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Herzgasse 99-101

Fakten

Herzgasse 99-101

Herzgasse 99-101, 1100 Wien

Baujahr: 1953-1954

Wohnungen: 220

Architekt: Hans Gass, Alfred Schmid, Victor Mittag

Weitere Adressen

Dieselgasse 26-28, 1100 Wien

Alxingergasse 94-96, 1100 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Die Anlage um einen rechteckigen Innenhof schloss die Zeilenverbauung in der Herzgasse und der Alxingergasse. Das ansteigende Gebiet, auf dem sich ursprünglich nur Schrebergärten befunden hatten, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg planmäßig mit Wohnsiedlungen verbaut. In den drei Wohnblöcken war jede Stiege mit einer modernen Waschküche ausgestattet. An der Ecke Alxingergasse/Dieselgasse befand sich ein Postamt.

Die Architektur

Die große Wohnhausanlage auf einem durch die Straßenzüge Herzgasse - Dieselgasse - Alxingergasse begrenzten Grundstück umfasst drei Wohnblöcke in Randverbauung um einen begrünten Innenhof. Zwischen den Häusern Herzgasse 99 und Alxingerstraße 94 ermöglichen Durchgänge die Verbindung zwischen den insgesamt neun Stiegen. Die Gebäude haben sieben Geschoße und zum Teil ausgebaute Mansardzonen unter Walmdächern. Einheitlich gestaltete Fenster in regelmäßiger Austeilung sind ein vereinheitlichendes Gestaltungselement der Anlage. Am Trakt Alxingergasse 94 wurden französische Fenster verwendet, südseitig und gartenseitig Halbloggien. Die einheitlich glatten Fassaden schmücken vier auffallend große, farbige Wandbilder, die markant an den Gebäudekanten übereck angebracht sind. Es sind Werke der akademischen Maler Hermine Aichenegg, Eduard Bäumer, Oswin Amann und Alfred Balcarek, die 1954 entstanden sind - mit Themen, die den Lokalbezug zur früheren Umgebung herstellen. Charakteristisch für den Wohnhausbau jener Jahre ist die Öffnung des geschlossenen Wohnblocks durch freie Durchgänge.

... und die Kunst

In der Wohnhausanlage gibt es mehrere Sgraffitowandbilder aus den Jahren 1953/54. Auf dem Wandbild "Technik" von Hermine Aichenegg an der Adresse Alxingergasse 94 sind ein Lastkraftwagen und ein Klavier dargestellt. Am Gebäude Alxingergasse 96 befindet sich das von Oswin Amann geschaffene Sgraffitto "Schrebergartenleben im Frühling, Sommer und Herbst". Alfred Balcarek schuf das Relief "Licht, Luft, Sonne" in der Herzgasse 99. Von Eduard Bäumer stammt die Darstellung "Mutter mit Kind" an der Anschrift Herzgasse 101.

Der Name

Die Alxingergasse wurde 1875 nach Johann Baptist von Alxinger (1755-1797) benannt. Der österreichische Schriftsteller und Jurist trat auch unter dem Pseudonym Johannes Xilanger auf. Er war Sekretär des Hofburgtheaters und verbreitete in seinen Schriften die Ideen der Aufklärung.
Die Dieselgasse wurde 1930 nach Rudolf Diesel (1858-1913), dem Erfinder des Dieselmotors, benannt.
Die Herzgasse (vorher: Gerstlergasse) wurde 1874 nach Dr. Rudolf Herz (1813-1873) benannt, einem Arzt und Wohltäter. Herz war Mitglied des Bezirksausschusses im 5. Wiener Gemeindebezirk.

Sanierung

von 1986 bis 2003

Der Anschluss an die Fernwärme Wien erfolgte im Zuge von in den Jahren 1986 bis 1990 durchgeführten Sanierungsmaßnahmen. Eine umfassende Sanierung erfolgte in den Jahren 2000 bis 2003. Neben der Neudeckung des Daches inkludierten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 1.406.704 Euro, davon konnten 559.413 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Hans Gass - Der in Apatin/Serbien geborene Hans Gass (1921-1992) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Als selbständiger Architekt arbeitete er vor allem mit seiner Gattin Elisabeth Gass zusammen. Unter anderem war er für die Gemeinde Wien an den Plänen zu den Wohnhausanlagen Herzgasse 99-101 in Wien 10 (1953/54) und Arltgasse 2-16 in Wien 16 (1956) beteiligt.

Alfred Schmid - Alfred Schmid (1894-1969) studierte ab 1912 zunächst Mechanik an der Technischen Hochschule in Graz. Aufgrund des Ersten Weltkrieges schloss er sein Studium aber erst 1918 an der Technischen Hochschule Wien ab. Als Hörer besuchte er auch die Meisterschule von Peter Behrens an der Akademie der bildenden Künste. 1930 wurde Schmid Direktor der Firma Böhler, für die er Patente für Stahlkonstruktionen und Fertigbau entwickelt. Er führte zahlreiche Industrie- und Kraftwerksbauten in Österreich und im Ausland aus, aber auch Wohnhäuser. Nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete er als Bauunternehmer im Raum Salzburg Kasernenbauten der US Army.

Victor Mittag - Viktor Mittag (1896-1962) studierte an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Heinrich Tessenow und Josef Hoffmann und später an der Akademie der bildenden Künste. Gemeinsam mit Karl Hauschka errichtete er eine Reihe von Wohnhausanlagen des Roten Wien. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden neben mehreren Wohnbauten in Wien auch Wohnhäuser in Eisenstadt nach seinen Plänen.

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