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Karplusgasse 1-39

Fakten

Karplusgasse 1-39

Karplusgasse 1-39, 1100 Wien

Baujahr: 1957-1959

Wohnungen: 389

Architekt: Viktor Kromp, Paul Ehrenzweig, Alexander Kratky, Leo Kammel jun., Franz Wosatka

Weitere Adressen

Kundratstraße 17-31, 1100 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Der Bau wurde auf einer bis dahin unverbauten Fläche zwischen Kaiser-Franz-Josef-Spital und George-Washington-Hof gebaut. Das Architektenteam versuchte in seinem Baukonzept Wohnformen unterschiedlicher Lebensabschnitte zu berücksichtigen und plante neben Einzel- und Familienwohnungen auch gesonderte Wohnhäuser für Senioren ein. In zwei Bauabschnitten wurden insgesamt 14 Gebäude mit 28 Stiegen errichtet.

Die Architektur

Die große Wohnhausanlage wird von Kundratstraße, Karplusgasse und östlich vom Areal des Kaiser-Franz-Josef-Spitals sowie südlich vom George-Washington-Hof begrenzt. Auf der lang gestreckten Parzelle auf ansteigendem Terrain gruppierte das Architektenteam insgesamt 12 Häuser in offener Riegelverbauung mit insgesamt 28 Stiegen. Die Kopfbauten an den jeweiligen Enden des Grundstückes wurden über hakenförmiger Grundfläche errichtet. Die Ecke an der Kundratstraße ist zudem mit einem siebengeschoßigen kubischen Bauteil turmartig besetzt. Zwischen den Wohnhäusern erstrecken sich Grünanlagen mit Spielplätzen und Ruhezonen sowie ein Zufahrtsweg. Im Zentrum der Anlage wurden zwei niedrigere Bauten mit Seniorenwohnungen geplant (Stiegen 26-28). Die einzelnen Häuser sind vier-, fünf- und sechsgeschoßig mit Satte- bzw. Walmdächern. An der Kundratstraße befinden sich im Erdgeschoß Geschäftslokale. Südseitig und zur Hofseite hin sind kleine, für den Wohnbau der 1950er-Jahre charakteristische, kubisch vortretende Balkone an die Fassade gesetzt. Die Fassadengestaltung verläuft einheitlich: schmale weiße Putzfaschen umrahmen die regelmäßig aufgeteilten Fenster. Die Achsen der Treppenhäuser sind durch vertikale Profile und abgesetzte Farbgebung deutlich hervorgehoben. An den Balkonen wurde der zeittypische gewellte Kunststoff verwendet. Besonderes Interesse verdienen die ursprünglich für alte Menschen vorgesehenen zweigeschoßigen Wohnhäuser, die sich auch in der Fassadengliederung von den übrigen Bauten abheben. Die Senioren wurden in das Zentrum der Anlage gerückt, der Bau den Wohnbedürfnissen alter Menschen, was die Bauhöhe anbelangt, angepasst. Die großen, dreiteiligen französischen Fenster scheinen einem gesteigerten Bedürfnis nach Licht Rechnung zu tragen.

Der Name

Die Karplusgasse ist seit 1956 nach Dr. Paul Karplus (1866-1936), einem Arzt und Psychiater, benannt.

Sanierung

von 1986 bis 2011

Im Zuge von Sanierungsarbeiten in den Jahren 1986 bis 1989 erfolgten der Anschluss an die Fernwärme Wien und der Einbau von Aufzügen. 2004 wurde mit einer weiteren Sanierung begonnen. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die teilweise Instandsetzung der Fassade.

Architekten

Viktor Kromp - Viktor Kromp (1914-2001) studierte von 1932 bis 1936 bei Josef Hoffmann an der Wiener Kunstgewerbeschule. Für die Gemeinde Wien war er unter anderem an den Entwürfen zum Fleminghof in Wien 16, Josef-Weinheber-Platz 6-10 (1954-1957), und zur Wohnhausanlage Karplusgasse 1-39 in Wien 10 (1957-1959) beteiligt.

Paul Ehrenzweig - Paul Ehrenzweig (1889-1975) studierte mit kriegsdienstbedingter Unterbrechung 1909/10 von 1907 bis 1913 an der Technischen Hochschule Wien. Zusammen mit Karl Vodak entwarf er für die Gemeinde Wien die 1957/58 erbaute Wohnhausanlage Damböckgasse 3-5 in Wien 6.

Alexander Kratky - Alexander Kratky (1900-1961) studierte zunächst von 1920 bis 1926 an der Technischen Hochschule Wien und wechselte im Anschluss an die Technische Hochschule Graz. Für die Gemeinde Wien war er vorwiegend in größeren Architektengemeinschaften an der Errichtung mehrerer Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa an den Anlagen Spittelbreitengasse 23 in Wien 12 (1954/55) und Troststraße 8-16 in Wien 10 (1955-1957). Das Wohnhaus Marinelligasse 10 in Wien 2 (1952-1957) entwarf Kratky als eigenständige Arbeit.

Leo Kammel jun. - Leo Kammel jun. (1922-1974) studierte von 1940 bis 1944 Architektur an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1970 auch promovierte. Sein Frühwerk ist aufgrund der Namensgleichheit nicht eindeutig vom Spätwerk seines prominenteren Vaters zu trennen. Leo Kammel jun. war zunächst vorwiegend im Wiederaufbau tätig, so erfolgte etwa 1952 unter seiner Leitung die Wiederherstellung des ehemaligen Arbeiterheimes Favoriten, Favoritenstraße 8-10 (erbaut 1901/02). In Wien wurde auch die ehemalige Zentrale des Österreichischen Gewerkschaftsbundes in Wien 1, Wipplingerstraße 35 (1951/52; 2008 abgebrochen) nach seinen Plänen errichtet (vermutlich noch mit Mitwirkung von Leo Kammel sen.). In den 1960er- und 70er-Jahren arbeitete Leo Kammel jun. vor allem in Niederösterreich.

Franz Wosatka - Franz Wosatka (1900-1973) studierte ab 1920 bei Franz Krauss an der Akademie der bildenden Künste Wien. Unter anderem entwarf er für die Gemeinde Wien zusammen mit Bruno Tinhofer das Wohnhaus Laurenzgasse 14-18 in Wien 5 (1950/51).

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