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Oswaldgasse 14-22

Fakten

Oswaldgasse 14-22

Oswaldgasse 14-22, 1120 Wien

Baujahr: 1929-1930

Wohnungen: 157

Architekt: Alfred Kraupa

Weitere Adressen

Johann-Hoffmann-Platz 18, 1120 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Die Oswaldgasse liegt in Altmannsdorf, einem Gebiet, das schon 1136 erstmals urkundlich im Saalbuch des Stiftes Klosterneuburg erwähnt wurde. Das Dreieck-Angerdorf, dessen Struktur noch heute im Khleslplatz erhalten ist, gibt es aber schon seit der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts. Im 15. Jahrhundert übernahm der Orden der Beschuhten Augustiner die Grundherrschaft des Ortes. Altmannsdorf wurde nicht industrialisiert; Mitte des 19. Jahrhunderts war um den Khleslplatz lediglich die Hetzendorfer Straße bis zur Kreuzung mit der Breitenfurter Straße und diese im Bereich zwischen Hoffingergasse und Stachegasse mit ein- bis zweigeschoßigen Vorstadthäusern verbaut. Die städtische Entwicklung setzte erst um die Jahrhundertwende nach der Eingemeindung in den 12. Bezirk ein. Das Areal wurde parzelliert und mit vier- bis fünfgeschoßigen Zinshäusern verbaut. Durch die Anlage der Oswaldgasse erhielt Altmannsdorf schließlich Anschluss an Meidling.

Die Architektur

Die riesige, verwinkelte Anlage erstreckt sich mit dem längsten Trakt südwärts entlang der Oswaldgasse. Die lange, straßenseitige Fassade mit vier Geschoßen wird durch zwei kurze, aber um ein Geschoß erhöhte Quertrakte in zwei Abschnitte geteilt, wobei der nördliche Quertrakt risalitartig den Gebäudeanfang markiert. Das oberste Geschoß der Quertrakte wird von abgestuften Gesimsbändern eingefasst. Der nördliche Fassadenteil zwischen den Quertrakten ist von der Straße zurückversetzt, wodurch ein schmaler Vorgartenstreifen entsteht. Der südliche Teil hingegen liegt direkt an der Straße und schließt hier an ein Eckzinshaus an. Die beiden Abschnitte der Straßenfassade haben jeweils zwei leicht vertiefte Balkonachsen und auch die Quertrakte sind durch ums Eck laufende Balkone hervorgehoben. Durch die neue, rote Lackierung der Balkongitter als Kontrast zur hellgelben Färbung der Hausmauer springen die Balkone besonders ins Auge. Bei den Quertrakten stehen in den beiden Ecken des nördlichen Fassadenabschnitts einachsige, kubische Stiegenhaustürme, die die Dachlinie durchstoßen. Sie haben gleichzeitig die Funktion von schmalen Rücklagen, in denen sich die nochmals vertieften, ganz ins Eck gerückten Eingangsportale befinden. Diese sind klinkerverkleidet, ebenso wie auch die niedrige Sockelzone aller Trakte mit Klinker verblendet ist. Ein breites, hochrechteckiges Durchgangstor durchbricht die Mitte der Vorgartenfassade. Es wird von einem kräftigen, vierfach horizontal genuteten Mauerstück, welches in der Mitte schlusssteinartig verkröpft ist, bekrönt. Repräsentativ sind auch die Hoffassaden des Straßentraktes. Hier befinden sich in breiten Risaliten die Stiegenaufgänge. Die hohen Stiegenhausfenster sind durch je drei horizontale Mauerleisten, von denen die mittlere unterbrochen ist, zu einem Vertikalband zusammengefasst. Die darunter liegenden Stiegenhausportale und das dazwischenliegende Durchgangsportal im nördlichen Fassadenabschnitt sind trotz des Abstandes zueinander triumphtorartig angeordnet. Zweiachsige Risalite mit separatem Walmdach an den Querhausfassaden umrahmen diesen Fassadenteil. Durchlaufende, abgestufte Gesimsbänder verleihen der Hoffassade des Straßentraktes einen stark horizontal akzentuierten Charakter. Im Süden des Hofbereichs setzt am Straßentrakt etwas schräg ein Flügel Richtung Westen an. Im rechten Winkel dazu führt ein Trakt nach Norden zurück. Ein weiterer Flügel ist nochmals nach Westen ausgerichtet - dieser letzte Richtungswechsel erweckt durch einen konvex vorgewölbten Eckverbau einen schlossartigen Eindruck. Der komplizierte Gebäudeverlauf schafft eine abwechslungsreiche Gliederung des großen Parkareals, welches mit Grünflächen, Gärten und Spielstätten ausgestattet ist. In dem nach Norden ausgerichteten Verbindungsflügel gibt es einen zweiten Tordurchgang unter der südlichen Balkonachse. Dieser führt in einen kleineren Hof an der Rückseite des westlichsten Flügels, der sich zum Innenhof des Volkswohnheims an der Liebenstraße 48 öffnet.

Der Name

Die Oswaldgasse wurde nach dem Heiligen Oswald, König von Northumbria (604-642), benannt. Er ist auch der Namenspatron der Pfarrkirche von Altmannsdorf. In Northumbria sorgte Oswald energisch für die Restauration des Christentums. Dadurch konnte der Bischof von York, der unter seinem Vorgänger nach Kent geflohen war, zurückkehren. In der Folge entstand in Lindisfarne ein bedeutendes Kloster und Zentrum der Missionstätigkeit unter der Leitung des Abtes Aidan, der davor im Kloster Iona tätig gewesen war. Ein gewisser Penda von Mercia blieb aber weiterhin ein Unruheherd in England und startete im Jahr 642 einen Angriff, bei dem Oswald mit etwa 38 Jahren ums Leben kam. Da er im Kampf gegen das letzte heidnische Reich der Angelsachsen starb, galt er als Märtyrer und wurde später heilig gesprochen.

Sanierung

von 1990 bis 2009

In der Wohnhausanlage wurde von 2007 bis 2009 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch können die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Der Einbau der Aufzüge erfolgte bereits 1990/91. Die Gesamtbaukosten betragen 4.987.029 Euro, 3.359.171 Euro konnten durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Alfred Kraupa - Alfred Kraupa (1886-1969) studierte von 1910 bis 1913 an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Friedrich Ohmann, in dessen Büro er später auch mitarbeitete. Als selbstständiger Architekt in Wien entwarf er vor allem Schulen und baute Kliniken um. Sein bedeutendstes Werk ist das Hotel Erzherzog Rainer (Wien 4, Wiedner Hauptstraße 27-29).

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