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Kennergasse 10

Fakten

Kennergasse 10

Kennergasse 10, 1100 Wien

Baujahr: 1924-1925

Wohnungen: 164

Architekt: Josef Hofbauer, Wilhelm Baumgarten

Weitere Adressen

Bürgergasse 24, 1100 Wien

Staudiglgasse 9, 1100 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Zwischen Reumannplatz und Laaer-Berg-Straße liegen vor allem weitläufige kommunale Wohnhöfe der Zwischenkriegszeit. Während des Zweiten Weltkrieges gingen unter anderem auch in der Kennergasse und der Bürgergasse zahlreiche Bomben nieder - in der Kennergasse wurden die Wohnhäuser mit den Hausnummern 8, 10 und 12 sowie in der Bürgergasse die Häuser 2-20 teilweise fast vollständig zerstört.

An der Ecke Bürgergasse/Kennergasse, in unmittelbarer Nähe zum Gemeindebau, liegt die Anlage des FavAC (Athletik-Sport-Club), der 1910 aus einem Kegelklub hervorging und sich nach dem Ersten Weltkrieg dem sozialdemokratischen "Verband der Arbeiter- und Soldatenvereine" (V.A.S.) anschloss. Nachdem der Verein zuvor auf einer Wiese in der Nähe der Quellenstraße gespielt hatte, bezog er 1910 den Platz in der Kennergasse, für dessen Aufschüttung das vom Bau des Amalienbades abgefallene Erdreich verwendet wurde.

Die Architektur

Die bemerkenswerte Baulückenschließung grenzt an einen gründerzeitlichen Block. Die einzelnen Trakte sind um einen großzügigen, gärtnerisch gestalteten Innenhof angeordnet, ein Querbau mit rückseitigem Hof schließt zu den Nachbarhäusern hin ab. In der Kennergasse öffnet sich die Anlage durch einen mächtigen, triumphbogenartigen Torbau mit Konsolen und Fahnenmasten sowie zwei seitlichen Eingängen zum Hof, von dem aus die sieben Stiegen begehbar sind.

Das Wohnhaus wird durch den subtilen Einsatz von Klinkermauerwerk, das teilweise in die Fassaden eingelassen oder in Form dünner Klinkerstreifen bis zum Dach hochgezogen ist, vertikal gegliedert. Ob Sockelzone oder Portal, Mauerkanten oder Lisenen - die rot gebrannten Ziegel sind nicht nur eigenwilliger Bauschmuck und Verkleidung, sondern zeigen auch die unverkennbare Handschrift der beiden Architekten Wilhelm Baumgarten und Josef Hofbauer. Die gelblich verputzten, dazwischen liegenden Mauerflächen sorgen zudem für eine äußerst lebendige Fassadengestaltung. Die ästhetische Gesamtwirkung des auffallenden Bauwerks wird durch das glasierte Majolikarelief "Städtebauer" über dem vergitterten Portal abgerundet.

... und die Kunst

Der Risalit über dem Eingangstor ist mit dem Relief "Die Städtebauer" (1924) des Bildhauers und Medailleurs Otto Hofner (1879-1946) überhöht. Dadurch bekommt die Fassade eine äußerst lebhaft Wirkung. Im Eingangsbereich zum Hof erinnert eine Gedenktafel an die Opfer des Faschismus unter den früheren Bewohnern des Gemeindebaus.

Der Name

Die seit 1925 unter diesem Namen bestehende Kennergasse wurde nach Dr. Friedrich Kenner (1834-1922), einem berühmten Altertumsforscher, benannt. Kenner war von 1883 bis 1899 Direktor des Wiener Münzkabinetts und wurde 1908 in den Adelsstand erhoben. Besondere Verdienste erwarb er sich um die Darstellung der Römerzeit Oberösterreichs. Kenner starb am 22. November 1922 in Wien, wo er ein Ehrengrab der Stadtgemeinde erhielt.

Sanierung

von 1992 bis 1994

Der Anschluss an die Fernwärme Wien erfolgte im Zuge von Sanierungsarbeiten in den Jahren 1988/89. Von 1992 bis 1994 wurde eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Instandsetzung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 4.076.292 Euro, davon konnten 3.199.543 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Josef Hofbauer - Josef Hofbauer (1875-1936) studierte von 1904 bis 1907 an der Akademie der bildenden Künste bei Friedrich Ohmann. Seinen ersten großen Auftrag erhielt er bereits 1908: die Errichtung der Kaiser-Franz-Josefs-Jubiläumsschule in Mauerbach. 1921 gründete er mit seinem Studienkollegen Wilhelm Baumgarten (1885-1959) eine Bürogemeinschaft, die sich vor allem im Bereich des Schulbaus einen Namen machte.

Wilhelm Baumgarten - Wilhelm Baumgarten (1885-1959) studierte von 1907 bis 1910 an der Akademie der bildenden Künste bei Friedrich Ohmann. In der 1921 mit Josef Hofbauer gegründeten Bürogemeinschaft entstanden für das Wiener Wohnbauprogramm der Pirquethof (Wien 16) und die Wohnhausanlage in der Bürgergasse 24 (Wien 10). 1940 emigrierte Baumgarten in die USA, wo er bis zu seiner Pensionierung Architektur am North Carolina State College lehrte.

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