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Troststraße 13-19

Fakten

Troststraße 13-19

Troststraße 13-19, 1100 Wien

Baujahr: 1957-1958

Wohnungen: 197

Architekt: Fritz Slama, Heinrich Reitstätter, Alois Plessinger

Weitere Adressen

Ettenreichgasse 39, 1100 Wien

Wirerstraße 16, 1100 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Im letzten Kriegsjahr des Zweiten Weltkrieges wurde Favoriten besonders häufig von Bomben getroffen. Die Häuserzeilen entlang der Troststraße nördlich der Laxenburger Straße wurden weitgehend zerstört. Nach 1955 entstanden hier großzügige neue Wohnhausanlagen.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage an der Troststraße liegt auf einem durch die Straßenzüge Wirerstraße und Ettenreichgasse begrenzten Grundstück und umfasst sechs Wohnblöcke in aufgelockerter Riegelverbauung mit dazwischen angelegten Grünflächen. Die Häuser Troststraße 13 und 19 sind durch überbaute Durchgänge mit dem Nachbarhaus verbunden und schließen mit dieser Anbindung den Komplex zu einer Einheit. Die kubischen Wohnblöcke verfügen über sechs Geschoße und flache Walmdächer. An den Fassaden bilden gleichförmige Fensterbänder die horizontalen Achsen sowie leicht vortretende Risalite die vertikalen. Dadurch entsteht eine rasterartige Gliederung der Fassaden. Im Erdgeschoß des Hauses Troststraße 13 befindet sich eine Gaststätte mit einem kleinen Schanigarten. Die Nummer 17 beherbergt einen von außen durch große Fenster gekennzeichneten Klubraum mit eigenem Eingang. Die einheitliche Fassade aus Rieselputz wird an den Achsen der Treppenhäuser durch horizontale Farbbänder aufgelockert.

... und die Kunst

Im Vorgarten des Gasthauses Troststraße 13 "sitzt" eine lebensgroße kubische Figur aus Naturstein gleichsam unter den Gästen. Die Bildhauerarbeit "Sitzendes Mädchen" wurde von Luise Wolf in den Jahren 1959 bis 1960 gestaltet.

Am Durchgang des Hauses Troststraße 19 ist ein Wandrelief angebracht. Es zeigt eine Töpferwerkstatt und stammt von Adolf Wagner von der Mühl, der etliche solcher Wandbilder mit unterschiedlichen Motiven für Gemeindewohnbauten angefertigt hat. Das Relief entstand in den Jahren 1959/60.

Der Name

Die Troststraße wurde 1894 nach dem Fleischhauer und Hausbesitzer Martin Trost (1831-1893) benannt. Der gebürtige Bayer gehörte der Liberalen Partei an und war einer der ersten Wiener Gemeinderäte aus Favoriten (1873-1893). Darüber hinaus war Trost auch Vorsitzender des Favoritner Ortsschulrates.

Sanierung

von 1999 bis 2003

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1986 bis 1988 und 1999 bis 2003 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 1.360.047 Euro, davon konnten 554.258 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Fritz Slama - Fritz Slama (geb. 1908 in Brünn/Tschechien; verst. 1981 in Neulengbach/NÖ) war für die Gemeinde Wien vorwiegend in Arbeitsgemeinschaften an der Realisierung mehrerer großer Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa der Wohnhäuser Gerlgasse 14 in Wien 3 (1952/53) und Dommesgasse 1-7 in Wien 11 (1956/57).

Heinrich Reitstätter - Heinrich Reitstätter (1903-1971) studierte Architektur an der Akademie der bildenden Künste Wien. In Wien realisierte er auch den Großteil seiner Wohnbauprojekte, darunter die kommunale Wohnhausanlage in der Pfeilgasse 10-12, Wien 8. In Salzburg zeichnete er für die Bauleitung des "Hotel Europa" verantwortlich (Pläne von Josef Bevcar). Zudem plante er den Umbau einiger Filialen der Creditanstalt-Bankverein AG in Salzburg und Wien.

Alois Plessinger - Alois Plessinger (1894-1968) studierte ab 1919 bei Franz Krauß und Peter Behrens an der Akademie der bildenden Künste Wien. Für die Gemeinde Wien entwarf er in den 1950er- und 60er-Jahren eigenständig und in Arbeitsgemeinschaften mehrere große Wohnhausanlagen, wie etwa die Anlagen Wolfersberggasse 13-17 in Wien 14 (1954/55) und Czerninplatz 7 in Wien 2 (mit Heinrich Reitstätter, 1963/64). Besonders bemerkenswert ist das noch vor dem Zweiten Weltkrieg von Alois Plessinger geplante Einfamilienhaus Peter-Jordan-Straße 187 in Wien 18 (1931/32).

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