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Feuchterslebengasse 67

Fakten

Feuchterslebengasse 67

Feuchterslebengasse 67, 1100 Wien

Baujahr: 1960-1964

Wohnungen: 429

Architekt: Franz Müllner, Josef Schmelzenbart, Josef Mergenthal, Robert Weinlich, Erich Schlöss, Alexander Kratky, Bruno Hampel, Walter Hübner, Rudolf Pamlitschka

Weitere Adressen

Laaer-Berg-Straße 37, 1100 Wien

Schrankenberggasse 34, 1100 Wien

Wohnen in Wien

In den 1960er-Jahren nahm der Wohnbau in Wien bis hin zum Wohnungsbauboom der 1970er-Jahre kontinuierlich zu. Die Grundlage dafür bildeten 1961 ein städtebauliches Konzept und ein Generalverkehrsplan von Roland Rainer. Der geplante U-Bahn-Bau sowie die Erschließung bisheriger Randgebiete nördlich der Donau förderten diese Entwicklung. Besonders am südlichen und östlichen Stadtrand gab es Grundstücke zu günstigen Preisen, auf denen neue große Wohnviertel geschaffen wurden. Die neue Fertigteilbauweise mit vorgefertigten Betonelementen erlaubte es, in kurzer Zeit ganze Stadtteile neu zu errichten.

Geschichte

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war Favoriten noch weitgehend unverbaut. Die städtebauliche Entwicklung begann hier erst mit der Errichtung des Arsenals (1849-1856), des Südbahnhofes (1867-1870) und der Bautätigkeit an der Ringstraße, wodurch die in Favoriten ansässigen Ziegelfabriken großen Aufschwung erhielten. Die günstige Verkehrsanbindung durch den neuen Südbahnhof hatte zudem die Ansiedlung zahlreicher Betriebe zur Folge. Um Wohnraum für die zugezogenen Arbeiter zu schaffen, wurde das Gebiet bis zur Quellenstraße nach einem Rasterplan mit meist viergeschoßigen Zinshausblöcken verbaut. Nach dem Börsenkrach 1873 stagnierte allerdings die Bautätigkeit. Ab 1890 kam es durch die Ansiedlung von mittelgroßen Fabriken auf den noch unverbauten Flächen entlang der Quellenstraße, wie etwa der nahe liegenden Ankerbrot-Fabrik (1892), zu einem neuerlichen Wachstum.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage erstreckt sich auf einem weitläufigen, leicht ansteigenden Gelände zwischen Feuchterslebengasse und Laaer-Berg-Straße. Überragt wird die Anlage von einem zehn Geschoße umfassenden Wohnblock, der entlang der Feuchterslebengasse über einer kleinen Böschung errichtet wurde. Er wirkt wie ein mächtiges Schild, das das alte, rasterförmig verbaute Favoriten von der neuen, offenen Bauweise am Stadtrand abgrenzt. Die auf die Stadt ausgerichtete Nordseite des Wohnblocks wird von den sechs vertieft eingesetzten Stiegenhausachsen gegliedert. Die farblich abgehobenen Felder schließen je zwei Achsen hochrechteckiger Fenster ein, die die vertikale Linie und die Höhe des Gebäudes unterstreichen. Ein Gegengewicht schaffen die dazwischen liegenden dunkelbraunen Farbstreifen. Fenster unterschiedlicher Größe strukturieren die glatten Wandflächen. Ein weit vorkragendes Dachgesims, hinter dem Ausbauten für die Aufzüge hochragen, schließt den Bau kompakt nach oben hin ab. Die nach Süden ausgerichtete Rückseite ist fast vollständig in Loggien aufgelöst. Die beiden weit vorgezogenen Außenachsen definieren einen von den Straßen abgegrenzten Hofbereich, ohne jedoch die offene Verbauung einzuschränken. Durchbrochen wird der Wohnblock von der Laimäckergasse, die durch das Gelände der Wohnhausanlage führt. Beidseitig von ihr sind zueinander versetzt insgesamt elf Wohnbauten aufgereiht. Die viergeschoßigen Häuser werden über je zwei Stiegenhäuser erschlossen, die die zur Stadt ausgerichteten Fronten gliedern. Die niedrigen Stiegenhausfenster und die über die gesamte Fassadenlänge reichenden Farbbänder sorgen für eine horizontale Struktur, die die einzelnen Häuser aneinanderbindet. Die Südfronten und Stirnseiten sind mit großzügigen Balkonen ausgestattet bzw. bei den an der Laaer-Berg-Straße liegenden Häusern in Loggien aufgelöst.

Der Name

Benannt wurde die Gasse 1889 nach Ernst Freiherr von Feuchtersleben (1806-1849). Der Lyriker und Arzt wurde 1844 Professor für Psychiatrie an der Universität Wien. 1845 erschien sein "Lehrbuch der ärztlichen Seelenkunde".

