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Galileigasse 6

Fakten

Galileigasse 6

Galileigasse 6, 1090 Wien

Baujahr: 1949-1959

Wohnungen: 28

Architekt: Johann (Hans) Stöhr

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 m² auf 55 m² angehoben.

Geschichte

Wie die städtische Wohnhausanlage in der Galileigasse Nr. 1 entstammt auch diese Anlage der Wiederaufbauzeit in den unmittelbaren Nachkriegsjahren. Das Wohnhaus ersetzte ältere, unwirtschaftlich gewordene Häuser. Es wurde an der linken Seite an ein Gebäude im Besitz der Gemeinde Wien, Galileigasse Nr. 8, angebaut, in dem sich heute die Volkshochschule befindet. Entlang dieser linken Feuermauer befand sich ursprünglich ein 8 Meter breiter Hausdurchgang, der als Ausgang für ein geplantes Kino in das Haus Nr. 8 hätte dienen sollen. 1997 wurde diese Zone in eine Wohnung umgestaltet. Kleinere Umbauten im Bereich der Wohnungen Nr. 1 und Nr. 2 veränderten den Baubestand 1989 unwesentlich.

Die Architektur

Das sechsgeschoßigen Gebäude fügt sich relativ unauffällig in die Umgebung ein. Die Fassade ist in drei Teile gegliedert: Den mittleren Teil bildet ein flacher, vier Geschoße umfassender Erker mit drei Fensterachsen, der von Scheinkonsolen getragen wird. Er ist farblich hervorgehoben. Links und rechts davon befinden sich schlichte Fassaden ohne aufwändige Dekorationen. Einzig die Fensterrahmen treten dezent in den Vordergrund. Die überhöhte Sockelzone - der dritte Fassadenteil - ist horizontal genutet und liegt hinter der Flucht der oberen Geschoße zurück. Der Hauseingang trägt einen ähnlichen Rahmen wie die Fenster - er ist hier allerdings in Naturstein ausgeführt. Die zweiflügelige Glastüre befindet sich in der Sockelzone, direkt unter der mittleren Fensterreihe des Erkers. Dadurch wird die Mittelachse des Gebäudes betont.

... und die Kunst

An der Außenwand prangen in der Sockelzone zwei Reliefs aus Naturstein über dem Eingang - "Galileo Galilei" und " Astronomische Erdkugel". Beide Reliefs wurden zwischen 1950 und 1951 von Heinz Leinfellner geschaffen. Das Galilei-Relief ist eine Illustration des Straßennamens "Galileigasse", wie sie häufig in den 1950er-Jahren zu finden ist. Es zeigt Galilei, den schiefen Turm von Pisa sowie bedeutende Errungenschaften Galileis. Ursprünglich war ein weiteres Kunstwerk an der rechten Seite des Eingangs vorgesehen.

Der Name

Die Galileigasse wurde 1870 nach dem italienischen Mathematiker und Astronomen Galileo Galilei (1564-1642) benannt. Am schiefen Turm von Pisa führte er sein berühmten Fallversuche durch. Er benutzte das Fernrohr zur Erforschung des Himmels und machte zahlreiche Entdeckungen von Naturgesetzen, die ihn schließlich in Konflikt mit der herrschenden kirchlichen Lehre brachten.

Architekten

Johann (Hans) Stöhr - Johann (Hans) Stöhr (1897-1981) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Nach seinem Studium trat er in das Wiener Stadtbauamt (MA 19) ein, dessen Leiter er bis 1963 war. In dieser Funktion war er vor allem in der Zeit des Wiederaufbaus an der Errichtung zahlreicher kommunaler Bauten beteiligt. So wurden ein Teil der Stadtrandsiedlung Leopoldau in Wien 21 und der Bauteil Ost der Per-Albin-Hansson-Siedlung in Wien 10 nach seinen Entwürfen errichtet. 1950 wurde seine berufliche Tätigkeit in dokumentierter Form als Dissertation an der TU Wien anerkannt.

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