzler Maria Theresias, Wenzel Anton Graf Kaunitz protegiert, sodass er schon 1765 die baukünstlerische Leitung von Schloss Schönbrunn übertragen bekam, das von Maria Theresia nach dem Tod ihres Ehemannes Franz Stephan von Lothringen neu gestaltet wurde. 1766 wurde Hetzendorfer geadelt und trug seither den Namen Hetzendorf von Hohenberg. Von 1769 bis 1772 war er Professor an der Architekturschule der Wiener Akademie, von 1773 bis zu seinem Tod deren Direktor. 1773 wurde er außerdem Mitglied der Académie de France in Rom. 1775 erfolgte die Ernennung zum Hofarchitekten, 1776 zum wirklichen Hofarchitekten. 1804 wurde er Ehrenbürger der Stadt Wien. Die Hohenbergstraße trug 1892 noch den Namen Gloriettestraße, 1894 wurde sie nach dem Architekten umbenannt.

Sanierung

von 1993 bis 1995

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1993 bis 1995 saniert. Neben der Instandsetzung der Fassade konnten durch die Erneuerung der Fenster und Türen die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 425.427 Euro, davon konnten 253.156 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Edith Lessel - Edith Lessel (geb. 1916 in Wien) studierte von 1935 bis 1938 und 1947/48 bei Hans Vetter und Franz Schuster Architektur an der Hochschule für angewandte Kunst Wien. Für die Gemeinde Wien entwarf sie vor allem in den 1950er-Jahren mehrere Wohnhausanlagen, wie etwa die Anlagen Baumgartenstraße 25-33 in Wien 14 (1952/53) und Hohenbergstraße 14-16 in Wien 12 (1951/52).

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