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Hanuschhof

Fakten

Hanuschhof

Ludwig-Koeßler-Platz 4, 1030 Wien

Baujahr: 1923-1925

Wohnungen: 475

Architekt: Robert Oerley

Weitere Adressen

Lechnerstraße 1-5, 1030 Wien

Dietrichgasse 59-63, 1030 Wien

Erdberger Lände 50-54, 1030 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Bis etwa 1900 gab es im Bereich der unteren Dietrichgasse zum Donaukanal hin das Sägewerk Anderl. An der Stelle des Fabrikgebäudes wurde 1901/02 der noch heute bestehende Betriebsbahnhof der Wiener Linien errichtet. Auf dem ehemaligen Holzlagerplatz des Sägewerks entstand ab 1923 der Hanusch-Hof.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage erstreckt sich auf einem dreieckigen Grundstück zwischen Dietrichgasse und Erdberger Lände, das spitz auf den Ludwig-Koeßler-Platz zuläuft. Die schmale Hauptfront zum Ludwig-Koeßler-Platz ist den Prinzipien der Moderne entsprechend schmucklos und nüchtern gestaltet. Die äußersten Fensterachsen sind leicht nach hinten versetzt, wodurch das Zulaufen der Anlage auf den Platz nochmals betont wird. Die Fenster sind mit einer schlichten Verdachung versehen. Einfache Gesimsbänder trennen die Geschoße voneinander. Zum Ausgleich dieser horizontalen Betonung werden die Fassaden an den Längsseiten durch spitz vorgezogene Paare von Erkerachsen gegliedert. Bekrönt werden diese jeweils von einem Dreiecksfenster im Dachgeschoß. An zwei Stellen schwingt der Bau an die Dietrichgasse konkav ein, wodurch kleine Straßenhöfe gebildet werden. Einen solchen Vorhof gibt es auch zur Lechnerstraße. In die lange Front zur Erdberger Lände ist ein zweigeschoßiger Block eingefügt. In diesem waren ursprünglich die Wäscherei, eine Bücherei und ein Kindergarten untergebracht.
Der Innenhof ist ein langes, sich durch die Einbuchtungen der Straßenhöfe immer wieder weitendes und verengendes Raumkontinuum. Die an den Fassadenenden langgezogenen Gesimsbänder scheinen die massive Architektur in fließende Bewegungen zu versetzen, denen sich die gelegentlich vorgezogenen Erkerachsen rhythmisch angleichen. Durch die später angebauten Aufzugstürme wird diese Wirkung allerdings erheblich beeinträchtigt.

... und die Kunst

Im Hof wurde bereits 1926 eine von Karl Gelles geschaffene Bronzestatue aufgestellt. Die zu Ehren von Ferdinand Hanusch errichtete Kolossalfigur eines nackten Athleten, der von hinten andrängende Kräfte abzuwehren scheint, wurde 1934 unter dem Ständestaat abgetragen. 1954 wurde sie von Rudolf Schmidt neu gegossen und wiedererrichtet.

Der Name

Benannt ist die Wohnhausanlage nach dem Politiker Ferdinand Hanusch (1866-1923). Er gilt als Begründer des modernen Arbeitsrechts. Bereits seit 1891 war Hanusch aktiv in der Arbeiterbewegung tätig. 1918 wurde er Staatssekretär für soziale Fürsorge. In seiner zweijährigen Amtszeit baute er eine Sozialgesetzgebung auf, die Vorbild für andere Staaten wurde. Unter seiner Leitung wurde auch die Kammer für Arbeiter und Angestellte gegründet.

Sanierung

von 1986 bis 2011

Im Hanuschhof wurde von 2008 bis 2011 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch werden die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt. Außerdem wurde der Hof an die Fernwärme Wien angeschlossen. Im Dachgeschoß entstanden 30 neue Wohnungen. Mit dem Einbau der Aufzüge wurde bereits 1986 begonnen.

Architekten

Robert Oerley - Robert Oerley (1876-1945) studierte von 1892-1896 an der Kunstgewerbeschule Wien. Zunächst errichtete er zahlreiche Wohn- und Miethäuser in Wien. 1907/08 entstand sein Hauptwerk, das Sanatorium Luithlen (Auerspergstraße 9, Wien 8, heute in anderer Verwendung). Außen durch den ornamentlosen, nüchternen Aufbau den modernen Formprinzipien verbunden, war es innen nach modernsten technischen Erkenntnissen ausgestattet. In den 20er-Jahren errichtet Oerley für die Gemeinde Wien zwei Wohnhausanlagen. Von 1927-1932 war er am Ausbau von Ankara zur neuen Hauptstadt der Türkei beteiligt.

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