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Van-der-Nüll-Gasse 82-86

Fakten

Van-der-Nüll-Gasse 82-86

Van-der-Nüll-Gasse 82-86, 1100 Wien

Baujahr: 1925-1926

Wohnungen: 136

Architekt: Ernst Egli

Weitere Adressen

Troststraße 60-62, 1100 Wien

Alxingergasse 89-93, 1100 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

An der Troststraße, die als eine wichtige West-Ost-Achse durch den Bezirk Favoriten führt, entstanden um 1925 nahezu zeitgleich drei große Wohnanlagen der Gemeinde Wien (Van-der-Nüll-Gasse 82-86, Troststr. 64-66 u. 68-70).

Der Architekturtheoretiker Ernst Egli erlangte vor allem durch seine Schriften zum kommunalen Wohnbau Bedeutung. Nur wenige seiner für die Stadt Wien geplanten Projekte wurden tatsächlich ausgeführt. Sie gelten als besondere Zeugnisse seines Schaffens. Für das an der Troststraße/Van-der-Nüll-Gasse errichtete Wohnhaus war für Egli die Idee vom Bedarf nach Luft und Sonne grundlegend, wie eine zeitgenössische Beschreibung berichtet. Im Erdgeschoß wurden Räume für ein Städtisches Brauhaus und ein Kaffeehaus eingeplant, im Hof der Wohnanlage ein Kindertagesheim.

Die Architektur

Der Wohnblock entstand zwischen 1924 und 1926 auf einem bis dahin unverbauten Grundstück an der Troststraße begrenzt von Alxingergasse und Van-der-Nüll-Gasse. Die vierflügelige Randverbauung um einen rechteckigen Innenhof zeigt einen streng symmetrischen Bauplan, wobei die Fassade an der Troststraße einen durch mächtige, flankierende Runderker hervorgehobenen Mittelteil erhielt. Horizontale Fensterbänder und ein als Geschäftszone gestalteter Sockel entsprechen der breiten Lagerung des fünfgeschoßigen Ziegelbaus mit Walmdach und rundbogigen Dachlukenfenstern. Insgesamt 9 Stiegen erschließen die Anlage um eine parallel zur Troststraße liegende Durchfahrtsachse. Die Fassadengliederung durch variierte kubische Fensterformen und einfachen Dekor wie flache Fensterfaschen ist zugunsten des Rhythmus von Wand und Öffnungen bewusst einfach. An den Seitenfronten verwendete Egli das Motiv des Dreiecksgiebels sowohl an den Geschäftsportalen als auch an den Dachgiebeln.

Der hofseitige Trakt ist durch einen zentralen kubischen Aufbau optisch markiert. Hier befindet sich im Erdgeschoß der Kindertageshort mit großen zeittypisch kleinteiligen Sprossenfenstern. Geometrische Weganlagen durchziehen den begrünten Innenhof. Eigenwillige architektonische Akzente setzen die spangenartigen Terrassen auf Betonpfeilern, die die Stiegeneingänge in den Hofecken jeweils im ersten Geschoß miteinander verbinden.

Der Name

Die Van-der-Nüll-Gasse trägt seit 1875 diesen Namen (ein Teil hieß bis 1894 Wienerfeldgasse) und wurde nach dem Wiener Architekten Eduard van der Nüll (1812-1868) benannt, der ab 1843 an der Wiener Akademie lehrte und mit seinem Berufspartner August Sicard von Sicardsburg (1818-68) eine Ateliergemeinschaft bildete. Als Lehrer und als Baukünstler errangen Van der Nüll und Sicardsburg die unbestritten führende Stellung unter den österreichischen Architekten der Spätromantik. Hauptwerk der beiden war der Bau der Wiener Oper an der Ringstraße (1861-69), der für Eduard van der Nüll zum Schicksal geworden ist. Kurz vor der Fertigstellung beging er wegen anhaltender Kritik Selbstmord.

Sanierung

von 1987 bis 1997

Der Anschluss an die Fernwärme Wien und der Einbau der Aufzüge erfolgten im Zuge von Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 1987/1988. Eine weitere Sanierung wurde von 1995 bis 1997 durchgeführt. Neben der Instandsetzung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung von Fassade, Fenstern und Türen. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 2.730.028 Euro, davon konnten 1.258.646 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Ernst Egli - Ernst Egli (1893-1974) studierte von 1912 bis 1918 an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1925 auch promovierte. Ab 1924 war Egli Assistent von Clemens Holzmeister an der Akademie der bildenden Künste Wien, der ihn in die Türkei vermittelte, wo Egli 1927 Chefarchitekt der Bauabteilung des Unterrichtsministeriums in Ankara und zugleich Leiter der Architekturfakultät an der Akademie der Schönen Künste in Istanbul wurde. In den folgenden Jahren errichtete er zahlreiche Schulen, Verwaltungsbauten und Wohnhäuser in der gesamten Türkei. 1940 übersiedelte er in die Schweiz, wo er bis 1963 als Städteplaner und Lehrer tätig war; unterbrochen nur von einer vierjährigen Tätigkeit für die Regierung des Libanons in Beirut und einer Berufung an die Universität Ankara (TR) für zwei Jahre.

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