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Migerkastraße 1-3

Fakten

Migerkastraße 1-3

Migerkastraße 1-3, 1100 Wien

Baujahr: 1956-1958

Wohnungen: 133

Architekt: Anna Femböck, Josef (Jaroslav) Bayer

Weitere Adressen

Leebgasse 97, 1100 Wien

Laxenburger Straße 100, 1100 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Das Gebiet Laxenburger Straße/Raxstraße gehörte der Gutsverwaltung des Industriellen Drasche-Wartinberg und war bis nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend unverbaut. Es befanden sich dort eingeschoßige Holzschuppen für kleine Handwerksbetriebe und Schrebergärten. Nach 1949 begann in diesem Bezirksteil der planmäßige Ausbau von Wohnsiedlungen. Zwischen 1956 und 1958 wurde auf der Parzelle Migerkastraße/Laxenburger Straße/Leebgasse eine Anlage mit drei Wohnblöcken errichtet. In jedem gab es je zwei moderne Waschküchen, am Wohnhaus Leebgasse wurde im Erdgeschoß eine Garage eingeplant.

Die Architektur

Auf dem leicht ansteigenden, rechteckigen Grundstück Migerkastraße/Laxenburger Straße/Leebgasse plante das Architektenteam Josef Bayer und Anna Bräuner eine Wohnanlage bestehend aus zwei Riegelbauten und einem hakenförmigem Gebäude. Die Häuser sind sechsgeschoßig mit Satteldächern und zum Teil ausgebauten Mansardzonen. Gleichförmig gestaltete Fenster in regelmäßiger Aufteilung und die Farbe des Feinputzes sind ein vereinheitlichendes Gestaltungselement der Anlage. Die Hauszugänge befinden sich an den Hofseiten, die Treppenhäuser sind durch flache Wandvorlagen markiert. Am Wohnhaus Leebgasse formieren kleine Balkone eine vertikale Achse. Die sonst einheitlich glatten Fassaden schmückt ein auffallend großes, an der Gebäudekante Laxenburger Straße/Migerkastraße übereck geführtes Wandbild in Sgraffito-Technik. Gartenanlagen, Ruhezonen und Kinderspielplätze schaffen eine Atmosphäre der Erholung zwischen den einzelnen Bauten.

... und die Kunst

An der Ecke Migerkastraße/Laxenburger Straße befindet sich ein großes Wandbild. Dargestellt sind Vögel und Pflanzen. Die Arbeit ist in Schwarz-Weiß in der Art der Holzschnittdrucke gemacht und stammt von der Künstlerin Brunhilde Bichler-Dreher.
In der hofseitigen Gartenanlage des Wohnblockes Leebgasse steht in einer Grünfläche eine lebensgroße, qualitätvolle Bronzeplastik der Künstlerin Gabriele Waldert. Die Arbeit ist 1958 entstanden. Dargestellt ist ein Kalb. Das Jungtier in der Wiese vermittelt die Idee des gesunden Aufwachsens inmitten der Natur in Analogie zu den Kinderspielplätzen zwischen den Wohnbauten.

Der Name

Die Migerkastraße ist seit 1932 nach Dr. Franz Migerka (1828-1915) benannt, dem Mitbegründer des Volksbildungswerkes.

Sanierung

von 1987 bis 2001

Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 1987 bis 1990 wurde die Wohnhausanlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Eine weitere Sanierung folgte in den Jahren 2000 und 2001. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 847.255 Euro, davon konnten 329.314 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Anna Femböck - Anna Femböck (geb. Hassl, 1918; verh. Thiel, später auch Bräuner) studierte ab 1936 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Unter anderem entwarf sie für die Gemeinde Wien die Wohnhausanlage Roggegasse 44-46 in Wien 21 (1960/61) und gemeinsam mit Josef Bayer Anlage Migerkastraße 1-3 in Wien 10 (1956-1958). 1972 wanderte sie nach Brasilien aus.

Josef (Jaroslav) Bayer - Josef (Jaroslav) Bayer (1889-1979) studierte an der Kunstakademie in Sofia, anschließend in Wien an der Technischen Hochschule und an der Akademie der bildenden Künste, wo er 1915 seinen Abschluss machte. Vom Werk Bayers sind heute nur wenige Gebäude bekannt, die aber allesamt für die Gemeinde Wien enstanden; unter anderem die Wohnhausanlagen Sechsschimmelgasse 19 (Wien 9, 1925; gemeinsam mit Hartwig Fischel), Petzvalgasse 3 (Wien 4, 1928/29) und Paletzgasse 17 (Wien 6, 1930).

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