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Thurygasse 6

Fakten

Thurygasse 6

Thurygasse 6, 1090 Wien

Baujahr: 1955-1956

Wohnungen: 11

Architekt: Wilhelm Foltin

Wohnen in Wien

In den 50er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 m² auf 55 m² angehoben.

Geschichte

Die Gegend nördlich der Thurygasse und das Lichtental im Allgemeinen wurden als direktes Umland zum militärisch wichtigen Franz-Josefs-Bahnhof bei den zahlreichen Luftangriffen zu Beginn des Jahres 1945 besonders stark zerstört. Eines der wichtigsten Erfordernisse nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war demnach auch für dieses Areal die Schaffung von Wohnraum für die Ausgebombten. Neben diversen Gesetzen, die die Verwirklichung dieses Vorhabens unterstützten Wohnhaus-Wiederaufbaufonds, 1948; Wohnbauförderungsgesetz, 1954) hatte auch die ungebrochene Tradition der rein kommunalen Wohnbautätigkeit weiterhin Bestand. Dabei wurden folgende, von Stadtrat Kurt Heller formulierte Zielsetzungen verfolgt: Verringerung der Wohndichte (das Lichtental war durch eine überdurchschnittlich hohe Bevölkerungsdichte von über 500 Einwohnern per Hektar gekennzeichnet), Verbesserung der Wohnverhältnisse, Entmischung von Wohnen und Gewerbe sowie die Errichtung von Grünflächen und öffentlichen Einrichtungen. Daher kam es zum Abbruch des unwirtschaftlichen Altbestandes der Liegenschaft Thurygasse 6 und zum Neubau eines "Kleinwohnungshauses".

Die Architektur

Der Entwurf zu diesem sechsgeschoßigen Gebäude ist auf ein geometrisches Spiel im Grundriss aufgebaut: Die gesamte Plangeometrie ist normal zur exakt in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Parzellengrenze angelegt. Auf diese Weise ergibt sich eine stufenförmige Abtreppung der Fassade mit zwei nischenartigen Rücksprüngen in der Fensterfront. Die zweiflügeligen Fenster sind in die sonst glatte Fassade mit einem schmalen Rahmen eingeschnitten. Im obersten Geschoß gibt es Terassen, die durch die in diesem Bereich zurückversetzte Fassade entstehen. Eine Eingangsstiege führt zum Haustor im Erdgeschoß, das an das etwas überhöhne Kellergeschoß anschließt.

Der Name

Die Thurygasse wurde 1862 nach dem Ziegelfabrikanten Johann Thury benannt. Dieser hatte im Jahr 1646 mit dem Wiederaufbau der Gegend begonnen, die beim Einfall der Türken über 100 Jahre zuvor zerstört worden war. Eine inzwischen verschwundene Inschrift am Haus in der Liechtensteinstraße 51 belegte dies: "Vor Alters allhie ein Dorf stand/ Welches Siechenals genannt/ Als man zelt 1529 Jar/ Von Türken zerstöhret war./ Anjezzo, als man 1646 sagt/ Johann Thury dieses Hauß erbauet hat."

Architekten

Wilhelm Foltin - Wilhelm Foltin (1890-1970) besuchte zunächst die Wiener Kunstgewerbeschule unter Josef Hoffmann. Bereits während dieser Zeit lieferte er Stoffentwürfe für die Wiener Werkstätte ab. Nach dreijährigem Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg studierte er an der Akademie der bildenden Künste bei Alexander Popp und im Studienjahr 1930/31 war er außerdem als Hörer an der Technischen Hochschule Wien inskribiert. Am 1. August 1940 erwarb Foltin das Diplom eines "akademisch gebildeten Architekten" und erhielt ein Staatsreisestipendium über 1.000 RM für das Folgejahr. Von 1942 bis 1944 hatte er einen Lehrauftrag für Möbel- und Modellbau an der Akademie inne. Schwerpunkt seines Schaffens waren stilistisch von der Wiener Werkstätte geprägte Möbel und Wohnungseinrichtungen.

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