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Gußriegelstraße 51-59

Fakten

Gußriegelstraße 51-59

Gußriegelstraße 51-59, 1100 Wien

Baujahr: 1957-1959

Wohnungen: 454

Architekt: Anton Christl, Günter Krisch, Werner John, Rudolf Jarosch, Heinz Rollig, Josef Leitner, Anton Herrgesell, Robert Fussek

Weitere Adressen

Holbeingasse 12-20, 1100 Wien

Brunnweg 10-14, 1100 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Die Wohnanlage an der Ostseite der Sportanlage entstand im Zusammenhang mit den Planungen zum Projekt "Nothnagelplatz", das ein Gesamtkonzept zur Gestaltung des Areals um die Sportplätze (später Eisring Süd) hinter dem Wasserturm zum Ziel hatte. Mehrere Architektengemeinschaften erarbeiteten bis 1964 die später gebauten Lösungen an der Braunspergengasse und der Gußriegelstraße. Das weitläufige Grundstück zwischen Gußriegelstraße, Brunnweg, Holbeingasse und Graffgasse wurde bis 1957 von der Gärtnerei Noll genutzt. Hier wuchsen in Glashäusern vorwiegend Blumen für den Wiener Markt. Die umliegenden Flächen dienten Kleingartenvereinen oder Sportanlagen.

Die Architektur

Die von 1957 bis 1959 gebaute Wohnanlage wurde einheitlich geplant und vereinigt unterschiedliche Wohnungstypen. Sie besteht aus 2 Hochhäusern, 13 Wohnblöcken in Riegelverbauung sowie einem niedrigeren Bauteil und umfasst insgesamt 22 Stiegen inmitten von ausgedehnten Parkanlagen. Zum Unterschied von den Wohnblöcken wurden die Kleinstwohnungen (Garconnieren) in einem eigenen zweigeschoßigen Bau (Stiege 22) im Zentrum der Grünanlagen untergebracht.

Auf dem annähernd trapezförmigen Grundstück sind die Ecken Gußriegelstraße/Graffgasse und Holbeingasse/Brunnweg durch gleich gestaltete turmartige Hochhäuser (so genannte Kopfbauten) besetzt. Die übrigen Wohnblöcke der Anlage sind in Riegel- oder offener Randverbauung angeordnet. Kommunikationswege zwischen großzügigen Parklandschaften verbinden die einzelnen Häuser. An der Graffgasse befinden sich ein großer Spielplatz auf einem künstlichen Hügel und ein Sportplatz.

An den beiden achtgeschoßigen Hochhäusern mit Walmdächern erreichten die Architekten monumentale Wirkung. Rückspringende Mittelteile verleihen den Bauten turmartigen Charakter. Regelmäßige Fensterausteilung und kubisch an die Fassade gesetzte Balkonreihen verstärken die vertikale Ausrichtung.

Die einfachen Riegelbauten der Wohnhäuser (Stiegen 2 - 20) zeigen ein einheitliches Erscheinungsbild bei variierender Größe. Sie sind jeweils fünfgeschoßig, mit Satteldächern, glatter Putzfassade, regelmäßiger Fensterausteilung und manche mit südseitig ausgerichteten Balkonen ausgestattet. Ein dekorierendes Element bilden mehrfarbige Mosaike, deren Auftrag unter dem Thema "Neugestaltung des Südtiroler Platzes" von der Gemeinde Wien an mehrere Künstler vergeben wurde. Mehrheitlich sind sie im oberen Drittel der Eingangsportale angebracht, nur am Kopfbau Gußriegelstraße 51 sind sie als Wandbilder an die Fassade versetzt.

Der mit nur zwei Geschoßen niedrigste Bau liegt über hakenförmigem Grundriss im Zentrum des Parks zwischen Spiel- und Sportanlage.
Die kubisch vortretenden, horizontal aneinander gereihten Fenster, hinter denen sich ein schmaler Gang mit den jeweiligen Wohnungszugängen befindet, suggerieren einen institutionellen Bau. Tatsächlich sah das Architekturkonzept hier ein Wohnhaus für alte Leute vor.

In den weitläufigen Grünanlagen kamen eine abstrakte Plastik, eine Spielplastik und eine Skulpturengruppe zur Aufstellung.

... und die Kunst

Über den einzelnen Portalen der Stiegen 2 - 20 befinden sich kleinteilige, mehrfarbige Keramikmosaike. Sie entstanden zwischen 1960 und 1963 und zeigen Motive aus dem Bauwesen. Der Auftrag wurde unter dem Thema "Neugestaltung des Südtiroler Platzes" an folgende Künstler vergeben: Erna Grünseis-Frank, Johannes Kreijci, Stephan Praschl und Herbert Potutznik.
Zwei Wandbilder, ebenfalls in Mosaiktechnik, sind am Hochhaus Gußriegelstraße angebracht. Die Arbeiten von Erna Grünseis-Frank stehen ebenfalls unter dem Titel "Neugestaltung des Südtiroler Platzes".

