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Karl-Löwe-Gasse 4

Fakten

Karl-Löwe-Gasse 4

Karl-Löwe-Gasse 4, 1120 Wien

Baujahr: 1929-1930

Wohnungen: 16

Architekt: Anton Potyka

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Von der Jahrhundertwende bis 1950 nahm die Bevölkerung in dem Gebiet um die ehemalige Neuwallgasse (heute Karl-Löwe-Gasse) nur mäßig zu. Dieser Umstand führte im Rahmen der großen Wohnbauprogramme der Gemeinde Wien ab 1923 zu einer weniger quantitativen als vielmehr qualitativen Verbesserung der neu errichteten Wohnstruktur. Die direkte Belichtung der Wohnräume und Küche sowie die Ausstattung mit Fließwasser zählten zur Standardausstattung; die Gangküche gehörte der Vergangenheit an.

Die Architektur

Das kleine Wohnhaus besteht aus einem schmalen, fünfgeschoßigen Baukörper, dessen asymmetrische Front mit horizontalen Architekturdetails verziert ist. Die Fassade des Baus wird von den insgesamt acht südseitigen Balkonen und den weit hinter die Front versetzten Fenstern geprägt. Ein weiteres eigenwilliges Merkmal ist die ab dem Gesims des ersten Stockwerks risalitartig versetzte Fassade, die auf Höhe der fünf Geschoße mit jeweils drei horizontalen Architekturelementen spangenartig verbunden wird. Das ungewöhnlich weit hinter die Fassade versetzte Tor ist dem Geschmack der Zeit folgend klinkerumrahmt.
Das Haus bildet mit den angrenzenden kommunalen Wohnhäusern an der Fockygasse 53 und der Wolfganggasse 54 einen gemeinsamen, teilweise begrünten und mit Kinderspielplätzen ausgestatteten, rechteckigen Hof.

Der Name

Die Karl-Löwe-Gasse (ehem. Neuwallgasse) ist nach dem deutschen Komponisten und Organisten Karl Löwe (1796-1869) benannt, der vor allem für seine Balladen und Oratorien bekannt ist.

Sanierung

von 1987 bis 2011

Bereits 1987 erfolgte im Zuge von Sanierungsmaßnahmen auch der Lifteinbau. Von 2009 bis 2011 wurde in der Wohnhausanlage eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch werden die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen.

Architekten

Anton Potyka - Anton Potyka (1899-1973) gehörte während seines Studiums an der Technischen Hochschule ab 1917 zum engeren Kreis um Adolf Loos. Er arbeitete zunächst in verschiedenen Wiener Architekturateliers, ehe er sich in den 1930er-Jahren vor allem mit der Ausstattung von Kaffeehäusern selbstständig machte. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er mit seinem Sohn Hugo Potyka (geb. 1927) zusammen. Sie restaurierten u. a. das Wiener Dorotheum und planten mehrere Wohnbauten für die Gemeinde Wien.

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