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Angeligasse 78-80

Fakten

Angeligasse 78-80

Angeligasse 78-80, 1100 Wien

Baujahr: 1929-1930

Wohnungen: 94

Architekt: Edmund Misterka, Leopold Simony

Weitere Adressen

Neilreichgasse 59-61, 1100 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

An der Ostseite der bis dahin unverbauten Neilreichgasse entstanden um 1929 im Bereich Friesenplatz etwa zur selben Zeit zwei große Wohnanlagen, Angeligasse 78-80 und Friesenplatz 1-2. Der zweiflügelige Wohnhof an der Angeligasse ist durch einen begrünten Vorplatz an der Ecke der Parzelle auf den gegenüber liegenden Bau hin orientiert.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage an der Ecke Neilreichgasse/Angeligasse wurde 1929-1930 vom Wiener Stadtbauamt auf einem Eckgrundstück nach Plänen des Architekten Leopold Simony und dessen Mitarbeiter Edmund Misterka errichtet. Simony galt zu dieser Zeit als ausgewiesener Fachmann für sozialen Wohnbau, hatte er doch bereits zahlreiche theoretische Schriften dazu veröffentlicht und schon während der Monarchie etliche Wohnanlagen für Arbeiter gebaut. Der zweiflügelige um zwei rechteckige Innenhöfe gruppierte Bau ist in seiner Strukturierung dementsprechend fortschrittlich und zweckmäßig. Neben Kleinwohnungen waren ein Geschäftslokal und ein Jugendheim geplant. Nach außen zeigt der wuchtige Bau 5-6 Geschoße über einem Sockel und eine ausgebaute Dachzone mit Walmdach. Während die Fassade zur Neilreichgasse mittels einfacher Nutung eher sachlich gestaltet wurde, ist die Seite Angeligasse als eigentliche Schauseite zu sehen. Hier finden sich mittige offene Loggien, an den Ecken vortretende kubische Bauteile mit Terrassen und eine zweigeschoßig ausgebaute Dachzone mit seitlich geschwungenem Giebelabschluss. Verbinden sich in der Außenansicht sachliche Strenge und Dekorformen in der Tradition des Heimatstils, so zeigen im Inneren qualitätvolle Details wie die gusseisernen Gartenleuchten oder die antikisierenden Türrahmen die Bandbreite der Gestaltungsmittel.

Der Name

Die Angeligasse wurde nach dem Wiener Historien- und Porträtmaler Heinrich von Angeli (1840-1920) benannt, dessen populärstes Werk das von Kaiser Franz Josef beauftragte Porträt der Hofschauspielerin Katharina Schratt ist.

Sanierung

von 2015 bis 2018

Die Stiegenhäuser der Wohnhauslange wurden ab 1989 in mehreren Etappen mit Aufzügen ausgestattet. Die Kosten beliefen sich auf 905.431 Euro, davon konnten 519.124 Euro durch Förderungen gedeckt werden.
In den nächsten Jahren wird die Wohnhausanlage einer umfassenden Sanierung unterzogen. Neben der Neudeckung des Daches, Sanierung der Dachverblechungen sowie des Dachstuhls und des Dachbodens umfassen die Arbeiten auch Erneuerung der Fassade und Tausch der Türen. Außerdem wird die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen und es werden die Keller saniert.

Architekten

Edmund Misterka - Edmund Misterka (1904-1992) studierte von 1923 bis 1931 an der Technischen Hochschule Wien, wo er bereits 1928 die 2. Staatsprüfung ablegte und im Anschluss noch die Meisterschule besuchte. Als Mitarbeiter von Leopold Simony war er unter anderem an den Entwürfen zum Wohnhaus Angeligasse 78-80 in Wien 10 (1929/30) beteiligt.

Leopold Simony - Leopold Simony (1859-1929) studierte 1877 bis 1883 an der Technischen Hochschule Wien bei Karl König und Heinrich Ferstel. Ab 1889 arbeitete Simony als selbständiger Architekt, wobei er bis etwa 1904 vor allem in Arbeitsgemeinschaft mit Theodor Bach tätig war. Simony war auf Industriebauten spezialisiert, die er in Galizien und am Balkan errichtete. Dabei entstanden oft auch gleichzeitig Arbeitersiedlungen. Er wurde immer mehr zum Fachmann für sozialen Wohnbau und setzte sich zunehmend für einen genossenschaftlichen Wohnungsbau ein. Ab 1900 war er Geschäftsführer der Gemeinnützigen Baugesellschaft für Arbeiterwohnhäuser und leitete als solcher den Bau tausender sozialer Arbeiterwohnungen. Die von ihm entworfenen Wohnanlagen, wie etwa der Lobmeyrhof in Wien 16 (Wernhardtstraße 13-19, 1900/01), wurden in ihren riesigen Dimensionen mit Blockrandverbauung um Höfe und Gemeinschaftseinrichtungen für den späteren sozialen Wohnbau der Zwischenkriegszeit prägend.

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