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Josef-Illedits-Hof

Fakten

Josef-Illedits-Hof

Kärchergasse 3-13, 1030 Wien

Baujahr: 1953-1954

Wohnungen: 161

Architekt: Brigitte Wiedmann, Heinrich (Heinz) Reiter

Weitere Adressen

Khunngasse 24, 1030 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Das Wohnhaus befindet sich im so genannten Fasanviertel, dessen Gelände bis zum Ende des 18. Jahrhunderts weitgehend unverbaut war. 1828 standen im gesamten Viertel nur 23 Häuser. Erst im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Straßen angelegt und das Gelände verbaut. Benannt wurde das Viertel nach dem Bierhaus "Zum Fasanl", das schon vor 1795 an der Stelle Fasangasse 2/Rennweg 24 bestand. Eine Inschrift erinnert daran, dass im Fundament dieses Wohnhaus durch den damaligen Bürgermeister Franz Jonas der Grundstein für die 25.000ste Wohnung gelegt wurde, die im Rahmen des großen Wohnbauprogramms der Stadt Wien nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage erstreckt sich mit ihrer 37 Fensterachsen umfassenden Front entlang der Kärchergasse und schließt das Fasanviertel wie ein Querriegel zum Osten hin ab. Der breite Mittelblock wird von zwei Seitenrisaliten eingefasst, wodurch ein schmaler, begrünter Vorplatz entsteht. Durch den Geländeanstieg schließt der rechte Risalit etwas höher und der linke etwas niedriger an, ohne dass jedoch die Geschoßanzahl variiert. Gegliedert wird der Mittelblock durch zwei breite Erker, die jeweils zwei Fensterachsen umfassen und vom ersten Obergeschoß bis zum abschließenden Dachgesims reichen. Die Wandfelder dazwischen werden durch Achsen kleinerer Fenster strukturiert, die zum Teil paarweise angeordnet sind. Das mittig gelegene Achsenpaar markiert den Durchgang zum Hinterhof, wo von aus die acht Stiegenhäuser erschlossen werden. Der symmetrische Fassadenaufbau des Mittelblocks wird in den Dachaufbauten fortgesetzt. Auch die Gliederung der Front des rechten Risalits erfolgt durch zwei symmetrisch angeordnete Erker, die allerdings nur bis zum vierten Obergeschoß reichen. Die Dachaufbauten folgen dieser Gliederung, wie auch am linken Risalit, nicht. Letzterer ist nur mit einem Erker versehen und wird mittels Achsen kleiner und großer Fenster unsymmetrisch strukturiert.

... und die Kunst

Über dem Durchgang befindet sich das von Marijan Matijevic gestaltete Natursteinrelief "Ruhende Frau" (1952). Rechts am Gebäude ist ein Relief von Robert Ullmann angebracht (1952). Die Darstellung zeigt einen "heimkehrenden Arbeiter", der von seiner Frau und seinen Kindern begrüßt wird.

Der Name

1989 wurde die Wohnhausanlage nach Josef Illedits (1903 - 1983) benannt. Bereits früh war er aktiv in der sozialdemokratischen Bewegung tätig. Nach dem Verbot der Arbeiter-Zeitung 1934 war er einer ihrer illegalen Verteiler und auch während des Zweiten Weltkriegs arbeitete er im Untergrund für die Zeitung. 1945 begründete Illedits die SPÖ Landstraße mit. Er war 22 Jahre lang Bezirksrat und außerdem Vorsitzender des Bundes Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer.

Sanierung

von 1987 bis 1988

Der Josef-Illedits-Hof wurde in den Jahren 1987 und 1988 saniert. Neben der Instandsetzung von Dach und Fassade konnten durch die Erneuerung der Fenster und Türen die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 372.448 Euro, davon konnten 286.413 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Brigitte Wiedmann - Brigitte Wiedmann (geb. Kaym, 1925-2002; auch Kiesewetter-Kaym) ist die Tochter des bekannten Architekten Franz Kaym. Sie studierte ab 1943 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien plante sie unter anderem zusammen mit Heinz Reiter den Josef-Illedits-Hof in Wien 3 (Kärchergasse 3-13, 1953/54) und die Anlage Wienerbergstraße 14 in Wien 12 (1959/60). Das Wohnhaus Rudolf-Zeller-Gasse 69 in Wien 23 (1969/70) entwarf Wiedmann gemeinsam mit Friedrich Albrecht.

Heinrich (Heinz) Reiter - Heinz Reiter (1889-1958) studierte Architektur an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Clemens Holzmeister. Zusammen mit Brigitte Wiedmann entwarf er unter anderem den Josef-Illedits-Hof in Wien 3 (Kärchergasse 3-13, 1953-1954) und das Wohnhaus Koppstraße 89-93 in Wien 16 (Teil vom Berliner Hof, 1955-1958).

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