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Alxingergasse 97-103

Fakten

Alxingergasse 97-103

Alxingergasse 97-103, 1100 Wien

Baujahr: 1957-1958

Wohnungen: 93

Architekt: Maria Tölzer, Peter Tölzer

Weitere Adressen

Van-der-Nüll-Gasse 96, 1100 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Nach dem Ersten Weltkrieg gab es im 10. Bezirk noch Grundstücksreserven an der Triester Straße, am Ostabschnitt der Quellenstraße, an der Troststraße, am Wienerberg und an den Abhängen des Laaer Berges. Etwa 13 Prozent der Gebäude, die von der Gemeinde Wien zwischen 1923 und 1934 errichtet wurden, liegen in Favoriten. Diese Wohnhausanlage wurde auf einem Grundstück errichtet, auf dem zuvor das Provinzialat der Dienerinnen des heiligen Geistes stand. Dieses diente während dem Nationalsozialismus als Stützpunkt, von dem aus Personentransporte in die Konzentrationslager durchgeführt wurden.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage schließt eine Baulücke in den zeilenartig verbauten Straßenzügen der Alxingergasse und der Van-der-Nüll-Gasse. Die auf ansteigendem Terrain errichtete Anlage besteht aus zwei Gebäuden, die einander gegenüber liegen und durch einen rechteckigen, begrünten Innenhof voneinander getrennt sind. Das größere der beiden Wohnhäuser mit flach geneigten Satteldächern befindet sich an der Alxingergasse, der kleinere Bau an der Van-der-Nüll-Gasse. Die Gebäude sind sechsgeschoßig mit zum Teil ausgebauten Dachgeschoßen, die Fassaden wurden glatt verputzt. Straßenseitig stellen vor allem Form, Größe und Anordnung der Fensteröffnungen (französische Fenster) ein wesentliches Gestaltungselement dar. Hofseitig unterbrechen die versetzt angeordneten Fenster der Stiegenhäuser die horizontalen Fensterbänder und markieren so die dahinter liegende Gebäudestruktur. An den äußeren Achsen des Gebäudes Alxingergasse führen einfache, rechteckige Tordurchlässe in den Hof, von dem aus die einzelnen Stiegen begehbar sind. Bereits 1959 wurde hier eine eingeschoßige Garage für Motorräder errichtet. In dem parkartig gestalteten Innenhof mit Spielplatz und Ruhezone steht eine Steinplastik.

... und die Kunst

Im Innenhof der Anlage befindet sich eine Natursteinplastik von Eduard Robitschko in Form einer stehenden weiblichen Figur (1957-1960).

Der Name

Die Alxingergasse wurde 1875 nach Johann Baptist von Alxinger (1755-1797) benannt. Der österreichische Schriftsteller und Jurist trat auch unter dem Pseudonym Johannes Xilanger auf. Er war Sekretär des Hofburgtheaters und verbreitete in seinen Schriften die Ideen der Aufklärung.
Die Van-der-Nüll-Gasse hat ihren Namen seit dem Jahr 1875 (ein Teil hieß noch bis 1894 Wienerfeldgasse). Benannt wurde sie nach dem Wiener Architekten Eduard van der Nüll (1812-1868), der ab 1843 an der Wiener Akademie lehrte und mit seinem Berufspartner August Sicard von Sicardsburg (1818-1868) eine Ateliergemeinschaft bildete. Als Lehrer und Baukünstler errangen die beiden die unbestritten führende Stellung unter den österreichischen Architekten der Spätromantik. Ihr Hauptwerk war der Bau der Wiener Oper an der Ringstraße (1861-1869), der für Eduard van der Nüll zum Schicksal wurde: Kurz vor der Fertigstellung beging er aufgrund anhaltender Kritik Selbstmord.

Sanierung

von 1987 bis 1988

Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 1987 und 1988 erfolgte unter anderem auch der Anschluss an die Fernwärme Wien. Die Kosten beliefen sich auf 104.794 Euro, davon konnten 83.835 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Maria Tölzer - Maria Tölzer (1908-1998), zunächst im pädagogischen Bereich tätig, studierte bei Prof. Franz Schuster an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Zu ihren bekanntesten Werken, die vielfach in Arbeitsgemeinschaft mit ihrem Ehemann Peter Tölzer entstanden, gehört der 1947-1948 errichtete Kindergarten in der Per-Albin-Hanson-Siedlung West. Die Architektin entwarf aber auch Kinderspielzeug, gestaltete eine Vielzahl von Interieurs und veranstaltete Ausstellungen.

Peter Tölzer - Peter Tölzer (1910-1997) arbeitete nach seiner Ausbildung an der Kunstgewerbeschule im Graphikatelier Josef Binder. Nach dem 2. Weltkrieg begann er eine neue Karriere als Architekt mit einem Studium bei Clemens Holzmeister und Erich Boltenstern. In Arbeitsgemeinschaft mit seiner Ehefrau Maria Tölzer entstanden z. B. 1959-1962 Bauteil 11 der Wohnhausanlage in Wien 10, Eisenstadtplatz, oder der 1975-1976 realisierte Ernst-Papanek-Hof.

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