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Rotenhofgasse 80-84

Fakten

Rotenhofgasse 80-84

Rotenhofgasse 80-84, 1100 Wien

Baujahr: 1957-1958

Wohnungen: 260

Weitere Adressen

Buchengasse 137-145, 1100 Wien

Bernhardtstalgasse 25-29, 1100 Wien

Malborghetgasse 5-9, 1100 Wien

Sonnleithnergasse 38-40, 1100 Wien

Bernhardtstalgasse 24-30, 1100 Wien

Belgradplatz 10-12, 1100 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Auf dem weitläufigem Areal des heutigen Belgradplatzes südlich der städtischen Wohnhausanlage entstand zwischen 1898 und 1900 die Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik der Brüder Gustav (1857 - 1937) und Wilhelm (1859 - 1931) Heller (Architekt: Wilhelm Klingenberg sen.). Die Fabrik der Brüder Heller war ein typisches Favoritner Fabriksobjekt der Jahrhundertwende. Favoriten war damals durch ein Nebeneinander aus Zinshäusern und Fabrikanlagen geprägt. Beansprucht wurde meist ein von vier Straßenzügen begrenztes rechteckiges Grundstück, das von vorwiegend in Materialbauweise ausgeführten Werkhallen gesäumt wurde, wohingegen der Hof Lager, Kesselhaus oder Schlote aufnahm. Eine Reihe von Zubauten erweiterte im Laufe der Jahre die imposante Industrieanlage. So kam etwa 1906 ein in der Mitte des Fabrikareals gelegenes Gebäude dazu, das Platz für Stallungen bot. Zwischen 1910 und 1914 wurden der Schokoladefabriktrakt, der markante Turmtrakt (heute noch sichtbar) sowie ein fünfgeschoßiges Wohn- und Fabriksgebäude errichtet. Viele der Angestellten fanden dort eine Bleibe oder mieteten sich in den Zinshäusern ringsum ein. Produziert wurde am Belgradplatz bis Ende der 1960er-Jahre, die ehemaligen Fabrikhallen sind heute an zahlreiche Einzelbetriebe vermietet.

Die Architektur

Die Anlage besteht aus 13 Stiegen, die an fünf unterschiedlichen Straßenzügen errichtet wurden, sodass die Stiegen eins bis acht und neun bis 13, getrennt durch die Bernhardtstalgasse, auf einem Grundstück zum Liegen kommen. Stiege 1 befindet sich an der Malborghetgasse, den Abschluss bildet Stiege 13 an der Rotenhofgasse. Im Erdgeschoß der Häuser drei und vier an der Buchengasse sind die Geschäftslokalitäten situiert. Die Anlage umfasst weiters zwei Ateliers, einen Mieterversammlungsraum, einen Motorradabstellraum sowie einen Geräteraum. Durch das Versetzen der einzelnen Baublöcke ergibt sich ein ineinander verschränktes Hofsystem aus Grünräumen, Erschließungswegen und Einstellplätzen, wodurch der Eindruck der Massivität etwas gemildert wird. Obwohl jeder Block eigens gestaltet wurde, ist die gemeinsame Handschrift der Architektur der 1950er-Jahre unverkennbar: Die verschieden hohen Baukuben, die steilen, mit Dachgaupen hervorgehobenen Dächer, die ruhigen, nüchternen Fassaden, die ohne jegliche Profilierung im Mauerwerk auskommen, entsprechen der Baugesinnung jener Zeit. Hie und da sind die Fronten aufwändiger gestaltet, lockern französische Fenster die Fassade etwas auf oder reihen sich Balkone, in Verbänden oder lose, an den Gebäudeseiten mit Blick gegen Süden und Westen die einzelnen Geschoße nach oben. Zwischen Stiege vier und fünf an der Buchengasse wurde ein Verbindungsstück mit Durchgang zum "Innenhof" konzipiert, hier befindet sich der "Haupteingang" mit der Hinweistafel auf die Entstehungszeit der Anlage.

... und die Kunst

Im vorderen Garten der Wohnhausanlage an der Buchengasse befindet sich ein aus bunten Mosaiksteinen gefertigter Springbrunnen des Künstlers Wander Bertoni (1959). Ebenfalls an der Buchengasse und in Mosaik gestaltet, setzt sich das 26 mal zwei Meter große Wandbild des Malers Wolfgang Hutter markant von dem Gebäude ab (1957/58).

Der Name

Ein Teil der Rotenhofgasse, die unter ihrer heutigen Bezeichnung seit 1875 existiert, wurde bis 1894 Redtenbachergasse genannt. Ihren Namen erhielt die Gasse von einem ehemaligen, neu erbauten Jagdschlösschen Kaiser Karl VI., das damals "Rötelhaus" oder der "Rote Hof" bezeichnet wurde.

Sanierung

von 2003 bis 2008

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2003 bis 2008 saniert. Das Dach wurde neu gedeckt, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 1.506.800 Euro, davon konnten 502.266 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

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