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Robert-Erber-Hof

Fakten

Robert-Erber-Hof

Schüttelstraße 19, 1020 Wien

Baujahr: 1950-1952

Wohnungen: 250

Architekt: Karl Hauschka, Oskar Payer

Weitere Adressen

Böcklinstraße 14-22, 1020 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Die Gegend, in der das Wohnhaus steht, war lange Zeit öde und verwahrlost, da sie aus einer Aulandschaft bestand, die alljährlich von Hochwassern geplagt wurde. Sein heutiges Gesicht bekam das Gebiet erst mit der Donauregulierung 1870 - 1875. Zu dieser Zeit entstanden neben Bädern Hotels, Cafés und andere wichtige Einrichtungen. Das Areal wurde zur beliebten Wohngegend. Das Grundstück, auf dem die Wohnhausanlage errichtet ist, wurde 1933 aus dem Besitz der Wiener und Ebenfurther Dampfmühlen Schöller und Co. A. G. von der Stadt Wien erworben.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage umfasst dreizehn aneinanderstoßende Trakte, die auf rechteckigem Grundriss einen begrünten Hof umschließen. Monumentalisierender, zentrierter Aufbau kennzeichnet die nach der Schüttelstraße ausgerichtete Front als eine der beiden Hauptfassaden. In der Mittelachse befindet sich ein breitgelagerter Eingangsbereich, der von einer profilierten, leicht vortretenden Steinrahmung umgeben ist. Eine Stütze unterteilt das Portal. Die Flanken der Front sind durch symmetrisch vortretende Bauteile definiert, deren orthogonal zur Schüttelstraße stehende Seitenflächen jeweils mit Malereien versehen sind. Die spiegelgleiche Platzierung der beiden hochrechteckigen Kunstwerke betont die achsialsymmetrische Anlage. In der Böcklinstraße schwingt die Fassade im zentralen Gebäudeteil aus. Auch hier treten die beiden flankierenden Trakte spiegelgleich vor. Ein mit profilierter, vortretender Steinrahmung versehener Eingangsbereich markiert die Zentralachse. An den Hoffassaden befinden sich vereinzelt Balkone. Auf gliedernde Details wurde hier gänzlich verzichtet.

... und die Kunst

Die beiden in der Schüttelstraße platzierten Wandbilder wurden von Ernst Paar geschaffen, sie entstanden zwischen 1950 und 1952. Die Kunstwerke tragen den Titel "Vier Berufsstände" und "Vier Lebensalter". Wie auch für zeitgleiche Kunst am Bau charakteristisch, wird versucht, eine Gesamtschau des Lebens zu entwerfen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Allgemeinheit der Aussage.

Der Name

Die Wohnhausanlage ist nach Robert Erber (1895-1978) benannt. Als ausgebildeter Goldarbeiter trat der Namensgeber bereits 1910 dem Verband jugendlicher Arbeiter in der Leopoldstadt bei und war zwischen 1910 und 1921 Obmann der Sozialistischen Arbeiterjugend in Klosterneuburg. Seit 1934 war Erber wiederholt Verfolgungen ausgesetzt. 1938 als Betroffener der Nürnberger "Rassengesetze" von den Wiener Verkehrsbetrieben entlassen, flüchtete er in die Schweiz, von wo er zurückgestellt wurde. 1939 gelang ihm die Fluch nach England. 1947 nach Wien zurückgekehrt, nahm er die politische Arbeit wieder auf.

Sanierung

von 1988 bis 1988

Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen im Jahr 1988 erfolgte unter anderem auch der Lifteinbau. Die Kosten beliefen sich auf 105.812 Euro, davon konnten 63.487 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Karl Hauschka - Karl Hauschka (1896-1981) studierte Architektur an der Akademie der bildenden Küste Wien bei Peter Behrens. Bei diversen Architekturwettbewerben gewann er mehrere Preise, jedoch sind kaum realisierte Werke bekannt. In den 1920er- und 1930er-Jahren entwarf er in Arbeitsgemeinschaft mit Viktor Mittag eine Reihe von Wohnhausanlagen des Roten Wien, darunter auch den Wildganshof in Wien 3, sowie in den 1960er-Jahren den Harry-S.-Truman-Hof in Wien 23 in Zusammenarbeit mit den Architekten Wenko Bossew, Otmar Brunner, Maria Albrecht, August Kastner, Karl Molnar und Rudolf Sorgo.

Oskar Payer - Oskar Payer (1903-1973) erlernte zunächst das Tischlerhandwerk, bevor er die Staatsgewerbeschule in Wien besuchte. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er sich vor allem für eine Verbesserung der Wohnkultur sowie auch für die Funktionalität der Wohnung selbst ein. Dies stellte er u.a. in zahlreichen Publikationen, wie z.B. "Die praktische Wohnungskunde", und als Obmann des Vereins "Die Frau und ihre Wohnung" unter Beweis. Für die Stadt Wien plante Oskar Payer gemeinsam mit seinem Sohn Peter Payer mehrere Tausend Wohnungen, allen voran die zahlreichen Montagebau-Wohnungen.

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