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Franz-Schuster-Hof

Fakten

Franz-Schuster-Hof

Hagenmüllergasse 14-16, 1030 Wien

Baujahr: 1927-1928

Wohnungen: 49

Architekt: Alfred Kraupa

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Die Hagenmüllergasse verläuft über das ehemalige Gelände der "Wällischen Gärten", die bis ins 19. Jahrhundert ein wichtiger Versorgungsfaktor für die Wiener Bevölkerung waren. Die Gründe gehörten zum Besitz der aus Verona stammenden Oria della Scala. 1445 schenkte sie die Gartenanlagen dem Augustinerorden. Zum Gedenken der aus dem "Welschland" stammenden Stifterin wurden diese bis zur Verbauung ab der Mitte des 19. Jahrhunderts als "Wällische Gärten" bezeichnet.

Die Architektur

Der Wohnbau wird seitlich durch turmartig überhöhte Blöcke begrenzt. Der mittlere Teil der Fassade ist niedriger und hinter die Baulinie zurückversetzt, wodurch ein schmaler Vorplatz entsteht. Die Fensterachsen sind abwechselnd in runden Loggien aufgelöst oder erkerartig vorgezogen. Das oberste Geschoß ist als bekrönender Fassadenabschluss in durchgehenden Rundbögen geöffnet.
Durch die massiv gerahmte Einfahrt gelang man in den begrünten Innenhof der U-förmigen Anlage. Bemerkenswert sind hier die ausgehöhlten Ecklösungen zu den Seitenflügeln. Die starke Durchformung der Masse mittels Rundbogenloggien, Abstufungen und Erkerachsen hat nicht nur eine starke Belebung zur Folge, sondern lässt auch eine Romantisierung erkennen, die an Schlossanlagen erinnert.

Der Name

Eine Gedenktafel in der Hofeinfahrt erinnert an Ing. Franz Schuster (1904-1943). Schuster war aktives Mitglied des Republikanischen Schutzbundes. Erstmals wurde er 1934 unter der Regierung des Ständestaates verhaftet und ins Anhaltelager Wöllersdorf gebracht. 1939 überstellte man ihn ins KZ Buchenwald, wo er als Vertreter Österreichs dem illegalen Häftlingskomitee angehörte. Dort verstarb er am 23. Dezember 1943 an den Folgen einer Infektion.

Sanierung

von 2001 bis 2002

Der Franz-Schuster-Hof wurde in den Jahren 2001 und 2002 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde der Hof an die Fernwärme Wien angeschlossen. Mit dem Einbau der Aufzüge wurde bereits 1987 begonnen. Die Kosten beliefen sich auf 697.963 Euro, davon konnten 259.791 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Alfred Kraupa - Alfred Kraupa (1886-1969) studierte von 1910 bis 1913 an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Friedrich Ohmann, in dessen Büro er später auch mitarbeitete. Als selbstständiger Architekt in Wien entwarf er vor allem Schulen und baute Kliniken um. Sein bedeutendstes Werk ist das Hotel Erzherzog Rainer (Wien 4, Wiedner Hauptstraße 27-29).

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