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Schwenkgasse 54-60

Fakten

Schwenkgasse 54-60

Schwenkgasse 54-60, 1120 Wien

Baujahr: 1949-1950

Wohnungen: 42

Architekt: Heinz Rollig

Weitere Adressen

Hasenhutgasse 1-3, 1120 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Während des Ersten Weltkrieges errichtete man zwischen der Meidlinger Trainkaserne und Schönbrunn ein Kriegsspital mit 39 Baracken sowie eine Notkirche nach den Plänen von Julius Hirnschrodt. Die Kirche besaß eine Kuppel und wurde im Volksmund "Russenkirche" genannt, weil russische Kriegsgefangene bei der Errichtung mitgearbeitet hatten. Sie stand auf der anderen Seite der Hohenberggasse, gegenüber dem heutigen Kirchenbau. Nach dem Krieg sollte das gesamte Kriegsspital mitsamt der Kirche abgerissen werden. Die Kirche wurde jedoch gerettet und mit zwei benachbarten Baracken umgebaut, um künftig als Seelsorgestation zur Verfügung zu stehen. Dieses Hofbauer-Klementinum besaß auch einen Kindergarten und Veranstaltungsräume, die in etwa auf dem Areal der drei heutigen Gemeindebauten standen, und wurde von der Bevölkerung zunehmend nur mehr kurz als "Gatterhölzl" bezeichnet.

In der Folge wurden in der Gegend weitläufige städtische Wohnhausanlagen (unter anderem die Siedlung "Am Tivoli") im Sinne der Gartenstadt-Bewegung errichtet und die Bevölkerungszahl nahm stark zu. 1935 wurde die Notkirche zur Pfarrkirche erhoben und dem Kapuzinerorden zur Betreuung übergeben. 1945 wurden die Nebengebäude der Kirche durch Bomben zerstört. Nach Plänen des Architekten Ladislaus Hruska entstand von 1955 bis 1959 Ecke Hohenbergstraße/Schwenkgasse der Neubau der Kirche. Nach dessen Fertigstellung wurde die alte Kirche abgerissen und das Grundstück mit Wohnhäusern verbaut.

Die Architektur

Die Anlage besteht aus drei dreigeschoßigen Gebäuden, die in Zeilenbauweise errichtet wurden. Die ostseitigen Fassaden der beiden vorderen Trakte bestehen aus zwei, die des hinteren Blocks aus drei gleich organisierten, symmetrischen Gestaltungseinheiten. Ein einachsiger Stiegenhausrisalit mit Verdachung erhebt sich bis zur halben Höhe des zweiten Geschoßes. Beiderseits befindet sich auf Höhe des Gangfensters ein Balkon, jeweils darüber ein weiterer. Die Balkonkästen werden von einer Fensterachse flankiert. Die westseitigen Fassaden aller Blöcke sind pro Stiege durch drei paarweise angeordnete Fensterachsen gegliedert. Zur harmonischen Wirkung der Fassaden tragen auch die profilierten Steinrahmungen der Eingänge sowie die ebenfalls profilierten Putzrahmungen der Fenster bei.

... und die Kunst

Das Relief "Fenster ins Leben" von Josef Humplik ziert die Schmalseite des ersten Gebäudes.

Der Name

Die Schwenkgasse ist seit 1894 nach Ludwig Schwenk (1823-1890), Apotheker und Gemeinderat in Unter-Meidling, benannt.

Sanierung

von 2012 bis 2014

In den Jahren 2012 bis 2014 wurde in der Wohnhausanlage eine Sockelsanierung durchgeführt. Es wurden unter anderem das Dach instandgesetzt und die Fenster erneuert.

Architekten

Heinz Rollig - Heinz Rollig (1893-1978) studierte bis 1921 Architektur an der Akademie der bildenden Künste bei Friedrich Ohmann. Ab 1925 ist er als selbständiger Architekt in Wien tätig. 1927 gewann Rollig den Architekturwettbewerb für die Neugestaltung des Strandbads Kritzendorf. Von ihm stammen unter anderem das markante Eingangstor und mehrere Bungalows. Berühmtheit erlangte er mit dem ab 1936 erfolgten Ausbau des Franz-Joseph-Hauses am Großglockner zum Alpenhotel (1997 abgebrannt). Nach dem Zweiten Weltkrieg entwarf er im Zuge des Wiederaufbaus zahlreiche Wohnhäuser. In dieser Zeit war er unter anderem auch für die Esso-Standard tätig, für die er in ganz Österreich Service-Stationen errichtete.

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