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Gußriegelstraße 51-59

Fakten

Gußriegelstraße 51-59

Gußriegelstraße 51-59, 1100 Wien

Baujahr: 1957-1959

Wohnungen: 451

Weitere Adressen

Holbeingasse 12-20, 1100 Wien

Brunnweg 10-14, 1100 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Die Wohnanlage an der Ostseite der Sportanlage entstand im Zusammenhang mit den Planungen zum Projekt "Nothnagelplatz", das ein Gesamtkonzept zur Gestaltung des Areals um die Sportplätze (später Eisring Süd) hinter dem Wasserturm zum Ziel hatte. Mehrere Architektengemeinschaften erarbeiteten bis 1964 die später gebauten Lösungen an der Braunspergengasse und der Gußriegelstraße. Das weitläufige Grundstück zwischen Gußriegelstraße, Brunnweg, Holbeingasse und Graffgasse wurde bis 1957 von der Gärtnerei Noll genutzt. Hier wuchsen in Glashäusern vorwiegend Blumen für den Wiener Markt. Die umliegenden Flächen dienten Kleingartenvereinen oder Sportanlagen.

Die Architektur

Die von 1957 bis 1959 gebaute Wohnanlage wurde einheitlich geplant und vereinigt unterschiedliche Wohnungstypen. Sie besteht aus 2 Hochhäusern, 13 Wohnblöcken in Riegelverbauung sowie einem niedrigeren Bauteil und umfasst insgesamt 22 Stiegen inmitten von ausgedehnten Parkanlagen. Zum Unterschied von den Wohnblöcken wurden die Kleinstwohnungen (Garconnieren) in einem eigenen zweigeschoßigen Bau (Stiege 22) im Zentrum der Grünanlagen untergebracht.

Auf dem annähernd trapezförmigen Grundstück sind die Ecken Gußriegelstraße/Graffgasse und Holbeingasse/Brunnweg durch gleich gestaltete turmartige Hochhäuser (so genannte Kopfbauten) besetzt. Die übrigen Wohnblöcke der Anlage sind in Riegel- oder offener Randverbauung angeordnet. Kommunikationswege zwischen großzügigen Parklandschaften verbinden die einzelnen Häuser. An der Graffgasse befinden sich ein großer Spielplatz auf einem künstlichen Hügel und ein Sportplatz.

An den beiden achtgeschoßigen Hochhäusern mit Walmdächern erreichten die Architekten monumentale Wirkung. Rückspringende Mittelteile verleihen den Bauten turmartigen Charakter. Regelmäßige Fensterausteilung und kubisch an die Fassade gesetzte Balkonreihen verstärken die vertikale Ausrichtung.

Die einfachen Riegelbauten der Wohnhäuser (Stiegen 2 - 20) zeigen ein einheitliches Erscheinungsbild bei variierender Größe. Sie sind jeweils fünfgeschoßig, mit Satteldächern, glatter Putzfassade, regelmäßiger Fensterausteilung und manche mit südseitig ausgerichteten Balkonen ausgestattet. Ein dekorierendes Element bilden mehrfarbige Mosaike, deren Auftrag unter dem Thema "Neugestaltung des Südtiroler Platzes" von der Gemeinde Wien an mehrere Künstler vergeben wurde. Mehrheitlich sind sie im oberen Drittel der Eingangsportale angebracht, nur am Kopfbau Gußriegelstraße 51 sind sie als Wandbilder an die Fassade versetzt.

Der mit nur zwei Geschoßen niedrigste Bau liegt über hakenförmigem Grundriss im Zentrum des Parks zwischen Spiel- und Sportanlage.
Die kubisch vortretenden, horizontal aneinander gereihten Fenster, hinter denen sich ein schmaler Gang mit den jeweiligen Wohnungszugängen befindet, suggerieren einen institutionellen Bau. Tatsächlich sah das Architekturkonzept hier ein Wohnhaus für alte Leute vor.

In den weitläufigen Grünanlagen kamen eine abstrakte Plastik, eine Spielplastik und eine Skulpturengruppe zur Aufstellung.

... und die Kunst

Über den einzelnen Portalen der Stiegen 2 - 20 befinden sich kleinteilige, mehrfarbige Keramikmosaike. Sie entstanden zwischen 1960 und 1963 und zeigen Motive aus dem Bauwesen. Der Auftrag wurde unter dem Thema "Neugestaltung des Südtiroler Platzes" an folgende Künstler vergeben: Erna Grünseis-Frank, Johannes Kreijci, Stephan Praschl und Herbert Potutznik.
Zwei Wandbilder, ebenfalls in Mosaiktechnik, sind am Hochhaus Gußriegelstraße angebracht. Die Arbeiten von Erna Grünseis-Frank stehen ebenfalls unter dem Titel "Neugestaltung des Südtiroler Platzes".

Mehrere freiplastische Auftragswerke der Gemeinde Wien befinden sich innerhalb der Anlage: In der Parkanlage zum Brunnweg hin steht eine abstrakte Plastik. Auf dem Spielplatz fand die Spielplastik "Seelöwe" von Franz Waldmüller Aufstellung.

Eine besonders qualitätvolle Skulpturengruppe aus Bronze wurde an der Graffgasse auf einem mit Klinkern verkleideten Sockel angebracht. Es ist eine Arbeit von Siegfried Charoux und zeigt eine Mutter mit Kind.

Der Name

Die Gußriegelstraße wurde nach einem traditionellen Inzersdorfer Flurnamen benannt.

Sanierung

von 1988 bis 1989

Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 1988 und 1989 wurden Fenster und Türen erneuert. Darüber hinaus erfolgte auch der Anschluss an die Fernwärme Wien. Die Kosten beliefen sich auf 558.854 Euro, davon konnten 447.083 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

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