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Schrankenberggasse 29

Fakten

Schrankenberggasse 29

Schrankenberggasse 29, 1100 Wien

Baujahr: 1960-1961

Wohnungen: 54

Architekt: Ferdinand Riedl

Weitere Adressen

Feuchterslebengasse 62, 1100 Wien

Absberggasse 30a, 1100 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war Favoriten noch weitgehend unverbaut. Die städtebauliche Entwicklung setzte hier erst mit der Errichtung des Arsenals (1849-1856), des Südbahnhofes (1867-1870) und der Bautätigkeit an der Ringstraße ein, wodurch die in Favoriten ansässigen Ziegelfabriken großen Aufschwung erhielten. Die günstige Verkehrsanbindung durch den neuen Südbahnhof hatte zudem die Ansiedlung zahlreicher Betriebe zur Folge. Um Wohnraum für die zugezogenen Arbeiter zu schaffen, wurde das Gebiet bis zur Quellenstraße nach einem Rasterplan mit meist viergeschoßigen Zinshausblöcken verbaut. Nach dem Börsenkrach 1873 stagnierte allerdings die Bautätigkeit. Ab 1890 kam es durch die Ansiedlung von mittelgroßen Fabriken entlang der Quellenstraße, wie etwa der nahe liegenden Ankerbrot-Fabrik (1892), zu einem neuerlichen Wachstum. Auf den noch freien Parzellen wurden in der Zwischenkriegszeit und nach 1945 kommunale Wohnbauten errichtet.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage wurde auf einem sich zwischen Kudlichgasse und Feuchterslebengasse erstreckenden Rasterfeld errichtet. In ihrer frei stehenden Anordnung bricht sie jedoch mit der entlang der Kudlichgasse begonnenen Blockrandverbauung und scheint dabei mit der offenen Wohnhausanlage Puchsbaumgasse 5 - 7 zu korrespondieren. Der sich entlang der Feuchterslebengasse über drei Stiegenhäuser erstreckende Riegelbau umfasst sechs Geschoße. Die nach Norden ausgerichtete Eingangsfront wird durch die drei großzügig verglasten Stiegenhausachsen gegliedert. Fenster unterschiedlicher Größe strukturieren die glatten Putzfronten dazwischen, wobei die Stiegenhäuser jeweils von Paaren kleiner, quadratischer Fenster flankiert werden. Das bei der letzten Renovierung angewandte Farbkonzept unterstreicht diese Struktur und löst den schlichten Fassadenaufbau in mehrere Zonen auf. Ein markant vorkragendes Dachgesims schließt das Gebäude kompakt nach oben hin ab und beschneidet dabei die vertikale Wirkung der Stiegenhausachsen, die durch hinter dem Dachgesims zurück liegende Aufbauten für die Aufzüge überhöht werden. An der Südseite ist das Wohnhaus mit dramatisch weit ausladenden Balkonen ausgestattet. Städtebaulich markant treten die Stirnseiten mit ihren geschlossenen Wandflächen in Erscheinung, die jeweils nur mit einer einseitig angeordneten Fensterachse durchsetzt sind.

... und die Kunst

Die ornamentale Verglasung - Betonreliefs mit Glas - an den drei Stiegenhauszugängen wurde von Anton Krejcar, Fritz Riedl und Johannes Winkler gestaltet (1959-1961).

Der Name

Die Schrankenberggasse ist seit etwa 1874/75 nach einem ehemaligen Flurnamen benannt.

Sanierung

von 2007 bis 2009

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2007 bis 2009 saniert. Neben der Erneuerung der Fenster und Türen wurde die Fassade mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurden in die Wohnungen Gas-Kombi-Thermen eingebaut.

Architekten

Ferdinand Riedl - Ferdinand Riedl (geb. 1920) studierte zunächst von 1939 bis 1941 an der Technischen Hochschule Wien und von 1941 bis 1944 an der Akademie der bildenden Künste Dresden. Von 1945 bis 1998 führte er ein eigenes Architekturbüro in Wien und von 1969 bis 1990 zudem in München. Zahlreiche Wohn- und Gewerbebauten wurden weltweit nach Ferdinand Riedls Plänen ausgeführt, darunter auch ein 16-stöckiges Hotel in Oslo/Norwegen und ein 1.000-Betten-Krankenhaus in Caracas/Venezuela. In Deutschland plante er etwa für die Olympiade 1972 ein Wohnhaus mit Einkaufszentrum und ein Ärztehochhaus mit Wohnungen, in Karlsruhe konnte Ferdinand Riedl das Hotel Hilton realisieren. Unter seinen zahlreichen Bauwerken in Wien befindet sich auch das Generali-Center in Wien 6, Mariahilfer Straße 77-79 (mit Hannes Lintl). Besondere Verdienste erlangte er auch als Musikwissenschafter; so war er 1966 Gründungsmitglied des Vereins der Freunde der Wiener Staatsoper. 2005 wurde Ferdinand Riedl das Goldene Ehrenzeichen 1. Klasse der Republik Österreich verliehen.

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