Sanierung

von 1998 bis 2006

Bereits 1988 wurden einzelne Sanierungsmaßnahmen vorgenommen. Die Kosten dafür beliefen sich auf 365.908 Euro, davon konnten 109.301 Euro durch Förderungen gedeckt werden. Eine umfassende Sanierung erfolgte in den Jahren 1998 bis 2006. Durch die Erneuerung der Fenster und Türen sowie durch das teilweise angebrachte Wärmedämmverbundsystem für die Fassade konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen.

Architekten

Franz Müllner - Franz Müllner (1924-1968) studierte von 1945 bis 1949 bei Franz Schuster an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Für die Gemeinde Wien war er etwa an den Plänen zur Wohnhausanlage Feuchterslebengasse 67 in Wien 10 (1960-1962) beteiligt.

Josef Schmelzenbart - Josef Schmelzenbart (1906-1978) studierte an der Hochschule für angewandte Kunst und an der Akademie der bildenden Künste, wo er die Meisterklasse von Alexander Popp besuchte. Nach dem Studium etablierte er sich als Architekt in Wien vor allem im Bereich Hotelbau. Nach 1946 erweiterte er das Schloss Velden um mehrere Neubauten. Neben diversen Geschäftslokalen wurden in Wien auch Villenbauten und einige Wohnhäuser nach seinen Plänen realisiert.

Josef Mergenthal - Josef Mergenthal (1913-1966) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Als selbständiger Architekt war er nach 1945 vor allem für den Wiederaufbaufonds tätig und in einer Arbeitsgemeinschaft an den Entwürfen zur Wohnhausanlage Feuchterslebengasse 67 in Wien 10 (1960-1962) beteiligt.

Robert Weinlich - Robert Weinlich (1921-2007) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1957 zum Thema "Die architektonische Gestaltung von Dampfkraftwerken" promovierte. Als Architekt war er an den Entwürfen zur kommunalen Wohnhausanlage Feuchterslebengasse 67 in Wien 10 (1960-1962) beteiligt und plante zusammen mit Erich Boltenstern die Dekorationswerkstätten der Bundestheater im Arsenal in Wien 3 (1959-1963). Robert Weinlich hatte zudem eine Universitätsprofessur für Hochbau und Entwerfen inne und wurde 1974 zum Rektor der Universität Innsbruck gewählt.

Erich Schlöss - Erich Schlöss (geb. 1920) studierte von 1946 bis 1950 Architektur an der Technischen Hochschule Wien, wo er später auch als Assistent wirkte. Seine ersten Praxisjahre absolvierte er bei seinem Lehrer Erich Boltenstern, die Befugnis als Architekt erlangte er 1956. Erich Schlöss war in der Nachkriegszeit unter anderem am Umbau und Wiederaufbau des Theresianums inklusive des Konsulatstraktes für die diplomatische Akademie in Wien 4, am Wiederaufbau der Wiener Staatsoper in Wien 1 und am Wiederaufbau der Wiener Börse in Wien 1 beteiligt. Nach seinen Plänen wurden neben mehreren Wohnhausanlagen in Wien und Niederösterreich etwa auch das Fernwärmewerk Kagran in Wien 22 (mit Harald Bauer, 1968-1973) und die Volksschule Wehlistraße 178 in Wien 2 (1975-1977) errichtet.

Alexander Kratky - Alexander Kratky (1900-1961) studierte zunächst von 1920 bis 1926 an der Technischen Hochschule Wien und wechselte im Anschluss an die Technische Hochschule Graz. Für die Gemeinde Wien war er vorwiegend in größeren Architektengemeinschaften an der Errichtung mehrerer Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa an den Anlagen Spittelbreitengasse 23 in Wien 12 (1954/55) und Troststraße 8-16 in Wien 10 (1955-1957). Das Wohnhaus Marinelligasse 10 in Wien 2 (1952-1957) entwarf Kratky als eigenständige Arbeit.

Bruno Hampel - Bruno Hampel (1918-2002) studierte ab 1937 bei Peter Behrens an der Akademie der bildenden Künste Wien. Nach seinen Plänen wurde unter anderem die kommunale Wohnhausanlage Kellerberggasse 55-57 in Wien 23 (1982/83) errichtet.

Walter Hübner - Walter Hübner (1902-1988) studierte von 1920 bis 1925 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien war er vorwiegend in Arbeitsgemeinschaften an der Realisierung mehrerer großer Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa der Anlagen Troststraße 20-30 in Wien 10 (1952/53) und Langobardenstraße 23-27 in Wien 22 (1950-1959).

Rudolf Pamlitschka - Rudolf Pamlitschka (1920-1999) studierte von 1939 bis 1947 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien plante er vorwiegend in Arbeitsgemeinschaften mehrere Wohnhausanlagen, wie etwa den Anton-Figl-Hof in Wien 14, Hernstorferstraße 22-32 (1956-1958), und die Anlage Markhofgasse 12-18 in Wien 3 (1954-1956). Das Wohnhaus Wällischgasse 10-12 in Wien 3 (1981-1983) entwarf Rudolf Pamlitschka eigenständig.

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