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Rosenhügelstraße 35a

Fakten

Rosenhügelstraße 35a

Rosenhügelstraße 35a, 1120 Wien

Baujahr: 1930-1931

Wohnungen: 41

Architekt: Viktor Reiter

Weitere Adressen

Defreggerstraße 1a, 1120 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Der Rosenhügel ist eine Erhebung (257 m) im 12., 13. und 23. Gemeindebezirk von Wien. Bekannt wurde der Rosenhügel vor allem durch die Rosenhügel-Filmstudios und die neurologischen Einrichtungen.

Schon früher, im Jahr 1892, wurde der Westhang als Bestandteil des 13. Gemeindebezirks nach Wien eingemeindet. Hier befand sich auch die zuvor für kurze Zeit eigenständige kleine Ansiedlung Rosenberg. Neben locker verbautem Wohngebiet und freien Grünflächen ist der Westen des Rosenhügels vor allem durch verschiedene sich dort befindliche Gesundheitseinrichtungen geprägt. Am Fuße des Nordwesthangs liegt das Orthopädische Spital Speising der Vinzenz Gruppe Wien, weiter südlich das Neurologische Zentrum Rosenhügel der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft und noch weiter südlich das Krankenhaus Hietzing mit Neurologischem Zentrum Rosenhügel der Stadt Wien (erbaut 1910 bis 1912).

Die beiden Baugruppen dieser Wohnhausanlage waren ursprünglich über einen Sandplatz, der von Grünstreifen und Buschwerk gesäumt war, verbunden. Inmitten des Sandplatzes befand sich ein ovales Planschbecken und dahinter ein niedriges kurzes Gebäude mit Umkleidekabinen für Knaben und Mädchen. 1979 wurde dieses Grundstück zwischen den Baugruppen an das Genossenschaftshaus an der Rosenhügelstraße 37 vergeben. Jenes erhielt einen Erweiterungsbau mit Garageneinfahrt zur Endergasse hin. Heute sind die beiden Baugruppen nicht mehr als Einheit erfassbar, da sie nun beide einen eigenen, abgetrennten Grünbereich haben und ein großes, stilistisch völlig anders geartetes Gebäude im Zwischenbereich steht. Über einen hohen Durchgang zwischen den beiden Trakten des Genossenschaftshauses sind ihre Hofbereiche aber immer noch gegenseitig erreichbar.

Die Architektur

Die Baukörper sind in zwei Gruppen, beiderseits des ehemals langgezogenen Grünbereiches an der Endergasse angeordnet. Die am Plan als Gruppe "A" bezeichnete dreiteilige Anlage im Nordosten ist U-förmig. Der Zugang befindet sich an der Rosenhügelstraße, gegen Nordosten grenzt sie an die Hermann-Broch-Gasse und gegen Südosten an die Endergasse. Nach einer langen Unterbrechung durch den späteren Erweiterungsbau des Genossenschaftshauses folgt im Südwesten die L-förmige Gebäudegruppe "B", die von der Schurzgasse her zugänglich ist. Ihr langer Trakt liegt ebenfalls an der Endergasse. Durch einen Durchgang im dazwischen liegenden Genossenschaftsgebäude sind die heute getrennten Hofbereiche noch gegenseitig begehbar. Die Gebäudeflügel beider Baugruppen sind zweigeschoßig, mit Ausnahme des dreigeschoßigen, flachgedeckten Gassentrakts in der Hermann-Broch-Gasse, der zum Zusammenlauf mit dem zweigeschoßigen Trakt in der Endergasse hin abgetreppt ist. Der Trakt an der Rosenhügelstraße, der mit seinem seitlich abgewalmten Pultdach bis an die Dachkante des flachgedeckten Mittelflügels reicht, ist diesem an der Schmalseite risalitartig versetzt vorgeschoben. Für beide Anlagegruppen sind die aus der Mauer herausmodellierten, konvex vorgewölbten Stiegenhaustürme mit polygonalem Kranzgesims charakteristisch. Sie besitzen in der Mitte lange, schmale, vertikale Ausnehmungen, in die die kleinen Stiegenhausfenster eingelassen sind. Jede Anlagegruppe besitzt drei dieser Stiegenhaustürme, die südwestliche nur hofseitig. Bei der nordöstlichen Gebäudegruppe "A" befinden sich zwei dieser Stiegenhaustürme mit unterschiedlicher Höhe an der Hermann-Broch-Gasse, aber nur der dritte (hofseitige) des Trakts an der Endergasse ist auch durch ein Eingangsportal direkt erschlossen. Einen wesentlichen Anteil am Erscheinungsbild des Baus hat auch die ornamentale Gestaltung. Auf die neue gelbe Färbelung sind orangefarbene Felder zwischen den Fenstern mit meist paarweisen, vertikal die Farbfelder übergreifenden, dicken, abgetreppten Putzstreifen angebracht. Sie haben die Funktion, die Fenster besonders zu den Gebäudeenden hin beziehungsweise um die Ecken herum zusammenzuschließen. Anstelle der Farbfelder waren die senkrechten Putzstreifen ursprünglich durch schmälere, waagrechte Putzstreifen hinterlegt, wie sie auch den Sockelputz akzentuierten. Außerdem waren die Gangfenster in den senkrechten Mauereintiefungen der Stiegenhaustürme durch den Streifenputz stärker als Vertikalbahnen zusammengeschlossen. Das raffinierte Spiel mit waagrechten und senkrechten Akzenten ist durch das Nivellieren des Streifenputzes und die Weglassung der Vertikalkonnexe heute nur mehr reduziert erkennbar.

Der Name

Die Rosenhügelstraße im 12., 13., und 23. Bezirk wurde 1905 nach dem "Rosenhügel", über den sie führt, dieser wiederum nach der früher hier betriebenen Rosenkultur benannt.
Die Endergasse, an der die Längsteile der Anlage liegen, wurde nach der Wiener Malerfamilie Ender benannt, mit Johann Nepomuk Ender (1793 - 1854) und seinem Zwillingsbruder Thomas Ender (1793 - 1875), der als bester Landschaftsmaler des Biedermeier galt. Bekannt sind seine Zeichnungen und Aquarelle einer Brasilien-Expedition.

Sanierung

von 2006 bis 2009

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2006 bis 2009 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 1.406.500 Euro, davon konnten 949.388 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Viktor Reiter - Viktor Reiter (1894-1973) studierte bei Leopold Bauer und Franz Krauß an der Akademie der bildenden Künste Wien. Für die Gemeinde Wien plante er vor allem in den 1930er-Jahren mehrere Wohnhausanlagen, wie etwa die Anlagen Rosenhügelstraße 35a in Wien 12 (1930/31), Biraghigasse 38-42 in Wien 13 (1932/33) und Speisinger Straße 84-98 in Wien 13 (1929/30).

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