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Schneidergasse 9

Fakten

Schneidergasse 9

Schneidergasse 9, 1110 Wien

Baujahr: 1928-1929

Wohnungen: 10

Architekt: Friedrich Fischer I

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Noch vor dem Pestjahr 1679 war das Gelände des heutigen Simmering, damals noch ein Dorf im Bereich der Laurenzkirche, ein ertragreiches Weinbaugebiet. Nach der Verwüstung durch die Türken 1683 vollzog sich im Ort ein Strukturwandel, der die Rückbildung des Geländes in kleinteilige Ackerfelder zur Folge hatte. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts blieb Simmering ein kleines Dorf. Erst zu Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte es sich durch den Zuzug großer Unternehmen, denen es im Stadtgebiet zu eng wurde, zu einem Industrie- und Arbeitervorort. Ein wichtiger Schritt in dieser Entwicklung waren die im Bereich der Simmeringer Haupstraße 1-3 errichteten Rinnböckhäuser. Die heute noch zum Teil erhaltenen Häuser waren damals die zweitgrößte Wohnhausanlage Wiens und rückten Simmering ein Stück näher an die Stadt. 1892 wurden Simmering und Kaiserebersdorf sowie kleine Teile von Kledering, Schwechat und Albern als 11. Bezirk nach Wien eingemeindet.

Die Architektur

Das vier Geschoße umfassende Wohnhaus ist in die geschlossene Verbauung der Schneidergasse zwischen zwei kurz nach 1900 entstandenen Gebäuden eingefügt. Das mittig gelegene Portal ist mit einer kräftigen, geraden Verdachung versehen, über der ein kleines Fenster tief in die Wand eingesetzt ist. Zwischen den Erdgeschoßfenstern ist die Fassade mit geschichteten Sichtziegelfeldern ausgekleidet. Unter den Fenstergesimsen kommt hingegen die nackte Putzfassade zum Vorschein. Ein schlichtes Gesimsband trennt die Erdgeschoßzone von den Obergeschoßen ab, an deren Fassade die glatte Wand mehr in den Vordergrund drängt. Sie bildet hier eine vom Erdgeschoß bis zum Dachgeschoß hochgezogene Fläche. Die Fenster werden durch unterhalb und oberhalb verlaufende Gesimse zu Bändern zusammengefasst. Die Flächen zwischen den Fenstern sind wiederum mit Sichtziegeln ausgekleidet. Die massiv plastischen Fensterzonen stehen im starken Kontrast zur glatten Fassadenfläche und bringen deutlich den Übergang von der expressionistischen Bauweise der 1920er-Jahre zu der sich in den 1930er-Jahren durchsetzenden Sachlichkeit zum Ausdruck. Zusätzliche Gesimsstücke über den mittig gelegenen Paaren von Lüftungsöffnungen betonen die zentrale Eingangsachse. Über der rechts äußersten Achse wird das Gebäude leicht hoch gestuft, um hier an das Dachgesims des Nachbargebäudes anschließen zu können.

Der Name

Benannt wurde die Gasse in Erinnerung an den Baumeister Johann Schneider (1853-1897). Er ist unter anderem der Erbauer der alten Schule am Enkplatz und der Volksschule in der Braunhubergasse, beide Wien 11.

Architekten

Friedrich Fischer I - Friedrich Fischer (1888-?) studierte ab 1906 Architektur an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1911 sein Diplom erhielt. Nach dem Studium war er zunächst für die Baufirmen Waagner & Biró und die Universale Bau A.G. tätig. 1923 erlangte Fischer den Titel des Zivilingenieurs und arbeitete in der Folge vermutlich als selbständiger Architekt. Von ihm sind in Wien zwei Bauwerke bekannt: das Wohnhaus Schneidergasse 9, Wien 11 (1928), und das Wohnhaus Baumgartenstraße 26, Wien 14 (1927). Unter dem NS-Regime wurde er 1939 mit einem Berufsverbot belegt. Fischer emigrierte in die USA, wo er in Los Angeles die Arbeitsgemeinschaft Fisher & Friedmann Assoc. gründete.

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