Mehrere freiplastische Auftragswerke der Gemeinde Wien befinden sich innerhalb der Anlage: In der Parkanlage zum Brunnweg hin steht eine abstrakte Plastik. Auf dem Spielplatz fand die Spielplastik "Seelöwe" von Franz Waldmüller Aufstellung.

Eine besonders qualitätvolle Skulpturengruppe aus Bronze wurde an der Graffgasse auf einem mit Klinkern verkleideten Sockel angebracht. Es ist eine Arbeit von Siegfried Charoux und zeigt eine Mutter mit Kind.

Der Name

Die Gußriegelstraße wurde nach einem traditionellen Inzersdorfer Flurnamen benannt.

Sanierung

von 1988 bis 1989

Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 1988 und 1989 wurden Fenster und Türen erneuert. Darüber hinaus erfolgte auch der Anschluss an die Fernwärme Wien. Die Kosten beliefen sich auf 558.854 Euro, davon konnten 447.083 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Anton Christl - Anton Christl (1902-1958) studierte von 1919 bis 1926 Architektur an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1927 die 2. Staatsprüfung ablegte. Für die Gemeinde Wien war Anton Christl unter anderem an den Entwürfen zur Wohnhausanlage Gußriegelstraße 51-59 in Wien 10 (1957-1959) beteiligt.

Günter Krisch - Günter Krisch (1922-1995) studierte ab 1948 bei Lois Welzenbacher an der Akademie der bildenden Künste Wien. Nach seinen Plänen wurden unter anderem die Wohnhausanlagen Sautergasse 40-42 in Wien 17 (1964/65) und Görgengasse 8 in Wien 19 (1969/70) errichtet.

Werner John - Werner John (geb. 1927) studierte von 1945 bis 1950 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Als selbständiger Architekt war er vor allem im Wohn- und Gewerbebau tätig. Unter anderem war Werner John für die Gemeinde Wien an den Entwürfen zur Wohnhausanlage Gußriegelstraße 51-59 in Wien 10 (1957-1959) beteiligt.

Rudolf Jarosch - Rudolf Jarosch (1917-2004) war für die Gemeinde Wien vorwiegend in Arbeitsgemeinschaften an der Realisierung mehrerer großer Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa am Schrödingerhof in Wien 10, Gußriegelstraße 42-50 (1961-1963), und Landstraßer Hauptstraße 173-175 in Wien 3 (1953-1956).

Heinz Rollig - Heinz Rollig (1893-1978) studierte bis 1921 Architektur an der Akademie der bildenden Künste bei Friedrich Ohmann. Ab 1925 ist er als selbständiger Architekt in Wien tätig. 1927 gewann Rollig den Architekturwettbewerb für die Neugestaltung des Strandbads Kritzendorf. Von ihm stammen unter anderem das markante Eingangstor und mehrere Bungalows. Berühmtheit erlangte er mit dem ab 1936 erfolgten Ausbau des Franz-Joseph-Hauses am Großglockner zum Alpenhotel (1997 abgebrannt). Nach dem Zweiten Weltkrieg entwarf er im Zuge des Wiederaufbaus zahlreiche Wohnhäuser. In dieser Zeit war er unter anderem auch für die Esso-Standard tätig, für die er in ganz Österreich Service-Stationen errichtete.

Josef Leitner - Josef Leitner (1918-1985) studierte ab 1938 bei Alexander Popp an der Akademie der bildenden Künste Wien. Zusammen mit Emil Nibio entwarf er die Wohnhäuser Brunner Straße 18 in Wien 23 (1952/53) und Steinhagegasse 9 in Wien 12 (1950/51). Josef Leitner war auch an der Planung zur Anlage Gußriegelstraße 51-59 in Wien 10 (1957-1959) beteiligt.

Anton Herrgesell - Anton Herrgesell (1914-1970) studierte von 1931 bis 1936 Architektur an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1938 die 2. Staatsprüfung ablegte. Für die Gemeinde Wien war er unter anderem an der Planung zur Wohnhausanlage Gußriegelstraße 51-59 in Wien 10 (1957-1959) beteiligt.

Robert Fussek - Der gelernte Tischlermeister Robert Fussek (1920-2000) studierte von 1945 bis 1949 Bühnen- und Filmgestaltung an der Hochschule für angewandte Kunst Wien bei Otto Niedermoser. Neben seiner Tätigkeit für verschiedene Filmfirmen war er auch an der Realisierung großer Architekturprojekte beteiligt, wobei er sich vor allem auf das Gesundheitswesen spezialisierte, wie etwa am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt, am Landesklinikum Amstetten und an der Lungenheilstätte Weyer a.d. Enns. Robert Fussek betrieb bis zuletzt seine eigene Tischlerwerkstätte.

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