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Rotenhofgasse 80-84

Fakten

Rotenhofgasse 80-84

Rotenhofgasse 80-84, 1100 Wien

Baujahr: 1957-1958

Wohnungen: 262

Architekt: Anton Schmid, Walter Muchar, Wilhelm Kleyhons, Franz Requat, Wilfried Poszpisily

Weitere Adressen

Sonnleithnergasse 38-40, 1100 Wien

Belgradplatz 10-12, 1100 Wien

Bernhardtstalgasse 24-30, 1100 Wien

Bernhardtstalgasse 25-29, 1100 Wien

Buchengasse 137-145, 1100 Wien

Malborghetgasse 5-9, 1100 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Auf dem weitläufigem Areal des heutigen Belgradplatzes südlich der städtischen Wohnhausanlage entstand zwischen 1898 und 1900 die Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik der Brüder Gustav (1857 - 1937) und Wilhelm (1859 - 1931) Heller (Architekt: Wilhelm Klingenberg sen.). Die Fabrik der Brüder Heller war ein typisches Favoritner Fabriksobjekt der Jahrhundertwende. Favoriten war damals durch ein Nebeneinander aus Zinshäusern und Fabrikanlagen geprägt. Beansprucht wurde meist ein von vier Straßenzügen begrenztes rechteckiges Grundstück, das von vorwiegend in Materialbauweise ausgeführten Werkhallen gesäumt wurde, wohingegen der Hof Lager, Kesselhaus oder Schlote aufnahm. Eine Reihe von Zubauten erweiterte im Laufe der Jahre die imposante Industrieanlage. So kam etwa 1906 ein in der Mitte des Fabrikareals gelegenes Gebäude dazu, das Platz für Stallungen bot. Zwischen 1910 und 1914 wurden der Schokoladefabriktrakt, der markante Turmtrakt (heute noch sichtbar) sowie ein fünfgeschoßiges Wohn- und Fabriksgebäude errichtet. Viele der Angestellten fanden dort eine Bleibe oder mieteten sich in den Zinshäusern ringsum ein. Produziert wurde am Belgradplatz bis Ende der 1960er-Jahre, die ehemaligen Fabrikhallen sind heute an zahlreiche Einzelbetriebe vermietet.

Die Architektur

Die Anlage besteht aus 13 Stiegen, die an fünf unterschiedlichen Straßenzügen errichtet wurden, sodass die Stiegen eins bis acht und neun bis 13, getrennt durch die Bernhardtstalgasse, auf einem Grundstück zum Liegen kommen. Stiege 1 befindet sich an der Malborghetgasse, den Abschluss bildet Stiege 13 an der Rotenhofgasse. Im Erdgeschoß der Häuser drei und vier an der Buchengasse sind die Geschäftslokalitäten situiert. Die Anlage umfasst weiters zwei Ateliers, einen Mieterversammlungsraum, einen Motorradabstellraum sowie einen Geräteraum. Durch das Versetzen der einzelnen Baublöcke ergibt sich ein ineinander verschränktes Hofsystem aus Grünräumen, Erschließungswegen und Einstellplätzen, wodurch der Eindruck der Massivität etwas gemildert wird. Obwohl jeder Block eigens gestaltet wurde, ist die gemeinsame Handschrift der Architektur der 1950er-Jahre unverkennbar: Die verschieden hohen Baukuben, die steilen, mit Dachgaupen hervorgehobenen Dächer, die ruhigen, nüchternen Fassaden, die ohne jegliche Profilierung im Mauerwerk auskommen, entsprechen der Baugesinnung jener Zeit. Hie und da sind die Fronten aufwändiger gestaltet, lockern französische Fenster die Fassade etwas auf oder reihen sich Balkone, in Verbänden oder lose, an den Gebäudeseiten mit Blick gegen Süden und Westen die einzelnen Geschoße nach oben. Zwischen Stiege vier und fünf an der Buchengasse wurde ein Verbindungsstück mit Durchgang zum "Innenhof" konzipiert, hier befindet sich der "Haupteingang" mit der Hinweistafel auf die Entstehungszeit der Anlage.

