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Bürgergasse 21-23

Fakten

Bürgergasse 21-23

Bürgergasse 21-23, 1100 Wien

Baujahr: 1933-1935

Wohnungen: 374

Architekt: Oskar Wlach, Josef Frank

Weitere Adressen

Laaer-Berg-Straße 22-24, 1100 Wien

Kennergasse 8, 1100 Wien

Gellertgasse 45-51, 1100 Wien

Wohnen in Wien

Zu Beginn der 1930er-Jahre wurde der kommunale Wohnungsbau durch die zunehmend schlechte Wirtschaftslage massiv eingeschränkt. Um für die arbeitslose Bevölkerung trotzdem Wohnraum und Beschäftigung schaffen zu können, ging die Stadt dazu über, am Stadtrand liegendes Bauland zu erschließen und so genannte "Erwerbslosensiedlungen" zur Verfügung zu stellen. Die Siedlungshäuser wurden von den späteren Bewohnern nach einem vorgegebenen Bebauungsplan selbst errichtet. Durch die Ausschaltung des Parlaments und die Einführung einer autoritären ständestaatlichen Verfassung verlor Wien 1934 den Status eines eigenen Bundeslandes. Der Wohnbau kam so gut wie zum Erliegen, und die Arbeitslosigkeit stieg weiter. Der wachsenden Unzufriedenheit in der Bevölkerung versuchte die Stadt entgegenzuwirken, indem sie Bauland zur Gründung autarker Wohneinheiten bereitstellte und so die Bewohner aus dem Elend der traditionellen Arbeiterbezirke an den grünen Stadtrand absiedelte.

Geschichte

Die Bürgergasse 21 - 23, die heute unter Denkmalschutz steht, war eines der letzten Volkswohnhäuser, die in Favoriten vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges erbaut wurden, danach kam die Wohnbautätigkeit praktisch zum Erliegen. Allein in Favoriten wurde ein Drittel der Wohnungen zerstört, unzählige Bomben fielen auf die umliegenden Häuser in der Gellertgasse, diese Wohnhausanlage blieb jedoch wie durch ein Wunder unversehrt. Gegenüber dem Gemeindebau in der Kennergasse liegt die Anlage des FavAC (Favoritner Athletik-Sport-Club), der 1910 aus einem Kegelklub hervorging und sich nach dem Ersten Weltkrieg dem sozialdemokratischen "Verband der Arbeiter- und Soldatenvereine" (V.A.S.) anschloss. 1910, nachdem sie zuvor auf einer Wiese in der Nähe der Quellenstraße gespielt hatten, bezogen die Fußballer den Platz in der Kennergasse, für dessen Aufschüttung das beim Bau des Amalienbades abgefallene Erdreich verwendet wurde.

Die Architektur

Die beiden Architekten Oskar Wlach und Josef Frank, langjährige Partner, schufen Anfang der 1930er-Jahre eine für insgesamt 426 Wohneinheiten Raum gebende Anlage, die blockartig von vier Straßenzügen (Bürgergasse, Laaer-Berg-Straße, Kennergasse, Gellertgasse) begrenzt wird. Die Fassadengestaltung orientiert sich an den Frankschen Prinzipien des ausgewogenen Verhältnisses zwischen unterschiedlichen Maueröffnungen und deren Umrahmung wie auch an der der "neuen Sachlichkeit" entsprechenden, stark reduzierten Formensprache. Die klare Blockrandbebauung zeigt noch ansatzweise (am Eck und im Hof) die Erkerlösung des gegenüberliegenden Pendants in der Gellertgasse, ist aber insgesamt ruhiger und ausgewogener gestaltet (gegen Süden lockern Balkone die Eintönigkeit etwas auf) - ein Eindruck, der allerdings durch die nachträglich hinzugefügten Liftschächte an Originalität verliert. Als etwas Besonderes und für die Zeit Untypisches machen sich auch die hofseitigen Kastenerker aus, die von freistehenden Rundsäulen gestützt werden. Das schmale Hauptgesims und die flache Dachneigung unterstreichen zusätzlich die Wirkung eines kubischen Blocks.

Der Name

Die seit 1872 existierende Verbindung wurde nach Gottfried August Bürger (1747 - 1794) benannt. Der deutsche Dichter, von dem unter anderem die berühmte Ballade "Leonore" stammt, war zeitlebens auch unter dem Pseudonym "Jocosus Hilarius" bekannt und übte neben einer Hochschulprofessur auch eine Funktion als Justizbeamter aus. Darüber hinaus war Bürger auch als Freimaurer tätig.

Sanierung

von 1994 bis 1996

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1994 bis 1996 saniert. Neben der Instandsetzung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, zudem wurde die Anlage an das Fernwärmenetz angeschlossen. Mit dem Einbau von Aufzügen wurde bereits 1986 begonnen. Die Kosten beliefen sich auf 1.424.751 Euro, davon konnten 1.021.730 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Oskar Wlach - Oskar Wlach (1881-1963) studierte zunächst an der Technischen Hochschule Wien, an der er 1906 promovierte. Von 1906 bis 1907 war er an der Akademie der bildenden Künste Wien inskribiert, wo er die Meisterschule von Friedrich Ohmann besuchte. Als selbständiger Architekt ab 1907 arbeitete Wlach überwiegend mit Oskar Strnad und ab 1913 auch mit Josef Frank zusammen. Die Häuser Wildbrandgasse 3 und 11 in Wien 19 (beide mit Josef Frank und Oskar Strnad, um 1914) gehören zu den beeindruckendsten Zeugnissen der modernen Architektur in Wien vor dem Ersten Weltkrieg. In der Zwischenkriegszeit war er an der Realisierung mehrerer Wohnbauten für die Gemeinde Wien beteiligt, bevor er 1939 in die USA emigrierte.

Josef Frank - Josef Frank (1885-1967) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Seine Villen-Bauten der 1920er- und 1930er-Jahre gehören zu den bedeutendsten Werken der Moderne in Wien (z. B. Haus Beer, mit Oskar Wlach, 1929/30). Für die Gemeinde Wien errichtete er alleine und gemeinsam mit seinen langjährigen Partnern Oskar Wlach und Oskar Strnad mehrere Wohnhausanlagen. Die berühmte Werkbundsiedlung im 13. Bezirk wurde als Bauausstellung für ein neues, soziales Wohnen von ihm konzipiert (ab 1930). Frank emigrierte 1934 nach Schweden, wo er zum wichtigsten Wegbereiter des modernen Designs wurde.

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