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Troststraße 20-30

Fakten

Troststraße 20-30

Troststraße 20-30, 1100 Wien

Baujahr: 1952-1953

Wohnungen: 235

Architekt: Walter Hübner, Julius Bergmann, Otto Reihs, Josef Ludwig Kalbac

Weitere Adressen

Hardtmuthgasse 19-31, 1100 Wien

Ettenreichgasse 31-37, 1100 Wien

Hollitzergasse 8-10, 1100 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Obwohl die gerade verlaufende Troststraße eine wichtige West-Ost-Achse im Bezirk Favoriten darstellte, blieb der Teil nördlich der Laxenburger Straße bis in die 1950er-Jahre nur locker verbaut. Bedingt durch die massiven Kriegsschäden und die daraus entstandene Wohnungsnot, wurden die Gärten und Kleingartenanlagen in diesem Bereich ab 1950 mit Wohnhäusern verbaut. Die Wohnhausanlage wurde in zwei Bauabschnitten errichtet: 1952 die Front an der Ettenreichgasse (Stiegen 1-4) und der Block Hardtmuthgasse 19-31 (Stiegen 5-8). Im zweiten Abschnitt, an dem auch die Architekten Julius Bergmann und Otto Reihs mitarbeiteten, entstanden 1953 die Stiegen 9-12 (Hardtmuthgasse/Hollitzergasse) sowie der Block an der Troststraße.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage liegt auf leicht ansteigendem Terrain auf einem trapezförmigen Grundstück, begrenzt von Troststraße, Hollitzergasse, Hardtmuthgasse und Ettenreichgasse. Sie besteht aus drei Gebäudekomplexen mit insgesamt 16 Stiegen in offener Blockrandverbauung. Der Kreuzungssituation Troststraße/Ettenreichgasse entspricht die turmartige Überhöhung des hakenförmig um die Ecke geführten Wohnblocks Ettenreichgasse 31-37, in dessen Erdgeschoß sich eine Geschäftszone befindet. Während die anderen Wohnhäuser die einheitliche Bauhöhe von fünf Geschoßen nicht überschreiten, weist der "Turm" sechs Geschoße über dem sockelartig abgesetzten Erdgeschoß auf. Französische Fenster verstärken hier die vertikale Ausrichtung an der Fassade noch zusätzlich.
Die anderen Gebäude sind fünfgeschoßig mit flachen Walmdächern und zum Teil ausgebauten Dachgeschoßen. Die Fassadengliederung ist einfach mit gleichförmiger Fensterverteilung und schmalen, hellen Profilfaschen um die Fenster. Hofseitig verfügt das Haus Hardtmuthgasse 19-31 über Balkone. Mit breiten, offenen Durchlässen sind die Wohnblöcke um einen dreiseitigen Innenhof gruppiert, welcher Spiel- und Ruhezonen bietet.

... und die Kunst

An der Stirnseite des Blocks Troststraße (Stiege 13) schmückt ein großes Wandbild das Gebäude. Das bunte Mosaik von Arnulf Neuwirth zeigt in sechs übereinander angeordneten Registern die Entwicklung des Bezirkes Favoriten.

Der Name

Die Troststraße wurde 1894 nach dem Fleischhauer und Hausbesitzer Martin Trost (1831-1893) benannt. Der gebürtige Bayer gehörte der Liberalen Partei an und war einer der ersten Wiener Gemeinderäte aus Favoriten (1873-1893). Darüber hinaus war Trost auch Vorsitzender des Favoritner Ortsschulrates.

Sanierung

von 1986 bis 2003

Der Einbau der Aufzüge erfolgte im Zuge von Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 1986 bis 1989. Eine weitere Sanierung wurde von 2000 bis 2003 durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 2.303.415 Euro, davon konnten 1.212.747 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Walter Hübner - Walter Hübner (1902-1988) studierte von 1920 bis 1925 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien war er vorwiegend in Arbeitsgemeinschaften an der Realisierung mehrerer großer Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa der Anlagen Troststraße 20-30 in Wien 10 (1952/53) und Langobardenstraße 23-27 in Wien 22 (1950-1959).

Julius Bergmann - Julius Bergmann (1896-1969) studierte von 1918 bis 1923 unter anderem bei Siegfried Theiß und Franz Krauß an der Technischen Hochschule Wien. Zusammen mit Rudolf Boeck und Adolf Hoch plante er das 1950/51 errichtete Josef-Afritsch-Heim (Internationale Kulturwerkstätte Hörndlwald, Josef-Lister-Gasse 7, Wien 13). Für die Gemeinde Wien entwarf Bergmann unter anderem die Wohnhausanlagen Staudgasse 48-50 in Wien 18 (1949-1950) und Hofferplatz 3 in Wien 16 (1955-1957).

Otto Reihs - Der Architekt Otto Reihs (1909-1993) arbeitete auch als Graphiker und Maler. Für die Gemeinde Wien war er unter anderem an den Entwürfen zur Erweiterung der Wohnhausanlage Troststraße 20-30 in Wien 10 (1953) beteiligt.

Josef Ludwig Kalbac - Josef Ludwig Kalbac (1902-1980) studierte nach Abschluss einer handwerklichen Lehre bei Oskar Strnad an der Kunstgewerbeschule Wien Architektur. Als gelegentlicher Mitarbeiter im Büro Josef Hoffmanns war er unter anderem an den Inneneinrichtungen von dessen Reihenhäusern in der Wiener Werkbundsiedlung (1931/32) beteiligt und errichtete gemeinsam mit Hoffmann einen Wohnbau für die Gemeinde Wien im 5. Bezirk in der Blechturmgasse 23-27. Neben industriellen Holzhäusern für eine Wohnsiedlung in Wien Schwechat 1940/41 entstanden auch zahlreiche Projekte für Einfamilienhäuser und Siedlungen; im Jahr 1948-51 errichtete Josef Kalbac den Gemeindebau in der Malfattigasse 27-31.

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