... und die Kunst

Im vorderen Garten der Wohnhausanlage an der Buchengasse befindet sich ein aus bunten Mosaiksteinen gefertigter Springbrunnen des Künstlers Wander Bertoni (1959). Ebenfalls an der Buchengasse und in Mosaik gestaltet, setzt sich das 26 mal zwei Meter große Wandbild des Malers Wolfgang Hutter markant von dem Gebäude ab (1957/58).

Der Name

Ein Teil der Rotenhofgasse, die unter ihrer heutigen Bezeichnung seit 1875 existiert, wurde bis 1894 Redtenbachergasse genannt. Ihren Namen erhielt die Gasse von einem ehemaligen, neu erbauten Jagdschlösschen Kaiser Karl VI., das damals "Rötelhaus" oder der "Rote Hof" bezeichnet wurde.

Sanierung

von 2003 bis 2008

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2003 bis 2008 saniert. Das Dach wurde neu gedeckt, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 1.506.800 Euro, davon konnten 502.266 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Anton Schmid - Über die Ausbildung des in Mährisch Ostrau/Tschechien geborenen Anton Schmid (1904-1991) gibt es keine Informationen. Für die Gemeinde Wien war er an der Errichtung mehrerer Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa der Anlagen Wirerstraße 6-14 in Wien 10 (1955/56) und Schöpfleuthnergasse 8-16 in Wien 21 (1968-1970).

Walter Muchar - Walter Muchar (1918-2005) studierte ab 1942 bei Alexander Popp an der Akademie der bildenden Künste Wien. Nach seinen Plänen wurden von den 1950er- bis in die 1980er-Jahre mehrere Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien errichtet, wie etwa die Wohnhäuser Erdbergstraße 36 in Wien 3 (1977-1979) und Kaiser-Ebersdorfer Straße 12-18 in Wien 11 (1979-1981).

Wilhelm Kleyhons - Wilhelm Kleyhons (geb. 1925) studierte von 1945 bis 1958 Architektur an der Technischen Hochschule Wien bei Erich Boltenstern. Seit 1960 führt er sein eigenes Büro in Wien, mit dem er vor allem im Bereich Wohnbau tätig ist. Wilhelm Kleyhons entwarf etwa mit Wilhelm Gehrke die Reihenhaussiedlung Rückaufgasse in Wien 19 (1960-1964) und in einer größeren Arbeitsgemeinschaft für die Gemeinde Wien die Wohnhausanlage Pfarrgasse 34-44 in Wien 23 (1986-1988).

Franz Requat - Franz Requat (1922-1999) studierte von 1945 bis 1954 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Sein mit Thomas Reinthaller gegründetes Architekturbüro war in den 1970er- und 80er-Jahren an zahlreichen Großprojekten in ganz Österreich beteiligt. In Wien planten sie etwa das Ambulatorium Süd in Wien 10, Wienerbergstraße 13 (mit Ernst Schiska, 1974/75), und das Wohn- und Bürogebäude IL-Bau in Wien 16, Paltaufgasse 12 (1980-1984). Den Wohnpark Alt-Erlaa in Wien 23, Anton-Baumgartner-Straße (1973-1978), realisierten Requat & Reinthaller in einer Arbeitsgemeinschaft mit Harry Glück und Kurt Hlaweniczka.

Wilfried Poszpisily - Wilfried Poszpisily (1904-1966) studierte zunächst ab 1924 Bauingenieurswesen an der Technischen Hochschule Wien und im Anschluss bis 1931 ebendort Architektur. Als Architekt war er im Zuge des Wiederaufbaus vor allem im Bereich Wohnbau tätig. Für die Gemeinde Wien plante Wilfried Poszpisily unter anderem die Wohnhäuser Baumgasse 63-65 in Wien 3 (1949-1951) und Graffgasse 12 in Wien 10 (1961/62).

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