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Kudlichgasse 35

Fakten

Kudlichgasse 35

Kudlichgasse 35, 1100 Wien

Baujahr: 1930-1931

Wohnungen: 41

Architekt: Karl Dorfmeister

Weitere Adressen

Steudelgasse 40, 1100 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Die Wohnhausanlage in der Kudlichgasse mit zwei Stiegen und ehemals 44 Wohneinheiten, die Karl Dorfmeister in Eigenregie entwarf, schloss mit ihrer nüchternen Erscheinung die ehemals leer stehende, kleine Parzelle blockartig. Während des Zweiten Weltkrieges - im letzten Kriegsjahr war Favoriten besonders häufig Ziel von Bombenangriffen - wurde auch der Gemeindebau schwer beschädigt und nach 1955 wieder instand gesetzt.

Die Architektur

Die fünfgeschoßige Eckverbauung ist klassisch dreigeteilt in eine Sockel-, Mittel- und Dachzone, das sehr flach geneigte, leicht abgewalmte Satteldach bleibt von der Straße aus fast unsichtbar und verleiht dem Bau eine strenge, kubische Wirkung. Der blockartige Eindruck wird durch die markante Nutung der Gebäudeecke in den oberen Geschoßen und die durchgehenden Gitterbalkone im obersten Stockwerk noch verstärkt. Ein schmales, durchgehendes Gesimsband, das den Übergang von der Erdgeschoßzone zu den Hauptgeschoßen markiert, betont zudem die Horizontale. Die verschiedenformatigen Maueröffnungen sind tief eingeschnitten und wirken durch ihre Schlichtheit in der massigen Einheit etwas isoliert, über den Eingang in der Kudlichgasse wird der trapezförmige Hof betreten, von hier aus sind beide Stiegenhäuser erschlossen. An der Hoffassade der Kudlichgasse reihen sich Gitterbalkone nach oben und bieten Blick auf die begrünte Hofanlage.

Der Name

Die Kudlichgasse, benannt nach dem Reichtagsabgeordneten Hans Kudlich (1823 - 1917), existiert seit 1872. Kudlich entstammte einer wohlhabenden Bauernfamilie und studierte Philosophie und Rechtswissenschaften in Wien. Während des Oktoberaufstands 1848 versuchte er eine bäuerliche Volkserhebung gegen Feldmarschall Windischgrätz zu organisieren und leitete die endgültige Bauernbefreiung ein. Nach der Auflösung des Reichrats floh er nach Deutschland und studierte ein Jahr später in Zürich (Dr. med. 1853). Aus der Schweiz ausgewiesen, emigrierte Kudlich in die USA, wo er als Arzt praktizierte und sich gegen Sklaverei einsetzte. 1854 wurde er wegen seiner Rolle im Oktoberaufstand in Abwesenheit zum Tode verurteilt.

Sanierung

von 2014 bis 2016

Für die Wohnhausanlage ist ab 2014 eine Sanierung geplant. Das Dach soll neu gedeckt werden, und durch die Erneuerung der Fenster und Türen sowie der Fassade sollen die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem sollen in Wohnungen Gas-Kombi-Thermen eingebaut werden.

Architekten

Karl Dorfmeister - Karl Dorfmeister (1876-1955) schloss 1903 sein Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Otto Wagner mit dem begehrten Rompreis ab. Bautätigkeiten sind erst ab der Zwischenkriegszeit bekannt. Dorfmeister realisierte drei Wohnhausanlagen für die Gemeinde Wien, zwei davon gemeinsam mit Rudolf Frass und Rudolf Perco.

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