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Karl-Löwe-Gasse 12

Fakten

Karl-Löwe-Gasse 12

Karl-Löwe-Gasse 12, 1120 Wien

Baujahr: 1929-1930

Wohnungen: 14

Architekt: Jacques Schwefel

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Das Volkswohnhaus in der Karl-Löwe-Gasse 12 im 12. Wiener Gemeindebezirk (Meidling, ehem. Murlingen) ist das einzige dokumentierte Gebäude des Architekten Jacques Schwefel und zählt aufgrund der abwechslungsreichen Formensprache zu den interessantesten Wohnhäusern, die im Rahmen des Bauprogramms der sozialdemokratischen Gemeindeverwaltung in den 1920er-Jahren errichtet wurden.

Die Architektur

Das relativ klein dimensionierte Gebäude mit heute 16 Wohnungen besitzt eine bemerkenswerte Straßenfassade mit symmetrisch angeordneten Dreieckserkern, vier Balkonen und einem ungeschmückten zentralen Dreiecksgiebel. Das fünfgeschoßige, schmale Wohnhaus ähnelt in Höhe, Breite und Farbe dem zeitgleich entstandenen Volkswohnhaus in der Karl-Löwe-Gasse 4 von Anton Potyka, weist aber einen plastischeren Aufbau der Fassade auf, der durch die rhythmisch hervorspringenden Spitzerker und Balkone charakterisiert ist.
Der zentrale Eingangsbereich in der Sockelzone wird durch eine sich nach oben verbreiternde Rahmung besonders betont. Der grobe Putz des Erdgeschoßes hebt sich zudem von der glatt verputzten Fassade darüber ab.
Das Wohnhaus bildet mit den Bauten Malfattigasse 39 und Karl-Löwe-Gasse 14 einen gemeinsamen, mit einem Kinderspielplatz ausgestatteten Hof aus.

Der Name

Die Karl-Löwe-Gasse (ehem. Neuwallgasse) ist nach dem deutschen Komponisten und Organisten Karl Löwe (1796-1869) benannt, der vor allem für seine Balladen und Oratorien bekannt ist.

Sanierung

von 2009 bis 2011

In der Wohnhausanlage wurde von 2009 bis 2011 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch werden die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen.

Architekten

Jacques Schwefel - Jacques Schwefel (1896-?) studierte mit längeren Unterbrechungen aufgrund von Kriegsdiensten von 1914 bis 1921 an der Technischen Hochschule Wien. Die Wohnhausanlage in der Karl-Löwe-Gasse 12 ist sein einziges bekanntes Werk in Wien. Nach dem "Anschluss" an Deutschland erteilte ihm die Reichskulturkammer aufgrund seiner Konfession Berufsverbot und Schwefel emigrierte in die USA, wo er in den 1960er-Jahren verstarb. Das genaue Todesdatum ist nicht bekannt.

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