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Ungerhof

Fakten

Ungerhof

Obere Bahngasse 4-8, 1030 Wien

Baujahr: 1932-1933

Wohnungen: 164

Architekt: Otto Moritz Kuntschik

Weitere Adressen

Gerlgasse 9-13, 1030 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des 1. Weltkriegs wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Der Bau wurde auf dem ehemaligen Areal des Sägewerks L. Kattus & Sohn errichtet. Das Fabrikgebäude befand sich an der Stelle des Baublocks an der Oberen Bahngasse, auf dem Hofgelände zur Gerlgasse wurden die Baumstämme gelagert. Die Kreissäge wurde durch die Wasserkraft des Wiener Neustädter Kanals betrieben, der ab 1797 als Verbindung von Donaukanal und Adria angelegt worden war. Ab 1879 wurde der Kanal jedoch verbaut und stattdessen die Schnellbahnlinie angelegt. Das Wasser wurde weiterhin durch eine Rohrleitung zum Wienfluss geführt und diente dem Sägewerk bis zu seiner Auflösung um 1930 zur Energiegewinnung.

Die Architektur

Die betont schlicht gestaltete Wohnhausanlage besteht aus einem mächtigen Block entlang der Oberen Bahngasse sowie einem durch das ansteigende Gelände höher gelegenen Block in der Gerlgasse. Gemeinsam mit den angrenzenden Häusern umschließen sie einen großzügigen, parkähnlichen Innenhof. Die Fassade zur Oberen Bahngasse ist in drei Blöcke gegliedert. Der Mittelblock ist leicht erhöht und gegenüber den Seitenteilen etwas zurückversetzt. Die Mitte ist durch zwei Balkonachsen gekennzeichnet. Seitlich davon springen jeweils zwei Erkerachsen vor. Auffallend ist, dass sich der Hofeingang nicht im Zentrum befindet, sondern seitlich unter einer Erkerachse, die durch eine Abtreppung an der Unterseite besonders hervorgehoben ist. Die Seitenblöcke sind mit schlichten Balkonen versehen.
Der Straßenführung folgend, ist die Fassade zur Gerlgasse konkav geschwungen. Auch in seiner Höhe passt sich das Gebäude der bestehenden Verbauung an: Links schließt die Fassade mit sieben Geschoßen an den Nachbarbau an. Nach etwas mehr als der Hälfte wird das Gebäude um ein Geschoß niedriger, um auch direkt an das rechte Haus anschließen zu können. Die Fassade weist hier lediglich schlichte Balkone auf. Wie an der Hauptfront sind auch in der Gerlgasse ober- und unterhalb der Fenster doppelte Kanneluren gezogen, die den gesamten Bau in die Länge strecken. Die Hofseiten werden von großzügigen Balkonen und massiv vorgezogenen Treppentürmen dominiert.

Der Name

Die Wohnhausanlage ist nach dem Juristen und Politiker Joseph Unger (1828-1913) benannt. Unger war ab 1857 Professor für Rechtswissenschaften an der Universität Wien. 1867 wurde er in den Landtag und in den Reichstag gewählt. Kaiser Franz Josef ernannte Unger 1869 zum Mitglied des Herrenhauses auf Lebenszeit. 1881 bis 1913 war er Präsident des Reichsgerichts.

Sanierung

von 1993 bis 1995

Der Ungerhof wurde in den Jahren 1993 bis 1995 saniert. Die Arbeiten umfassten die Erneuerung von Dach, Fassade, Fenstern und Türen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 1.867.038 Euro, davon konnten 674.081 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Otto Moritz Kuntschik - Moritz Otto Kuntschik sen. (1874-1933) studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien. In den ersten Jahren seiner Tätigkeit als Architekt widmete er sich vor allem der Planung von Wohn- und Geschäftshäusern in Wien. Bekannt wurde er durch den Entwurf der Pfarrkirche St. Anna im 14. Bezirk, für den er einen kaiserlichen Orden erhielt. Die Gemeinde Wien ließ in den 1920er-Jahren zwei Wohnhausanlagen nach seinen Plänen errichten.

Wohnungstauschangebote

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