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Rabenhof

Fakten

Rabenhof

Baumgasse 29-41, 1030 Wien

Baujahr: 1925-1928

Wohnungen: 1112

Architekt: Hermann Aichinger, Heinrich Schmid

Weitere Adressen

Lustgasse 5-15, 1030 Wien

Kardinal-Nagl-Platz 5, 1030 Wien

St.-Nikolaus-Platz 1-7, 1030 Wien

Rüdengasse 22, 1030 Wien

Rabengasse 2-12, 1030 Wien

Rabengasse 1-9, 1030 Wien

Hainburger Straße 68-70, 1030 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Der Rabenhof (ursprünglich "Austerlitz-Hof") wurde in der Zeit von 1925-1928 im Bereich Hainburger Straße, Rabengasse und Baumgasse im 3. Wiener Gemeindebezirk errichtet. Früher befand sich auf dem Gelände die "Krimsky-Kaserne". Insgesamt wurden auf einer Fläche von 50.000 m2 fast 1.100 Wohnungen und 38 Geschäftslokale erbaut. Im Zuge des Bürgerkrieges besetzte am 13. Februar 1934 das Bundesheer den Austerlitz-Hof. Es kam zu Kämpfen mit Toten und Verletzten. Im 2. Weltkrieg beschädigten Bomben die Obergeschoße.

Die Architektur

Der Rabenhof stellt kein monumentales Bauwerk im Sinne Otto Wagners (1841-1918, Architekt, Kunsttheoretiker) dar. Der Bau konnte nur in Abschnitten erfolgen und die Grundstücke lagen unterschiedlich hoch. Diese Gegebenheiten erschwerten eine architektonische Lösung. Entgegen den Leitlinien Otto Wagners reihen sich verschiedene Wohn- und Gartenhöfe in unterschiedlichen Höhen und mit verschiedenen Fassaden aneinander. Es entsteht der Eindruck einer geöffneten Festung oder Burg. Die einzelnen Höfe sind mit Durchgängen, Toren und Stiegenanlagen miteinander verbunden. Im Gesamtbau entsteht eine horizontale und vertikale Bewegung. Die unterschiedlichen Fassaden und das Spiel mit architektonischen Details erzeugen eine eigenständige Atmosphäre.
1987 werden vier Architekten mit dem Einbau von Aufzügen beauftragt. Kein Aufzug gleicht dem anderen. Durch die Schaffung von halbkreisförmigen Segmenten, die Einführung von Glasbauteilen, schwebenden Quadern und die Einbringung farblicher Elemente entstehen neue interessante Architekturformen. Charakteristisch für die Anlage sind die in den Fassaden eingesetzten Gesimse und Klinkerflächen.

... und die Kunst

In den Höfen befindet sich die Natursteinplastik "Musizierende Kinder" (1959) von Margarete Hanusch sowie die Bronzefigur "Tanzende" von Otto Hofner (1930). In den Klinkerflächen, den Loggien- und Balkongruppen fanden sich Muster mit zahlreichen expressionistischen Details.

Der Name

Ursprünglich war die Wohnhausanlage nach dem Chefredakteur der Arbeiterzeitung, Friedrich Austerlitz (1862-1931), benannt. Nach den Februarkämpfen von 1934 wurde das Bauwerk nach einer Durchzugsgasse in "Rabenhof" umbenannt. Da es schon im 16. Bezirk einen "Austerlitz-Hof" gab, wurde der Name "Rabenhof" auch nach dem 2. Weltkrieg belassen.

Sanierung

von 1986 bis 1992

Im Rabenhof wurde in den Jahren 1986 bis 1992 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Im ehemaligen Arbeitersaal richtete man ein Theater ein. Für den Ein- bzw. Anbau von insgesamt 66 neuen Aufzügen war sogar ein eigener Gestaltungswettbewerb ausgeschrieben worden.
Außerdem wurde der Hof an die Fernwärme Wien angeschlossen und ein neuer Spielplatz errichtet. Im Sinne des Denkmalschutzes erfolgte die originalgetreue Rekonstruktion der begrünten Hofanlagen. Die Kosten beliefen sich auf 33.689.309 Euro und konnten vollständig durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Hermann Aichinger - Hermann Aichinger (1885-1962) studierte - ebenso wie sein späterer Arbeitskollege Heinrich Schmid - an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Otto Wagner. Das 1912 gegründete Architekturbüro Schmid & Aichinger war das meistbeschäftigte des Wohnbauprogramms des "Roten Wien". Auch in den späten 1930er- und in den 1940er-Jahren erhielt das Büro noch prestigeträchtige Aufträge. In dieser Zeit entstanden unter anderem das Wohn- und Geschäftshaus "Bärenmühle" (Wien 4, Operngasse 18-20) und das RAVAG-Gebäude (Wien 4, Argentinierstraße 30a; gemeinsam mit Clemens Holzmeister).

Heinrich Schmid - Heinrich Schmid (1885-1949) studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er die Meisterschule Otto Wagners besuchte. 1912 eröffnete er mit seinem Studienkollegen Hermann Aichinger ein gemeinsames Atelier in Wien, das bald zu einem der führenden Architekturbüros der Zwischenkriegszeit wurde. Neben zahlreichen Wohnhausanlagen wie etwa dem Rabenhof (Wien 3) und dem Julius-Popp-Hof (Wien 5) wurden auch das Hanusch-Krankenhaus (Wien 14, Heinrich-Collin-Straße 30) und das Österreichische Verkehrsbüro (Wien 1, Friedrichstraße 7) nach ihren Entwürfen errichtet.

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